A bis Z mit Thomas Köster

Thomas Köster: „Englischer Garten - Ein Zaun ist die letzte Möglichkeit.“

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Thomas Köster spricht mit Hallo von A bis Z über den Englischen Garten.

Er pflegt Münchens Seele: Seit 25 Jahren ist Thomas Köster Verwalter des Englischen Gartens – in Hallo spricht er über die neue Parkwache und darüber, was sich geändert hat.

München – Wenn Thomas Köster vom Englischen Garten spricht, nennt er ihn die „Seele der Münchner“. Umso weniger versteht der Verwalter eines der größten Parks der Welt, dass der Respekt vor dem Gartendenkmal nachlässt.

„Der Englische Garten ist ein Volkspark – das Volk soll sich gegenseitig regulieren.“

Am 1. Juli 1994 hat er seine Stelle angetreten. „Damals hatten wir die Hälfte an Müll“, erinnert sich der Landschaftsarchitekt, der aktuell eine neue Entwicklung beobachtet: Gruppen aus dem Umland, die teilweise ein hohes Aggressionspotenzial mitbringen.

Seit 25 Jahren ist Thomas Köster Verwalter des Englischen Gartens.

Auch deswegen beschäftigt er seit April zusätzlich zu den 60 Gärtnern noch zwei externe Sicherheitskräfte als Parkwache, die auf die im Juli 2018 verabschiedete Anlagenverordnung hinweist. Gleichzeitig ist es ihm aber auch wichtig, nicht gleich mit Bußgeldern zu arbeiten. „Der Englische Garten ist ein Volkspark – das Volk soll sich gegenseitig regulieren.“ Was er aber trotzdem fordert und in welchem Bereich die meisten Verstöße auffallen, lesen Sie hier. Maren Kowitz

Der Chef des Englischen Gartens, Thomas Köster (59), von A bis Z

Aggressionen entstehen meist nur, wenn es enger wird – also an den Wochenenden, wenn sich hier rund 120 000 Leute aufhalten.

Beer Pong: Trinken ist erlaubt, solange man nicht Bierflaschen zerschmettert und sich trotzdem einigermaßen vernünftig benimmt. Wenn es bei Jugendlichen ausschreitet, kommt es vor, dass die Polizei sie mitnimmt und von ihren Eltern auf der Wache abholen lässt.

CSU: Der naturnahe Rückbau des Schwabinger Baches war eine Idee von Markus Söder als er noch Finanzminister war. Die flachen Kiesufer kommen bei der Bevölkerung und gerade bei jungen Leuten gut an.

Drogen sind eine minimale Randerscheinung im Englischen Garten – das sagt auch die Polizei. Handtaschen-Diebstahl ist eher ein Thema. Deswegen haben wir jetzt auch Warnständer aufgestellt.

Eisbach: Die künstliche Welle habe ich nicht in Griff bekommen. Die Surfer haben sich immer wieder verletzt und ich bin vor Ort haftbar. Die Stadt hat sich bereit erklärt, das Grundstück zu kaufen und die Verantwortung zu übernehmen.

Fische: Im Herbst wird der Kleinhesseloher See entschlammt – zum ersten Mal seit 1986. Es hat sich so viel Schlamm aus der Isar gesammelt, dass die Fische nicht mehr richtig schwimmen können.

Garten-Tram: Sie würde die historische Gestaltung und die großen Blickachsen sehr gefährden. Das Metall wird man nie wieder raus kriegen und der bereits leicht veränderte Weg wird nochmal begradigt. Außerdem werden – sollte es zu ersten Verletzten kommen – Umlaufsperren und Gitter folgen. Hier entsteht eine neue Schneise.

Hunde: Ich bin ein großer Verfechter des Hundeführerscheins. Meine Idee: Wer ihn macht, bekommt Teile der Hundesteuer erlassen. Das muss man angehen, weil es auch immer mehr Hunde werden – mittlerweile 40 000 registrierte in München.

Isarauen: Der gesamte Englische Garten ist ein Landschaftsschutzgebiet.

Junge Menschen nehmen den Park nicht mehr als Denkmal wahr. Die älteren Bürger beschweren sich, wenn man Bäume fällt, den Jungen ist das egal. Sie wollen den Park als Freizeitoase nutzen.

