Kinderaugen im richtigen Licht

Gesund heranwachsen (8): Wegen Corona - Homeschooling verstärkt Kurzsichtigkeit bei Kindern

Seit der Corona-Pandemie hängen Kinder nicht nur in der Freizeit viel am Monitor. Dies kann gravierende Folgen für die Augen haben.
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Seit der Corona-Pandemie hängen Kinder nicht nur in der Freizeit viel am Monitor. Dies kann gravierende Folgen für die Augen haben.
  • Romy Ebert-Adeikis
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Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sitzen Kinder mehr vor dem Computer. Eine Fachärztin erklärt, was auch bei Homeschooling vor Kurzsichtigkeit schützt.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell widmen wir uns dem Thema „Gesund heranwachsen“. Immer mehr Kinder kämpfen mit Kurzsichtigkeit.

Was Augen hilft, um die steigende Bildschirmzeit durch Homeschooling auszugleichen und wieso eine Sehschwäche weitere Probleme nach sich ziehen kann, verrät die Münchner Augenärztin Prof. Dr. Irmingard Neuhann.

Handy, Computer, Playstation: In Zeiten der Corona-Pandemie kleben unsere Augen auch dank Homeoffice und Homeschooling noch mehr vor dem Bildschirm als zuvor.

Gerade für Heranwachsende ein Problem. „Kurzsichtigkeit entwickelt sich vor allem in der Kindheit und Pubertät. Danach können unsere Augen zwar noch schlechter werden, aber in einem deutlich langsameren Tempo“, sagt Augenärztin Irmingard Neuhann, die in Neuhausen Oberärztin eines Medizinischen Versorgungszentrums ist.

Bereits jetzt sind kurzsichtige Kinder längst kein Einzelfall. „Man kann davon ausgehen, dass ein Viertel der Heranwachsenden eine Kurzsichtigkeit entwickelt. Und die Tendenz steigt“, sagt Neuhann. Studien aus ostasiatischen Ländern deuten zudem darauf hin, dass mit der Pandemie die Zunahme von Sehstörungen überproportional stark angestiegen ist.

Seit der Corona-Pandemie hängen Kinder nicht nur in der Freizeit viel am Monitor. Studien deuten darauf hin, dass das gravierende Folgen für die Sehstärke hat, so Augenärztin Irmingard Neuhann.

Dass immer mehr Menschen nur verschwommen in die Ferne sehen können, ist eine Anpassung an die Lebensumstände. Weil die Augen mehr für „Nahtätigkeiten“ genutzt werden, stellen sich diese darauf ein. „Dafür wächst das Auge in die Länge“, erklärt die Expertin. Das hat – neben der Kurzsichtigkeit – zur Folge, dass das Augengewebe gedehnt und dünner wird.

„Dadurch steigt das Risiko für Komplikationen wie Netzhautablösungen, einwachsende Gefäße oder sogar Grauen Star“, sagt die Augenärztin.

Zwar spielt Genetik eine große Rolle dabei, wer kurzsichtig wird und wie stark. „Einer Sehschwäche vorzubeugen, ist trotzdem wichtig“, so Neuhann. Dabei helfe es schon, kleine Angewohnheiten zu verändern. Weil beim konzentrierten Lesen oder Schauen oft das Blinzeln vergessen wird, sollte man die Augen bewusst befeuchten – notfalls mit Augentropfen.

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Wie die Augen geschützt werden können

Bei Kindern könne man sogenannte Bella-Donna-Tropfen, welche die Pupille weit stellen in geringer Dosis auch über Nacht anwenden. Und auch am Bildschirm kann man Justierungen vornehmen: „Der Kontrast sollte hochgestellt, die Helligkeit an die Umgebungsbeleuchtung angepasst werden, so dass der Monitor nicht zu grell ist.“

Wichtigster Faktor beim Schutz der Augen ist aber: Tageslicht. „Durch natürliches Licht wird das Hormon Dopamin ausgeschüttet. Das sorgt dafür, dass das Auge nicht in die Länge wächst“, sagt Neuhann. Sie empfiehlt daher vor allem für Heranwachsende, dass diese mindestens zwei Stunden täglich nach draußen gehen.

„Die Kombination aus exzessiver Naharbeit, zu der man auch das Schauen in den Bildschirm zählen kann, und Drinnenhocken ist wahrscheinlich der Grund für die gestiegene Kurzsichtigkeit.“

Tragen Kinder bereits eine Brille, ist es wichtig, dass diese korrekt angepasst ist. „Sonst wächst das Auge trotz Sehhilfe weiter“, so die Expertin. Vor allem bei einer Vorbelastung in der Familie sollten Kinder ihre Sehstärke daher jährlich untersuchen lassen. Der erste Besuch beim Augenarzt wird im Alter von 2,5 bis 3,5 Jahren empfohlen.

Diese Anzeichen sollten Eltern kennen

Wenn Kinder in der Schule das Geschriebene an der Tafel nicht mehr richtig lesen können, sollten bei Eltern die Alarmglocken schrillen. „In einem jüngeren Alter sind nur höhergradige Sehschwächen sichtbar. Dass ein Kind aus Sehgründen ständig irgendwo dagegenläuft, kommt eher nicht vor“, so Expertin Irmingard Neuhann.

Anders verhält es sich, wenn Kinder Bücher oder den Handybildschirm extrem nah vors Gesicht halten. Das kann ebenso ein Symptom für Kurzsichtigkeit sein, wie das Zusammenkneifen der Augen beim Lesen oder Spielen.

„Weitsichtigkeit fällt hingegen oft durch Schielen auf“, erklärt Neuhann.

Romy Ebert-Adeikis

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