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Prächtig, aber krank ‒ Münchens wohl ältester Baum steht in Moosach

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Die doppelstämmige Röth-Linde ist ein Hingucker – muss aber schon gestützt werden. Fotos: Stücher, privat
Die doppelstämmige Röth-Linde ist ein Hingucker – muss aber schon gestützt werden. © Patricia Stücher

Naturdenkmal in Moosach: Mit einem geschätzten Alter von 325 Jahren ist die Röth-Linde nahe des Westfriedhofs der wohl älteste Baum Münchens.

München - eine Stadt mit Geschichte und Geschichten: In unserer aktuellen Serie begibt sich Hallo auf die Suche nach den ältesten Vertretern ihrer jeweiligen Gattung. Manches ist sogar älter als die 864 Jahre alte Isarmetropole selbst. Diesmal stellen wir Ihnen den ältesten Baum vor.

Die Röth-Linde: Münchens wohl ältester Baum steht nahe des Westfriedhofs

Ungefähr drei Millionen Bäume schmücken unsere Stadt. Ein ganz besonderes Exemplar: die Röth-Linde im Stadtteil Nederling (Stadtbezirk Moosach). Mit einem geschätzten Alter von 325 Jahren ist die Winterlinde – einer der häufigsten Straßenbäume der Stadt – der vermutlich älteste Baum Münchens. Sie steht nicht weit entfernt vom Westfriedhof, ist 23 Meter hoch und hat einen Stammumfang von 6,24 Metern.

In welchem Jahr der Baum genau gepflanzt wurde, lässt sich nur erahnen. „Das Alter des Baumes ist schwer herauszufinden, da er dafür gefällt werden müsste,“ berichtet Markus von Peter, Kontrollmeister bei der unteren Naturschutzbehörde. Zwar wurden Untersuchungen wie eine Bohrwiderstandsmessung und eine Schalltomographie durchgeführt, welche den Erhaltungszustand des Holzes feststellen können.

Die Auswertungen blieben jedoch unkonkret – auch, weil die Linde in den 80er-Jahren stark beschädigt wurde und innen inzwischen hohl ist. „Es wurde eine altertümliche Pflegemaßnahme zur Entfernung von Pilzen durchgeführt. Dabei verlor die Röth-Linde ihr Innenleben und musste mit Stahlstangen gestützt werden,“ erklärt von Peter.

Markus von Peter, Kontrollmeister bei der unteren Naturschutzbehörde.
Markus von Peter, Kontrollmeister bei der unteren Naturschutzbehörde. © privat

Münchens wohl ältester Baum: Röth-Linde als Friedensbaum nach dem Dreißigjährigen Krieg

Deshalb erahnt man das wahre Alter nur anhand der Geschichte. Philipp Röth (1841 bis 1921), ehemaliger Landschaftskünstler und Namensgeber des Baumes, malte unter der Linde, da hatte sie schon gute 200 Jahre auf dem Buckel. Experten mutmaßen, dass die Linde wahrscheinlich als Friedensbaum nach dem Dreißigjährigen Krieg gepflanzt wurde.

„Heute ist der Baum ein Inten­sivpatient, um den man sich mit verschiedenster Pflege kümmert“, sagt von Peter. Zu den Versorgungsmaßnahmen zählen: regelmäßige Bewässerung, langsamer Kronenzuschnitt, Mistelreduzierung und das Anbringen von acht Kronensicherungen und einer Aststütze.

Wie lange uns die Linde noch erhalten bleibt, kann man leider nicht sagen. Eigentlich können Winterlinden bis zu 1000 Jahre alt werden. Aufgrund des Krankheitszustandes der Röth-Linde sei das jedoch eher unwahrscheinlich. Bleibt also nur zu hoffen, dass die Linde auch der nächsten Generation noch als Fotomotiv dienen kann.

Bäume als Naturdenkmäler

In München gibt es 117 Naturdenkmäler mit 200 Einzelbäumen, die nach §28 Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind. Das Gesetz bildet die rechtliche Basis für die Schutzgüter Natur und Landschaft und die Maßnahmen von Naturschutz und Landschaftspflege. Bäume werden dann als Naturdenkmal ausgezeichnet, wenn ihr Schutz wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit oder aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen erforderlich ist. Darunter zählen unter anderem der Japanische Schnurbaum am Karolinenplatz 2a in der Maxvorstadt und die Krüner Eiche an der Ehrwalderstraße 30 in Untersendling. Bei der Eiche mutmaßen einige sogar, dass sie älter sein könnte als die Röth-Linde, man kann dies aber nicht beweisen.

Im ersten Teil der Serie haben wir mit Maria Ziehbauer Münchens älteste Einwohnerin vorgestellt. Der zweite Teil hat sich Münchens ältestem noch bewirtschafteten Gasthaus gewidmet. Außerdem hat sich Hallo Münchens älteste Tram und Buchhandlung angesehen.

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