Karl-Theodor-Wiese: Die große Wiese unter dem Monopteros ist die meist besuchte Wiese. Für die Masse, die dort liegt, ist es eigentlich sehr friedlich. Ab und zu muss die Polizei einschreiten.

Lieblingsort: Im Nordteil am Oberst Jägermeisterbach gibt es eine Stelle, wo der Kurfürst früher gehalten hat. Da liegt auch noch ein Riesenstein, den er benutzt hat, um vom Pferd abzusteigen. Da hat man das Gefühl, man wäre im Spessart – es ist sehr naturnah.

Müll: 2018 hatten wir 140 Tonnen im Jahr an Müll. Die Müllentsorgung kostet mittlerweile mehr Geld – nämlich 120 000 Euro – als die eigentliche Wiesenpflege.

Nackerte: Im Nordteil gibt es für Nackte noch ein paar Rückzugsgebiete. Auch auf der Schönfeldwiese und in der Schwabinger Bucht ist FKK nach wie vor erlaubt. Aber das Handy hat es kaputt gemacht. Heute ist jeder im Prinzip Spanner.

„Ein Zaun ist die letzte Möglichkeit.“

Oeffnungszeiten? Wir spielen in der Liga vom Londoner Hyde Park oder dem Central Park in New York. Volksparks haben keine Umrandung. Wenn sie unsicher werden, muss man für Sicherheit sorgen. Ein Zaun ist die letzte Möglichkeit.

Parkwache haben wir seit April, von einem privaten Sicherheitsdienst eingekauft. Zu zweit gehen sie bis 22 Uhr durch den Englischen Garten und werden als Autorität wahrgenommen. Sie tragen Erkennungswesten mit „Bayerische Schlösserverwaltung, Verwaltung Englischer Garten“.

Quertreiber: Letzten Sommer kam etwas Neues auf uns zu. Der Englische Garten wird mittlerweile über die Stadtgrenze hinaus genutzt. Da gibt es rivalisierende Gruppen, die sich Mut antrinken und kriminelle Eigenschaften aufweisen.

Regeln: Seit letztem August gibt es eine Anlagenverordnung mit 20 einfachen Regeln – zum Beispiel kein offenes Feuer, keine Drohnen, kein Baden. Um die durchzusetzen, braucht es auch Parkaufseher, die ermahnen und dann Bußgelder erheben dürfen.

Schafe: Rund 600 Schafe ziehen hier auf dem Weg zur Sommerweide durch und im Spätsommer zurück. Sie sind unsere lebenden Rasenmäher für den Nordteil.

Tunnel: Ich bin ein Befürworter des Tunnels. Er wird alte Wunden heilen. Viele nehmen den Englischen Garten nur bis zum Seehaus wahr.

Uniformierte Polizisten: „Wehret den Anfängen“ ist die Taktik der bayerischen Polizei. Beobachtet nicht lang, sondern macht einfach. Das ist ein Sicherheitsgefühl, das ich sehr zu schätzen weiß.

Verstöße: Die häufigste Verstöße, von denen unsere Parkwache mit berichtet, sind Fahrradfahrer, die auf den drei Meter breiten ausgezeichneten Fußwegen fahren.

„Wir haben fünf bis sechs Millionen Besucher im Jahr.“

Wildbienen: Die Deutsche Umweltstiftung macht jetzt ein Projekt im Englischen Garten. Im Nordteil werden die Bienen untersucht: wo welche Wildbienenart zu finden ist, wie die sich vertragen. Vielleicht gibt es sogar bald einen Bienenlehrpfad.

X-viele Besucher: Wir haben fünf bis sechs Millionen Besucher im Jahr. 80 Prozent der Besucher tummeln sich auf 125 Hektar im Südteil.

Yes: Es gibt eine Studentenuntersuchung: 90 Prozent der Besucher des Englischen Gartens kommen aus München, nur drei Prozent kommen aus dem Ausland.

Zeitzeugen: Aus der Ursprungszeit gibt es nur noch ein oder zwei Bäume, rund 230 Jahre alte Buchen.

Lesen Sie hier die News aus Münchens Vierteln

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