Quote schon ausgereizt?

Leerstand in München (2) : Quote bei städtischen Wohnungen schon auf niedrigst-möglichem Niveau?

Das Gros der städtischen Wohnungen in München gehören der GWG und GEWOFAG
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Das Gros der städtischen Wohnungen in München gehören der GWG und GEWOFAG
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Im zweiten Teil der Leerstand-Serie von Hallo München geht es um die Situation bei den städtischen Wohnungen. Wie derzeit die Quote ist und was Verena Dietl dazu sagt.

München - Rund 71000 Wohnungen gehören der Stadt. Zum 31. Dezember 2020 standen 186 davon länger als sechs Monate leer, wie aus dem aktuellen Bericht zu Wohnungsleerständen hervorgeht.

0,26 Prozent. Geht da noch was? Nein, verlautbart das zuständige Planungsreferat. Leerstand in städtischen Immobilien sei „unvermeidlich“.

Es handele sich fast ausschließlich um baulich bedingte Leerstände, die aufgrund von Sanierungen oder Neubautätigkeiten entstehen.

Konkret: Wird etwa ein Haus abgebrochen und neu gebaut, kann mit den Baumaßnahmen erst begonnen werden, wenn alle Mieter Zug um Zug ausgezogen sind – und bis dahin gibt es unvermeidlichen Leerstand. Mögliche Zwischennutzungen werden vorrangig durch das Amt für Wohnen und Migration geprüft.

Erster Teil der Serie: Leerstand in München (1): So steht es aktuell um Wohnungen in unserer Stadt

Quote bei städtischen Wohnungen war nicht immer so gering

Im Leerstandsbericht finden sich auch Fälle, in denen sich die Vermietung hingezogen hat. Wie bei einer 4-Zimmer-Wohnung in Milbertshofen, die vier Mal auf der städtischen Wohnungsplattform „SOWON“ und zwei Mal auf Immoscout angeboten werden musste, jetzt aber vermietet ist.

Verena Dietl, Dritte Bürgermeisterin (SPD) und Aufsichtsratsvorsitzende der GWG und GEWOFAG, denen das Gros der städtischen Wohnungen gehören, zeigt sich über die Leerstandsquote folglich zufrieden (siehe Interview unten). Zum Vergleich: Am freien Markt stehen laut „Mikrozensus Wohnen 2018“ rund 6,2 Prozent leer.

Die Quote bei den städtischen Wohnungen war jedoch nicht immer so gering: Seit 2013 wird der Bericht jährlich vorgelegt. Seitdem hat sich die Leerstandsquote bei zugleich gestiegenem Immobilienbesitz um das nahezu Vierfache verringert.

Wie ist das gelungen? „Sicher ein großer Schritt, noch besser zu werden, war die Einführung der SOWON, der elektronischen Wohnungsvergabe“ erklärt Dietl. „Jede einzelne Wohnung kann jederzeit nachverfolgt werden, nichts kann auf dem Postweg verloren gehen.“so

Hallo München-Interview

Als Aufsichtsratsvorsitzende der GWG und ­GEWOFAG hat dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) den städtischen Leerstand genau im Blick. Hallo hat sie gesprochen.

Frau Dietl, wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Leerstandsquote bei den städtischen Wohnungen?

Ich bin als Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der beiden städtischen Wohnungsgesellschaften mit der aktuellen Quote sehr zufrieden. Sie liegt jeweils deutlich unter einem Prozent und ist in jedem einzelnen Fall nachvollziehbar.

Wie erklären Sie sich, dass Wohnungen zum Teil erst nach vier Durchläufen auf SOWON und zwei weiteren auf Immoscout vermietet werden können?

Die Erklärung ist einfach. Wohnungssuchende können sich auf mehrere Wohnungen bewerben und tun das auch. Wenn sich dann bei der Besichtigung herausstellt, dass die einzelne Wohnung doch die falsche Lage, den falschen Schnitt oder die falsche Umgebung hat, wenn vielleicht eine bessere Wohnung noch in Aussicht steht, wird der Gesellschaft abgesagt. Bei über 3000 Vergaben im Jahr kommt das immer wieder vor. Auch bei unseren günstigen Wohnungen müssen Mietparteien und Umfeld zusammenpassen.

Dritte Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der GWG und GEWOFAG: Verena Dietl (SPD).

Kann die Fusionierung von GWG und ­GEWOFAG dazu beitragen, Leerstand zu senken?

Ich glaube nicht, dass die Zusammenlegung Auswirkungen auf den Leerstand haben wird. Er ist schon maximal niedrig und wird es angesichts der Wohnungsknappheit in München auch bleiben. Auswirkungen erhoffe ich mir vor allem auf die Neubau- und Sanierungszahlen und die Zufriedenheit der Mieterinnen und Mieter. Wir wollen das Beste aus beiden Gesellschaften bündeln.

Leerstand in München (3): Die aktuelle Lage bei Gastronomie und Geschäften

Gerettete Wohnungen

So will die Stadt den Mietern die Angst vor Luxussanierungen und der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen nehmen: 21 Häuser hat die Stadt München 2020 gekauft.

Außerdem verpflichteten sich andere Käufer in elf Fällen mit 121 Wohnungen mit Mieterschutzerklärungen dazu, dasselbe zu tun. Seit 2001 hat die Stadt ihr Vorkaufsrecht 530 Mal ausgeübt und damit 9987 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 628 687 Quadratmetern gerettet. 2019 waren es 13 Häuser, die München gekauft hatte, 2018 acht und 2017 keines.

Revoluzzer der 80er

Seit seiner Studentenzeit ist Siegfried Benker politisch engagiert und liberal eingestellt. So kam es, dass auch der heutige Chef der Münchenstift als „Opfer der Wohnungssituation“ selbst in den 80er-Jahren an Haus-Besetzungen beteiligt war.

Schon damals waren die Mietpreise hoch, gab es unnötigen Leerstand und Immobilien­spekulanten in München. „Man hat damals in den Häusern Wasser abgestellt oder das Dach abgetragen um die Bewohner zu entmieten und das maximale Kapital aus einem Haus rauszuholen.“

Grund genug für Benker, beispielsweise in der Tulbeckstraße 14 auf offener Straße und an vorderster Front gegen Leerstand zu protestieren. Und das, obwohl für München galt, dass im Gegensatz zu Berlin kein Haus länger als 24 Stunden besetzt sein sollte.

Protest gegen Leerstand in der Tulbeckstraße 14 in München. Siegfried Benker war vorne mit dabei.

„Unsere Aktionen hatten auch Erfolg, etwa in der der Loth­straße 52. Der Leerstand dort wurde in langen Verhandlungen mit der Polizei und dem Rektorat der Hochschule für fünf Jahre an 30 Studenten vermietet.“

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