Gesundheit: Dr. ­Niels Reinmuth vom Lungentumorzentrum München

Dr. Niels Reinmuth: „Der Fortschritt ist rasant“

+
Lungenkrebs wird meist erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt.

Aus der Reihe „Krebs“: Rasante Fortschritte ergeben sich jetzt bei der Behandlung von Lungenkrebs– Gibt es bald auch ein Screening zur Prävention?

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Derzeit dreht sich alles um Krebs.Beim 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumonologie, der heute in München startet, geht es auch um eine neue Form der Lungenkrebs-Früh­erkennung. Welche Fortschritte es sonst noch gibt, erklärt Dr. ­Niels Reinmuth vom Lungentumorzentrum München.

Dr. Niels Reinmuth (48), Leiter des Lungentumorzentrums Münchens (LTZM).

Keine Krebserkrankung ist tödlicher: Die Diagnose Lungenkrebs erhalten pro Jahr etwa 55 000 Deutsche. Die wenigsten von ihnen können geheilt werden. „Es gibt keine charakteristischen Symptome. Je nach Lage des Tumors in der Lunge, können auch gar keine auftreten“, sagt Dr. Niels Reinmuth (48), Leiter des Lungentumorzentrums Münchens (LTZM). „Darum wird Lungenkrebs oft erst in einem sehr späten Stadium entdeckt.“

Die Behandlung ist äußerst komplex, kaum ein Lungentumor gleicht einem anderen. Er entwickelt sich meist über Jahre aus einzelnen veränderten Zellen, bis er auf einmal aggressiv wird. „Unsere bisherigen Behandlungsoptionen waren immer schlecht“, gibt Reinmuth zu. Bis vor kurzem lebten Lungenkrebs­patienten, deren Tumor bereits Metastasen gebildet hatte, trotz Chemotherapie im Schnitt weniger als ein Jahr. „Inzwischen können viele mehrere Jahre lang gut leben. Der Fortschritt ist rasant.“

Der Grund: neue Therapien mit Tabletten und Antikörper-Infusionen, die in der zum LTZM gehörenden Asklepios-Fachkliniken Gauting bereits beim Großteil der Patienten angewandt werden. Laut Reinmuth haben sie weniger Nebenwirkungen und eine bessere Wirkung als die klassische Chemotherapie. Allerdings gibt es Einschränkungen: Die Tablettentherapie etwa gibt es nur für Patienten ohne Rauchervergangenheit, bei denen eine molekulare Veränderung der Zellen nachgewiesen wurde. Das braucht Zeit. „Darum ist die Chemotherapie weiterhin wichtig. Sie verschafft uns die Zeit, um andere Therapien zu nutzen.“

Doch auch im Bereich der Prävention geht es voran. Besonders im Fokus: das sogenanntes Lungen-Screening mittels Röntgenstrahlen. Studien zufolge senkt es die Sterblichkeit deutlich, weil Tumore frühzeitig erkannt werden. In den USA gibt es darum bereits ein Programm für langjährige Raucher zwischen 55 und 80 Jahren.

„In Deutschland ist das Screening noch nicht zugelassen“, so der LTZM-Leiter. In den Asklepios-Kliniken Gauting laufen aber bereits jetzt Besprechungen, wie man es umsetzen könnte. „Wir könnten sofort loslegen.“ Allerdings muss noch geklärt werden, wer für eine solche Früherkennung wirklich infrage kommt.

Ein Kriterium wird sicher der Konsum von Zigaretten sein. Denn 85 Prozent aller Lungenkrebstumore lassen sich Reinmuth zufolge auf Tabakkonsum zurückführen. „Je früher man mit Rauchen angefangen hat, desto schlechter“, weiß der Experte. „Schon im Teenageralter regelmäßig zu rauchen, ist sehr gefährlich.“ Im Gegensatz dazu sei Passivrauchen nicht ganz so schlimm. Romy Ebert-Adeikis

Größtes Lungentumorzentrum Bayerns

Das Lungentumorzentrum München ist ein Zusammenschluss der Asklepios-Fachkliniken in Gauting und des Klinikums der Ludwig-­Maximilians-Universität. Es ist seit 2014 von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert und das größte Zentrum Bayerns.

Im Fokus steht die interdisziplinäre Behandlung. So debattieren jede Woche verschiedene Spezialisten einzelne Fälle bei Tumorkonferenzen. Außerdem hat die Einrichtung aufgrund ihrer Größe die Möglichkeit, neue Diagnose- und Therapieverfahren im klinischen Alltag zu testen.

München hat aber noch ein zweites Lungenkrebszentrum: Das Städtische Klinikum Bogenhausen wurde bereits 2011 gemäß der Vorgaben des DKG zertifiziert.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bluthochdruck – Schleichende Gefahr für die Gefäße
Bluthochdruck – Schleichende Gefahr für die Gefäße
Badminton-Ass – Mit links zum deutschen Meister
Badminton-Ass – Mit links zum deutschen Meister
Kollidierende Vorfahrtsregel
Kollidierende Vorfahrtsregel

Kommentare