Gesundheit: Professor Dr. Christian Rust, Leiter des Leberkrebszentrum München 

Professor Dr. Christian Rust: „Übergewicht als neue Gefahr“

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Viele Leberkrebstumore entwickeln eigene Arterien, um sich mit Blut zu versorgen. Eine Möglichkeit, den Krebs einzudämmen, ist, diese Zufuhr zu verschließen.

Aus der Reihe „Krebs“: Seit 1984 haben sich die Fälle von Leberkrebserkrankungen verdoppelt – vor allem Männer sind betroffen

Leiter des Leberkrebszentrum München, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Professor Christian Rust.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In den kommenden Ausgaben dreht sich alles um Krebs – diesmal um Leberkrebs. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hat das einzige zertifizierte Leberkrebszentrum Münchens. Was das bedeutet und was hinter der Erkrankung Leberkrebs steckt, erklärt Zentrumsleiter Professor Dr. Christian Rust.

„Leberkrebs wird oft unterschätzt“, sagt Professor Christian Rust. Weltweit gesehen ist er nur die fünfthäufigste Krebserkrankung, pro Jahr bekommen rund 9000 Deutsche die Diagnose. Allerdings: Vor circa 35 Jahren waren es noch halb so viele.

„Das liegt inzwischen vor allem an unserer Ernährung“, sagt Rust, Leiter des Leberkrebszentrums München am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Denn das größte Risiko, am Krebs zu erkranken, ist eine Leberzirrhose – die Vernarbung des Lebergewebes. Diese wiederum kann verschiedene Ursachen haben: eine Hepatitiserkrankung, zu viel Alkoholgenuss – oder eine Fettleber, hervorgerufen durch extremes Übergewicht.

„Wenn sich die Fettleber entzündet, entsteht eine hepatitisähnliche Leberzirrhose“, erklärt Rust. „Während wir Virus­hepatitis-Erkrankungen langsam dank Impfungen und effektiver Therapien im Griff haben, nehmen die Fälle durch Übergewicht zu.“

Um diesen Themen gerecht zu werden, arbeiten die Leberkrebs-Spezialisten um Rust auch oft mit dem Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention zusammen, das ebenfalls im Krankenhaus am Romanplatz angesiedelt ist. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit Experten für Radiologie, Chirurgie oder Psychologie. Wöchentlich kommen die unterschiedlichen Disziplinen bei sogenannten Tumorkonferenzen zusammen, eine Voraussetzung für die Zertifizierung des Krankenhauses zum Krebszentrum im Sommer 2018. „Jeder unserer Patienten wird in der Konferenz vorgestellt, zum Teil auch mehrfach. Dann wird einvernehmlich ein Behandlungsweg ausgewählt“, erklärt Rust.

Denn gerade beim Leberkrebs sind die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig. Einzige Ausnahme: die klassische Chemotherapie. „Der Leberkrebs spricht schlecht darauf an, die Nebenwirkungen sind meist größer als der positive Effekt. Sie spielt daher fast keine Rolle.“

Kleinere Tumore können stattdessen chirurgisch entfernt werden – solange die Leberfunktion nicht zu schlecht ist. In dem Fall kann man den Krebs auch mittels Radiofrequenz- oder Mikrowellen wegbrennen. Beide Methoden versprechen oft Heilung. „Auch eine Lebertransplantation kann sinnvoll sein, denn Leberkrebs entwickelt eher langsam Metastasen“, sagt Experte Rust. Dafür arbeitet das Krebszentrum, das jährlich neu zertifiziert werden muss, mit dem Klinikum Großhadern zusammen.

Doch in vielen Fällen ist Leberkrebs selbst die Folge einer anderen Erkrankung. Oder er wird zu spät entdeckt. „Es tut ja nicht weh, wenn in der Leber etwas wächst“, so Rust. „Oft fühlt man sich nur etwas abgeschlagen.“

Um den Krebs einzudämmen, kann dann eine sogenannte Chemoembolie infrage kommen. Das bedeutet, dass man den Krebs von seiner Blutzufuhr abschneidet, etwa mithilfe eines Katheters. Man verschließt die Arterie, die der Tumor dafür selbst entwickelt hat.

Viel Hoffnung setzt der Experte vom Leberkrebszentrum zudem auf die Entwicklung neuer Therapien und Medikamente. „Bisher sind nur zwei zugelassen und die verlängern das Leben der Patienten maximal um ein paar Monate.“ Derzeit werden mehrere Therapien getestet.

Romy Ebert-Adeikis

Ein Schutzengel für die Leber?

Während zu viel Alkohol der Leber definitiv schadet, gibt es ein Getränk, das sie anscheinend sogar schützt. Professor Christian Rust zufolge, haben mehrere Studien gezeigt, dass diejenigen, die zwischen drei und vier Tassen Kaffee am Tag trinken, seltener an der Leber erkranken. Das gilt auch für Leberkrebs. „Einen direkten Zusammenhang kann man bisher aber noch nicht beweisen.“

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