Handwerk: Die jungen Macher

Aus Liebe zu München

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Elgin Thomé (23) ist Stuckateurin im dritten Lehrjahr und arbeitet gerade in einer Villa an der Theresienwiese.

München – Das Handwerk in und um München boomt: Stuckateurin Elgin Thomé (23) will etwas erschaffen und der Stadt zurückgeben

Über 23 000 Menschen haben dieser Tage eine Ausbildung bei einem bayerischen Handwerksbetrieb begonnen. Anlässlich des internationalen Tag des Handwerks am 15. September sprechen wir mit jungen und alten Meistern über Nachwuchsmangel, Frauen in Männerdomänen & neue Branchen.

Auch mal 40-Kilo-Säcke schleppen und die einzige Frau auf der Baustelle sein: kein Problem für Elgin Thomé. Die 23-Jährige ist Stuckateurin im dritten Lehrjahr und arbeitet gerade in einer Villa an der Theresienwiese. „Es ist unglaublich, in welche Häuser man so kommt.“ Das Haus soll stilecht restauriert werden, daher fertigt Thomé eine Schablone an, um an einer neueingezogenen Wand eine Hohlkehle, eine Abrundung der Kante von Wand und Decke, anzubringen. Ein Gipsmodell dient als Vorlage. Jetzt muss sie aus Holz den Unterbau für die Schablone aussägen und zurecht feilen.

Thomés Vater ist selbst Handwerker. Die Berufswahl seiner Tochter erfreute ihn.

Thomés Motivation: „Ich kann durch München fahren und zeigen: ‚Das hab ich gemacht.‘“ Etwas selber zu erschaffen, das war Thomés Wunsch nach ihrem Film­- und 3D-Animations-Studium. Mit 20 Jahren macht sie ihren Bachelor, aber vor der Vorstellung, den ganzen Tag am Schreibtisch vor dem PC zu sitzen, graut es ihr. „Ich will etwas Neues lernen“, wusste sie und bewarb sich für mehrere Handwerksberufe – zur Freude des Vaters. „Der ist selber Schlosser und ich hab schon früher mit ihm gewerkelt.“

Eigentlich sollte es nur ein Ausflug in ein anderes Gewerbe sein, bevor sie zu Film und Animation zurückkehrt – doch das kann sie sich jetzt nicht mehr vorstellen. Dank ihres Studiums wurde Thomés Ausbildung bei der Firma Baumgartner Stuck und Bau verkürzt. In ihrem Jahrgang ist sie bayernweit die einzige Frau, wie oft auch auf der Baustelle. „Man wird schon mal auf ein Date eingeladen, aber sonst ist der Umgang sehr kollegial und freundlich.“ Nur mit einer Sache kann sie sich nicht so recht anfreunden: sich mit den Männern ein Dixi-Klo teilen zu müssen.

Die Aufgaben im Berufsfeld sind abwechslungsreich: Stuck- und Putzarbeiten wechseln sich ab.

Wie es beruflich weitergehen soll, weiß die Münchnerin genau. „Ich will nicht mein Leben lang auf der Baustelle sein, sondern mal in einer Werkstatt arbeiten.“ Die Arbeit ist körperlich hart. „Aber mir macht es Spaß, mich auszupowern.“ Nach einem Arbeitstag sei sie zwar kaputt, aber glücklich und zufrieden. Dann wundert es auch nicht, dass Thomé in der Freizeit Rugby spielt.

Ihre Aufgaben sind abwechslungsreich: Stuck- und Putzarbeiten wechseln sich ab. „Mal gibt es kreative Aufträge, mal verputze ich in einem neuen Gebäude.“ Ihr Traum: alte Kirchen oder Schlösser wie Schloss Nymphenburg restaurieren. „Ich mache genau das, was ich an München so mag und kann der Stadt etwas zurückgeben.“

Sabina Kläsener

Die Ausbildung zum Stuckateur

Das Haus soll stilecht restauriert werden. Ein Gipsmodell dient als Vorlage. Aus Holz muss Thomé den Unterbau für die Schablone aussägen und zurecht feilen.

Modern und traditionell zugleich: So wird die Arbeit als Stuckateur beschrieben. In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre und gehört zu den gut bezahlten Ausbildungsberufen. Für den Blockunterricht geht es, wie für Elgin Thomé, an die Berufsschule in Nürnberg. Als Stuck bezeichnet man eine plastische Ausformung von Mörtel. Heutzutage geht es bei dem Beruf nicht mehr nur um Arbeiten mit Stuck. Als gelernter Stuckateur muss man mit Materialien wie Putze für Innen und Außen und Dämmstoffen umgehen können. Der Beruf ist vielseitig. Ob Innenwände und -decken, Fußböden oder komplette Fassaden – es gibt kaum ein Bauteil, an dem der Stuckateur nicht tätig ist. Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis sind auch bei Themen wie Wärmeschutz, Feuchteschutz, Schallschutz und Raumakustik gefragt.

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