Münchens neue Quartiere: Der Prinz Eugen Park in Bogenhausen

Von der Kaserne zur Mustersiedlung

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Kräne prägen das Bild des Prinz Eugen Parks, in dem 1800 Wohnungen entstehen.

Bogenhausen - Der Prinz Eugen Park soll über 4000 Menschen ein Zuhause bieten – und in Sachen Zusammenarbeit und Ökologie neue Maßstäbe setzen

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser neuen Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Über 20 Kasernen hat es einst in München gegeben – aktuell sind es noch zwei. Für die Stadt mehr Gewinn als Verlust: Heute wachsen dort immer öfter neue Stadtviertel aus dem Boden. So, wie im Prinz Eugen Park in Bogenhausen.

Michael Bacherl ist im Planungsreferat für die Neugestaltung von Militärflächen zuständig.

Über 4000 Menschen in 1800 Wohnungen sollen auf gut 30 Hektar Land zwischen Cosima- und Stradellastraße ein neues Zuhause finden, die Hälfte davon gefördert. Dazu soll es sechs Kitas, eine Grundschule, ein Altenheim, Gewerbe sowie ein Bürgerzentrum geben – und viel Grün. „Die Kaserne war früher nicht besonders dicht bebaut. Von dem guten Baumbestand profitieren wir heute“, sagt Michael Bacherl, der im Planungsreferat für die Neugestaltung von Militärflächen zuständig ist. Vom alten Gelände erhalten bleibt nur das Grün – und eine Schwimmhalle mit Tauchtopf im Norden.

„Es war unser Ziel, die Fläche kleinteilig und an verschiedene Akteure zu vergeben“, so Bacherl. Tatsächlich bauen insgesamt 21 Träger: städtische Wohnbaugesellschaften genauso wie Baugenossen- und Baugemeinschaften sowie private Bauherren. Gemeinsam gestalten sie in sich geschlossene Cluster mit unterschiedlichen Wohnformen.

Bei Natalie Schaller von der stattbau GmbH laufen alle Fäden der Bauträger zusammen. Sie vertritt deren Zusammenschluss. Das Konsortium hat sich sogar eine Charta zur Vernetzung gegeben. „Diese Zusammenarbeit hat nicht nur für München, sondern für ganz Deutschland Vorbildcharakter“, sagt Schaller, die den Prinz Eugen Park als Weiterentwicklung des Quartiers am Domagkpark sieht. Die Konsortiumslösung funktioniert sogar so gut, „dass die Stadt so ein Management bei anderen neuen Quartieren wie der Bayernkaserne planmäßig vorsehen will“, sagt Bacherl.

Die Holzbauten entstehen im Süden, wie Natalie Schaller zeigt.

Vorbildcharakter wird im Prinz Eugen Park auch die Holzbausiedlung haben, die im Süden des Areals entsteht. Mit 600 Wohnungen soll sie die größte in Deutschland werden. Zudem soll ein Mobilitätskonzept mit Car-Sharing und Fahrradverleih den Verkehr im Quartier reduzieren. „Wir hätten uns dafür auch niveaugleiche Straßen und eine Zeitbegrenzung für Besucherparkplätze gewünscht“, sagt Schaller. Ein entsprechender Antrag beim Bezirksausschuss scheiterte aber.

600 der 1800 neuen Wohnungen werden in Holzbauweise gebaut.

Aktuell dominieren ohnehin noch Bagger und Lastwagen die Straßen im Prinz Eugen Park. Ein Großteil der Bauvorhaben wird laut Stadtplaner Michael Bacherl 2019 und 2020 fertig. Einige Gebäude – etwa das Bürger- und Kulturzentrum und das von der Israelitischen Kultusgemeinde geplante Altenheim – brauchen wegen Umplanungen sogar noch mehr Zeit. Dabei sollte 2020 das Projekt Prinz Eugen Park eigentlich beendet sein. „Das liegt auch an der Konjunktur. Manche Bauherren haben Probleme, Firmen zu finden“, erklärt Schaller.

Nichtsdestotrotz: Die ersten 91 Wohnungen im Nordosten des Parks sind bereits bezogen, im Herbst sollen 150 weitere folgen. Rund 40 Prozent der künftigen Bewohner stehen laut Schaller bereits fest, in den städtischen Häusern wird erst vergeben, wenn diese fertiggestellt sind. „Täglich melden sich bei mir Menschen wegen einer Wohnung, aber man kann zur Zeit nichts tun“, so Schaller. Ähnlich angespannt ist die Situation für die 5000 Quadratmeter, auf denen Gewerbe und Handel vorgesehen sind. Dort ist bereits alles vergeben. 

Romy Ebert-Adeikis

Die Drei von nebenan: Mit einer Genossenschaft kämpfen zukünftige Bewohnerinnen gegen die Anonymität der Großstadt

Mara Roth, Lisa Schäfer und Anja Moschner (von links) machen sich für ihr neues Quartier im Prinz-Eugen-Park stark.

