München auf der großen Leinwand (3):

Von Blutlache bis Schlammschlacht – Hallo bei einer Patiniererin zu Besuch

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Frédérique Guillard hat die Kostüme für „Big Game“patiniert. Bei „Die Drei Musketiere“ musste historische Kleidung für den nächsten Take voll Schlamm sein.

Licht an, Kamera läuft und Action: Hallo nimmt Sie in der Serie „München auf der großen Leinwand“ mit in die Welt des Films in unserer Heimatstadt. Diesmal erzählt eine Patinierin von ihrer Arbeit...

München – Eine Kampfszene mit Rüstungen, die nur so vor Dreck strotzen. Der Held, der bei einer Verfolgungsjagd angeschossen wird und auf dessen blütenweißem Hemd sich langsam ein blutroter Fleck ausbreitet. 

Ohne sogenannte Patinierer, die die fertigen Kostüme bearbeiten, würden unsere Lieblingsszenen weniger echt ausfallen. Im Interview erzählt die Haidhauser Patiniererin Frédérique Guillard, was an einem Dreh mit Samuel L. Jackson besonders war und warum sie manchmal Probleme hat, Filme zu schauen.

Frau Guillard, wenn am Sonntagabend beim Tatort eine Person erschossen wird. Wie kann ich mir Ihre Arbeit da vorstellen? 

Wenn das Blut frisch aussehen soll, dann trage ich die Farbe erst am Set auf. Der Regisseur sagt, ob es mehr oder weniger sein soll. Soll es für viele Szenen halten und trocken aussehen, dann mache ich das vor dem Dreh im Atelier.

Die Kostüme für „Big Game“ hat Frédérique Guillard patiniert.

Und da stellen Sie dann Schusswechsel nach? 

So ähnlich (lacht). Ich trage die Kostüme manchmal vor den Darstellern selber, um zum Beispiel zu sehen, wo genau die Hose Falten schlagen wird. Die Sachen müssen manchmal auch mitaltern. 

Wenn ein Charakter einen Pulli über Jahre trägt, im Gefängnis, in der Psychiatrie. Wenn der Darsteller beim Dreh zum Beispiel hinfallen soll, muss die Bearbeitung auch an der genau richtigen Stelle sein.

Verwenden Sie dafür echten Dreck? 

Ja auch, und ich arbeite mit Farben und Pigmenten.

Bei „Die Drei Musketiere“ musste historische Kleidung für den nächsten Take voll Schlamm sein.

Welcher Film ist dafür ein gutes Beispiel? 

2013 habe ich mich um die Kostüme von Samuel L. Jackson in „Big Game“ gekümmert. Anfangs war er normal gekleidet und im Wald sollte die Kleidung immer dreckiger werden. Es gab zehn verschiedene Bearbeitungsstufen mit Patinierung.

Bei all den Details: Ganz ehrlich, können Sie überhaupt noch Filme schauen? 

Ich tue mich manchmal schwer (lacht). Im Film beobachte ich die Kostüme und ob das Patinierte auch passt. Manche sagen, sie hätten kein Geld für uns Patinierer. Aber ohne diese Arbeit sehen die Kostüme flach und unlebendig aus. 

Sophia Oberhuber

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