Wie ein junger Hüpfer

Hoch hinaus mit 81 Jahren: Manfred Sturm bezwingt die höchsten Wände

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Eine 16 Meter hohe Wand – kein Problem für Manfred Sturm (81).

Bis zur Wahl des Münchner Seniorenbeirats am Sonntag, 26. November, lesen Sie die weiteren Teile unserer Serie „Jung im Alter“.

Manfred Sturm aus Harlaching steht vor einer Wand mit bunten Griffen in der Kletteranlage Thalkirchen. „Angst habe ich nie gehabt“, sagt Sturm, bevor er scheinbar mühelos die etwa 16 Meter hohe Wand erklimmt. Sieht man von unten zu der drahtigen Gestalt hinauf, kann man kaum glauben, dass Sturm schon 81 Jahre alt ist.

Jeden Montag und Donnerstag trifft sich seine „Seniorenklettergruppe“, um von 10 bis 14 Uhr zu Klettern. Die Truppe umfasst bis zu zwölf Personen.

Margot Lapp ist mit 70 Jahren noch topfit. 

„Wir klettern bis wir dicke Arme haben“, sagt Margot Lapp (70) aus Laim, eine schlanke, sportliche Frau. Auch den anderen aus der Gruppe sieht man an, dass sie regelmäßig sporteln. Claus Gehrke (75) ist 1976 sogar bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck im Biathlon angetreten und schrammte mit dem Team nur knapp an Bronze vorbei. Kennengelernt haben sich die Kletterer durch den Deutschen Alpenverein Sektion Oberland.

Christa Sturm und ihr Mann Manfred klettern zusammen und gehen seit über 40 Jahren gemeinsam Bergsteigen. 

„Bei gutem Wetter gehen wir auch zusammen in die Berge“, sagt Sturm. „Natürlich können wir nicht mehr so wie früher – das liegt in der Natur der Dinge, aber das habe ich akzeptiert“, sagt der ehemalige Bergführer, nachdem er seine Frau Christa Sturm (75) beim Klettern gesichert hat. „Man muss das eigene Können richtig einschätzen – mit Bedacht klettern, dann wirst’ auch alt“, sagt Gehrke. „Viele ältere Menschen stehen in der Früh auf und wissen nicht, was sie tun sollen. Das Klettern gibt uns eine feste Struktur und ein Ziel – das ist wichtig“, sagt Sturm.

Nachdem sie sich ausgepowert hat, geht die Gruppe immer noch gemeinsam in der Anlage etwas essen und ratschen. 

Laura Felbinger

Hallo München-Interview: "Krankheiten limitieren die Ausübung von Sport – nicht das Alter"

Dr. Wolfgang Ritter (49), Facharzt für Allgemeinmedizin, erklärt, worauf es beim Sport im Alter ankommt.

Herr Dr. Ritter, Sport ist zwar gesund, aber: Ist Klettern für Senioren nicht zu extrem?

Kommt ganz drauf an, wie lange man den Sport schon macht. Wenn jemand gerade erst anfängt, würde ich zum Beispiel Drachenfliegen nicht empfehlen. Klettern würde ich nicht unbedingt als Extremsport ansehen. Wichtig ist, dass man das macht, was einem Spaß macht und sich vorher beim Arzt durchchecken lässt.

Welcher Sport ist für Senioren geeignet?

Wichtig ist sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining zum Muskelaufbau. Deshalb ist eine Sportart, die beides vereint, wie zum Beispiel Nordic Walking, besonders geeignet. Letztlich ist es abhängig von Krankheiten. Krankheiten limitieren die Ausübung von Sport – nicht das Alter.

Dennoch wird man im Alter unfitter. Woran liegt das eigentlich?

Ab dem 20. Lebensjahr beginnen die Zellen zu altern. Der Körper setzt weniger Muskelmasse an und verbrennt deshalb auch weniger. Dadurch wird der Sport anstrengender, weshalb viele Menschen weniger Lust dazu haben als noch in jungen Jahren. Das ist aber natürlich genau das Falsche!

Was bringt der Sport im Alter konkret?

Eine ganze Menge. Durch Sport wird dem körperlichen Abbau entgegengewirkt. Sport hilft bei vielen chronischen Krankheiten. Er verringert das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls. Durch die Bewegung wird zudem die Durchblutung des Gehirns angeregt und das wiederum fördert die Denkflexibilität. Und beim Sport trifft man sich meist mit anderen. Durch soziale Kontakte muss sich das Gehirn immer wieder auf Neues einstellen und wird dadurch gefördert.
laf

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