Schmerzen, die verzweifeln lassen

Etwa jede fünfte Frau leidet an Endometriose – Wenn selbst Schmerzmittel nicht mehr helfen  

Viele Ärzte haben Constanze Sabathil eine OP gegen die Endometriose ans Herz gelegt. Vorerst probiert es die Neuhauserin aber mit Kräutertees nach traditioneller chinesischer Medizin.
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Viele Ärzte haben Constanze Sabathil eine OP gegen die Endometriose ans Herz gelegt. Vorerst probiert es die Neuhauserin aber mit Kräutertees nach traditioneller chinesischer Medizin.

So starke Schmerzen, bei denen selbst Schmerzmittel nicht mehr helfen. Die Krankheit Endometriose kann dahinter stecken. Constanze Sabathil erzählt in  Hallo, wieso die Krankheit so schwer zu erkennen und zu therapieren  ist...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell widmen wir uns Menschen, die im Alltag dauerhaft mit gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert sind – so wie Con­stanze Sabathil. Warum sie wegen Endometriose jahrelang nicht ohne Schmerzmittel leben konnte, wieso die Krankheit so schwer zu erkennen und zu therapieren ist, erzählt die Neuhauserin in Hallo.

Eine Nacht wird Constanze Sabathil ihr Leben lang nicht vergessen. Damals – 2015 – ist sie allein zuhause. Bauchschmerzen reißen die Münchnerin aus dem Schlaf. „Schmerzen, so stark, als ob mir jemand die Organe rausreißt“, beschreibt es Sabathil. 

Sie ruft einen Krankenwagen, doch als die Sanitäter kommen, wird es kritisch. „Ich konnte vor Schmerzen nicht laufen, bin zur Tür gerobbt und habe gerade noch so die Klinke erreicht“, erinnert sich die 31-Jährige. 

Keine Periode ohne Schmerzmittel 

„Die Situation ist für mich bis heute erschreckend!“ Dabei ist die Neuhauserin an starke Schmerzen gewöhnt – zumindest während ihrer Menstruation. „Seit ich 17 bin, habe ich während der Periode immer Schmerzmittel gebraucht. Aber irgendwann haben selbst die nicht mehr geholfen.“ 

Denn Sabathil leidet an Endometriose: einer Versprengung von Gebärmutterschleimhaut, die während der Menstruation überall im Körper Entzündungen hervorrufen kann – bei ihr vor allem im Bauch.

 „Je nachdem, wo ein Entzündungsherd entsteht, sind die Beschwerden andere: Rückenschmerzen, Darm- oder Blasenprobleme“, zählt Dr. Thomas Füger, Leiter des Endometriose-Zentrums der Dr.Geisenhofer-Frauenklinik einige Möglichkeiten auf. 

Endometriose ist nicht selten

Zudem ist Endometriose einer der Hauptfaktoren für Unfruchtbarkeit. „Weil die Symptome so unterschiedlich sind, dauert es in der Regel sieben bis acht Jahre, bis die Diagnose gestellt ist“, so Füger. 

Dabei ist Endometriose nicht selten: „Jede fünfte Frau ist im Laufe ihres Lebens davon betroffen“, schätzt Füger. „Aber viele denken, dass ihre Regelschmerzen normal sind und einfach ausgehalten werden müssen.“ 

Auch für Sabathil waren ihre Menstruationsschmerzen lange ein Tabuthema. „Inzwischen sehe ich es als meine Mission an, so vielen Menschen wie möglich davon zu erzählen.“ Dabei will sie etwa auf die schwierige Therapiesituation aufmerksam machen. 

Hilft nur die Pille oder eine Operation? 

„Viele Ärzte haben mir gesagt, ich soll einfach die Pille durchgängig nehmen“, erzählt die 31-Jährige. Das habe zwar die Schmerzen unterdrückt, aber auch Nebenwirkungen mit sich gebracht. 

Die zweite Alternative – operativ die Entzündungsherde zu entfernen – scheut die Neuhauserin, „weil ich von anderen Betroffenen von schlechten Erfahrungen gehört habe“. Andere Optionen gibt es derzeit aber nicht, sagt Füger. 

„Wir wissen bis jetzt nicht genau, wie Endometriose entsteht, deswegen gibt es keine richtige Therapie.“ Allerdings würden die OPs heute besonders schonend vorgenommen. „In einem erfahrenen Zentrum liegt das Operations­risiko weit unter einem Prozent.“ 

Hilfe durch traditionelle chinesische Medizin

Geheilt ist man aber auch nach einer OP nicht zwingend. „In 30 bis 40 Prozent der Fälle können später wieder Entzündungsherde auftauchen“, so Füger. Ein Ende der Beschwerden komme für die meisten Betroffenen erst mit den Wechseljahren. 

Constanze Sabathil geht unterdessen einen anderen Weg: Mithilfe einer Expertin für traditionelle chinesische Medizin versucht sie es seit vier Wochen mit Kräutertees und einer Ernährungsumstellung. 

Was ihr bisher aber am meisten geholfen hat: „Zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die manchmal vor Schmerzen gekrümmt am Badezimmerboden liegt.“

rea

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