„Stellt euch vor, ihr feiert euren runden Geburtstag...“ Mit einem Gedankenexperiment erläutern Lisa Schäfer, Mara Roth (beide 36) und Anja Moschner (48) die Vision, die sie für den Prinz Eugen Park entwickelt haben – inklusive Partyräumen, Verleihbörse, Gäste-Appartments, Concierge-Dienst und Nachbarschaftscafé. Die drei gehören zu den Gründungsmitgliedern der Quartiersgenossenschaft GeQo. Ihr Ziel: Ihr zukünftiges Zuhause zu einem Ort der lebendigen und nachhaltigen Nachbarschaft zu machen.

„In München kennt man seine Nachbarn für gewöhnlich nicht, das ist so schade“, sagt Moschner. Anders im Prinz Eugen Park, wo Moschner, Schäfer und Roth bereits jetzt Kontakte geknüpft haben – obwohl sie erst im Februar oder gar Mai 2019 mit ihren Familien dort hinziehen. Auch sie selbst haben sich erst über das Quartier kennengelernt.

„Man merkt, dass die Leute hier der Anonymität überdrüssig sind“, sagt Roth. Auf gut 50 Engagierte könne GeQo bereits bauen. „Alle, mit denen wir gesprochen haben, sind total euphorisch und wollen Aktionen, Flohmärkte oder Feste organisieren.“ Erstes Projekt: ein Tag des offenen Quartiers. Zu diesem wird auch die „Prinzenpost“, eine Zeitung von und für Quartiersbewohner, erstmals veröffentlicht.

Schon gearbeitet wird auch an einer Buchungsplattform für die Gemeinschaftsräume im Prinz Eugen Park. Jeden Monat organisiert GeQo zudem einen Stammtisch. Viel zu tun also für die drei Vorkämpferinnen. „Wir treffen uns am Abend, am Wochenende oder am Tag zu Besprechungen auf dem Spielplatz“, erzählt Roth, die wie Schäfer dank Elternzeit genug Zeit für das Ehrenamt hat. Im Herbst wird nun entschieden, ob die Genossenschaft eine Förderung der Stadt erhält.

Darum geht es den Damen, die schon früher – etwa als Telefonseelsorger – ehrenamtlich aktiv waren, aber nicht vordergründig. „Ich sehe mein Engagement wie ein Sparkonto“, erklärt Moschner. „Jetzt sind wir noch jung und dynamisch. Aber wenn wir älter sind, bekommen wir dann aus dem Quartier Hilfe.“ Gleichzeitig sei es eine „einzigartige Chance, unser Zuhause mitzugestalten“, ergänzt Roth.

Einziges Manko: auf eine Zentrale für ihre Arbeit müssen die Genossenschaftlerinnen noch warten. Statt Ende 2018 wird das ausgewählte Wogeno-Gebäude voraussichtlich erst Ende 2019 fertig. 

Romy Ebert-Adeikis

Rochade soll Kinderbetreuung im Quartier sichern

Der Prinz Eugen Park im Stadtviertel Bogenhausen umfasst eine Fläche von 30 Hektar und bietet somit Platz für 4000 Bewohner in 1800 Wohnungen. Weitere Informationen unter: www.prinzeugenpark.de

Für viel Ärger hat zuletzt die Situation der Kinderbetreuung im Prinz Eugen Park gesorgt (Hallo berichtete). Einrichtungen für 800 Kinder sind geplant – vor allem in Gebäuden städtischer Bauträger, die mit als letzte fertig werden. Zudem seien laut Referat für Bildung und Sport (RBS) mehr Wohnungen für Familien entstanden, als ursprünglich geplant.

Nun ist eine Lösung gefunden: 2018/19 werden in der bereits fertigen Ruth-Drexel-Grundschule (Foto) Kinder der Knappertsbuschschule unterrichtet. Dort ziehen derweil fünf Kindergarten- sowie je eine Hort- und Krippengruppe ein. In der eben sanierten Einrichtung müssen dafür laut RBS aber noch Heizkörper ausgetauscht und die Toiletten mit Podesten versehen werden.

Ab 2020 werden zudem zwei Pavillonanlagen im Bürgerpark Oberföhring für insgesamt 148 Kindergarten- und Kitakinder sowie eine weitere Anlage „An der Salzbrücke“ für Entlastung sorgen. Eine Containeranlage im südlichen Prinz Eugen Park war von Bezirks­ausschuss (BA) und Anwohnern abgelehnt worden.

„Die Zusammenarbeit mit dem RBS funktioniert nach anfänglichen Schwierigkeiten wirklich gut“, zeigt sich die BA-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser zuversichtlich. „Die Kitaplätze sind vom Plan her jetzt wohl ausreichend. Da kommt es auf die bauliche Umsetzung an.“ Die Nachmittagsbetreuung sei aber noch nicht hundertprozentig zufriedenstellend.

Offener Quartierstag

Für alle künftige Bewohner, Anlieger und Interessierte lädt die Quartiersgenossenschaft GeQo am Sonntag, 16. September, zu einem Tag des offenen Quartiers. Neben Führungen über das Gelände und einem Kinderprogramm auf dem Hof der Ruth-Drexel-Grundschule sind dort zwischen 14 und 17 Uhr auch Musik- und Tanzdarbietungen geboten. „Wir wollen Fragen beantworten und Vorbehalte abbauen“, so die Organisatoren.

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