So amerikanisch ist unsere Stadt

Weltreise durch München (5):  Howdy an der Floßlände – Hallo beim Cowboy-Club zu Besuch

Seit knapp 80 Jahren gibt es eine Ranch an der Isar: das Zuhause des Münchner „Cowboy Clubs“.
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Seit knapp 80 Jahren gibt es eine Ranch an der Isar: das Zuhause des Münchner „Cowboy Clubs“.

Dieses Jahr verzichten die meisten auf einen Urlaub in ferne Länder. Wie und wo man auch in der Landeshauptstadt auf exotischen Urlaubsflair trifft, verraten wir in unserer neuen Serie...

  • Hallo nimmt sie auf eine Weltreise mit, ohne die Stadt zu verlassen.
  • Dieses Mal dreht sich alles um die Vereinigten Staaten von Amerika.
  • Hallo zu Besuch beim Münchner Cowboy-Club

Die Durchsage„Ready for boarding“ werden diesen Sommer nur wenige Münchner hören. Auf einen Urlaub in fernen Ländern verzichten die meisten. Für spannende Kulturen und exotisches Essen reichen aber ein paar Schritte vor die eigene Wohnungstüre. In unserer neuen Serie „Weltreise durch München“ nehmen wir Sie mit an die schönsten Reiseziele – und das alles, ohne die Stadt zu verlassen. Also: „Fasten your seatbelts, ready for take-off“. Viel Spaß auf Ihrer Münchner Weltreise!

Das Tor an der Zentralländstraße 37 ist der Eingang zu einer anderen Welt. Eine Welt, in der John Wayne im nächsten Moment um die Ecke spazieren könnte und plötzlich das Verlangen nach einer Zigarette entsteht, die man lässig mit der Hacke der braunen Lederstiefel ausdrückt. Es riecht nach Pferden, unweit entfernt kräht ein Hahn. 

Seit knapp 80 Jahren gibt es eine Ranch an der Isar: das Zuhause des Münchner „Cowboy Clubs“. Der Traum vom Auswandern in die USA bewegte drei Männer 1913, den Münchner „Losverein Wild West“ zu gründen. Gemeinsam nahmen sie an der Lotterie teil und hofften auf den Jackpot, um sich die Emigration leisten zu können. Statt dem großen Traum kam der Erste Weltkrieg. 

Ein Einblick in eines der Zelte des Cowboy-Club München.

Kostüm ist Pflicht 

Der Verein blieb trotzdem bestehen, wuchs und wurde zum „Cowboy Club“ umbenannt. Seine Mitglieder erlernten die englische Sprache, beschäftigten sich mit den Bräuchen von Indianern und Cowboys. Als Pflicht galt es, ein Original-Kostüm zu besitzen. Das ist auch heute noch so – 101 Jahre später. 

Jenny Fischer ist die Tochter der Saloon-Pächter. Sie hat auf der Ranch ihre ersten Schritte gemacht, sagt sie. Heute trägt die 32-Jährige schwarze Vans, passend zu ihrem Sommerkleid. Die Kostüme ziehen die meisten Mitglieder nur zu besonderen Anlässen an. 15 solcher Kleider hat Fischer im Schrank, handgenäht. Ihre Wochenenden verbringt sie gerne auf der Ranch, auch ihr Freund ist Mitglied im Verein. 

Zusammen wohnen sie dann in ihrer Holzhütte im hinteren Teil des Areals. „Es ist wie eine Zeitreise. Den Schalter umlegen und in 1860 sein“, schwärmt Fischer. Der Reiz sei die Entschleunigung. Handy aus, Zeitmaschine an. Für die Vergangenheit reist Fischer aus Ingolstadt an. „Wenn man zehn Tage lang die Uhrzeit nur am Sonnenstand abgelesen hat, ist es schwierig, wieder in die reale Welt zu gehen.“ 

„Den Cowboy Club gibt es nicht ohne Pferde“, sagt Jenny Fischer. Auf dem Areal an der Floßlände stehen neben dem großen Saloon und dem Stall auch Zelte, Tipis und Holzhütten.

Sommerfeste, Kinderprogramme: Wer Zeit im Wilden Westen verbringen möchte, hat dazu eigentlich viele Gelegenheiten. Wegen der Corona-Pandemie müssen diese nun vorerst ausfallen. Der Saloon hat aber inzwischen wieder für private Veranstaltungen geöffnet. 

Mitten im Wald, neben dem Pferdestall und am Lagerfeuer. „Man muss schon ein Faible für das Historische haben, das Romantische“, sagt Fischer. Der „Cowboy Club“ ist eben nicht nur ein Verein, sondern mehr ein echtes Lebensgefühl. Nur der krähende Hahn – der ist nicht original. Er gehört den Nachbarn. 

Hier gibt es noch mehr Amerika in München

Das Amerikahaus, Karolinenplatz 3, veranstaltet Lesungen, Vorträge und Co. zur US-amerikanischen und kanadischen Kultur. Dort ist seit Anfang Juli die Ausstellung „From A New Yorker’s Perspective“ über Andy Warhol von Fotograf Christopher Makos zu sehen. Eintritt frei, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 16 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 16 Uhr. 

Auch aus sportlicher Perspektive hat München einiges zu bieten: In Oberwiesenfeld trainieren die Caribes, der einzige Baseball-Verein der Stadt. Wer lieber Touchdowns und Tackles mag, stattet den Munich Cowboys oder den München Rangers einen Besuch ab. Die erste Mannschaft der Cowboys spielt in der höchsten deutschen Football-Liga.

Hier noch einige Fakten:
  • 6709 US-Amerikaner leben in München.
  • 27 Tage würde es theoretisch dauern mit dem Radl nach New York zu fahren.
  • Lieblingsrestaurant der Autorin: Von meinem Freund zubereitete Spareribs, sind aber unverkäuflich...

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Sophia Oberhuber

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