Gesundheit: Dr. Inko Maag von der Urologischen Klinik Planegg

Dr. Inko Maag: Prostatakrebs – „Abtasten reicht längst nicht aus“

+
Die Prostata kann wegen ihrer Lage nur schwer abgetastet werden. Ärzte fordern darum andere Methoden.

Aus der Reihe „Krebs“: Diagnose Prostatakrebs: Neue Formen der Diagnostik sind jetzt im Kommen – Die Therapie setzt auf mehr Individualität

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Derzeit dreht sich alles um Krebs – Männer erkranken am häufigsten an der Prostata. Welche Rolle dabei die Ernährung spielt und warum die Medizin viel Hoffnung in Bluttests und Roboter setzt, erklärt Dr. Inko Maag von der Urologischen Klinik Planegg.

Das Alter ist das größte Risiko: Neun von zehn Männern über 90 Jahre haben in ihrer Prostata Krebszellen. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Männerleben an dem Krebs zu erkranken, liegt bei 17 Prozent – 64 000 neue Diagnosen gibt es in Deutschland pro Jahr. „Das sind fast doppelt so viele, wie vor 25 Jahren“, sagt Oberarzt Dr. Inko Maag von der Urologischen Klinik München-­Planegg. „Zu großen Teilen liegt das aber an der verbesserten Früherkennung“, so der Uro-Onkologe. Dabei ist diese dem Experten zufolge noch ausbaufähig. „Von den Krankenkassen wird derzeit nur eine Tastuntersuchung durch den Enddarm ab dem 45. Lebensjahr finanziert. Das reicht in keiner Weise aus.“ Denn das Abtasten der ganzen Drüse sei gar nicht möglich, kleinere Tumore kaum zu fühlen. Und auch eindeutige Beschwerden gibt es im Frühstadium nicht. Maag empfiehlt stattdessen eine Kombination aus Abtasten, Ultraschall und einem Bluttest, der den sogenannten PSA-Wert misst. Dieser fällt bei Prostatakrebs oft höher aus. Für die Untersuchung müssen Männer jeglichen Alters aber 20 Euro zuzahlen, denn die Kassen zweifeln die Aussagekraft noch an. „Dabei ist der Test das einzige sinnvolle Instrument, das wir derzeit haben, und ist weder aufwändig noch teuer“, widerspricht Maag der Skepsis. Eine andere neue Form der Diagnostik ist hingegen bereits jetzt auf dem Vormarsch: die Fusionsbiopsie. Anstatt beim Verdacht auf Krebs einfach eine Gewebeprobe aus der Prostata zu entnehmen, bekommen Patienten zunächst eine Kernspinuntersuchung. „So kann eine Probe gezielter aus auffälligen Stellen entnommen werden“, erklärt der Planegger Oberarzt. Auch bei der Therapie macht die Medizin Fortschritte. Fünf von sechs Betroffenen überleben den Prostatakrebs. „Es gibt bereits Patienten, bei denen wir den Krebs zu einer quasi chronischen Erkrankung entwickeln können“, sagt der Experte. Während im Frühstadium die Entfernung der Prostata und Bestrahlung im Fokus stehen, können bei Tumoren mit Metastasen Kombinationen aus Hormon- und Chemotherapien viel erreichen. „Wir haben immer mehr Möglichkeiten, weswegen die Therapie individueller wird“, betont Maag. Um dem gerecht zu werden, hält er in der Klinik Planegg Tumorkonferenzen und eine Uro-Onkologische Sprechstunde ab. Scheinbar kann dem Prostata­krebs aber auch aktiv vorgebeugt werden. So würden Asiaten laut Maag deutlich seltener daran erkranken. Zurückzuführen sei das wohl darauf, dass sie weniger tierische Fette oder rotes Fleisch essen. Romy Ebert-Adeikis

OP in Roboterhand

Längst keine Seltenheit mehr: Roboter, die bei der Operation helfen. In der Urologischen Klinik Planegg wird seit 2017 mit dem System „DaVinci“ gearbeitet, bei dem die OP-Instrumente sowie eine Kamera über kleinste Schnitte in den Körper gebracht und an Roboterarme angeschlossen werden. Per Monitor sieht der Arzt in den Körper. Eine Konsole überträgt seine Bewegungen auf die Roboterarme, die zitterfrei die Prostata-Entfernung vornehmen. Weil die Schnitte kleiner und präziser sind, ist das Blutungsrisiko geringer. „So erholen sich Patienten bis zu fünf Tage schneller von der Operation“, sagt Dr. Inko Maag.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare