Handwerk: Die jungen Macher

Lords of the Boards

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Johannes Nissen-Meyer (rechts) und sein Kumpel Michael Mardofel (links) denken mit „The Bakery Snowboard“ einen alten Beruf neu.

München – Das Handwerk in und um München boomt: Zwei Quereinsteiger denken mit „The Bakery Snowboard“ einen alten Beruf neu

Über 23 000 Menschen haben dieser Tage eine Ausbildung bei einem bayerischen Handwerksbetrieb begonnen. Anlässlich des internationalen Tag des Handwerks am 15. September sprechen wir mit jungen und alten Meistern über Nachwuchsmangel, Frauen in Männerdomänen & neue Branchen.

Wenn Johannes Nissen-Meyer vorsichtig mit den Fingern an den Snowboardkanten entlang fährt, funkeln seine Augen vor Begeisterung. Denn hier, in der offenen Werkstatt am Ostbahnhof, wird ein ganz neues Handwerk quasi aus dem Nichts „gebacken“: das eines Snowboardbauers.

Schritt für Schritt zum Board: Bindungen markieren, Kantenschleifen und bei 80 Grad in der Presse „backen“.

„2004 hatte ich Lust, mir ein Surfbrett zu bauen, dann folgten Snowboards“, erzählt Nissen-Meyer. Knapp acht Jahre tüftelt er mit Kumpel Michael Mardofel. Heute fertigen sie in ihrer Manufaktur binnen 24 Stunden ein nachhaltiges Brett aus sieben Schichten inklusive Bio-Epoxidharz, Bambus-Kern und individuellem Aufdruck.

Der Name „The Bakery Snowboards“ kommt vom Backen der Schichten bei 80 Grad und 40 Tonnen Druck in der Presse. „Wir haben uns das Handwerk selbst beigebracht. Fräsen, schleifen, schweißen, Design, drucken – im Bau eines Snowboards stecken mindestens fünf Handwerksberufe“, sagt Mardofel. Dabei sind die beiden Brett-Bauer alles andere als gelernte Handwerker: „Professionell angefangen haben wir Ende 2014. Da war Michael noch im Online-Marketing und ich steckte in meinem Doktor für theoretische Physik.“

Schritt für Schritt zum Board: Bindungen markieren, Kantenschleifen und bei 80 Grad in der Presse „backen“.

Bei zunehmendem Erfolg würden die beiden ihre Fähigkeiten gerne als offizielles Handwerk an den Nachwuchs weitergeben. „Wir kriegen so viele Anfragen. Doch leider ist die Eintragung eines neuen Handwerks sehr schwer“, sagt Mardofel. Zudem fehlt es den beiden an Räumen, denn sie müssen ihre Bäckerei im Werksviertel bald verlassen. „Doch trotz mancher Rückschläge lieben wir, was wir tun. Und am besten ist immer noch die Qualitätskontrolle im Neuschnee.“

Julia Langhof

Neuer Beruf

Schritt für Schritt zum Board: Bindungen markieren, Kantenschleifen und bei 80 Grad in der Presse „backen“.

Einfach ein ganz neues Handwerk bei der Handwerkskammer zu beantragen, ist nahezu nicht möglich. „Im Prinzip wird seit den 80er-Jahren hinsichtlich der Ausbildungsberufe nur noch angepasst. Wer sich innerhalb eines Berufs aber auf eine Nische spezialisiert darf das gerne machen“, erklärt Alexander Dietz, Sachgebietsleiter Nachwuchsförderung bei der Handwerkskammer. „Wenn sie dennoch Azubis anstellen wollen, geht das trotz Meisterbrief nur durch Kooperationen mit anderen Unternehmen, da man selbst nicht alle nötigen Ausbildungsbereiche abdeckt.“

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