Gesundheit: Professor Dr. Rüdiger Lange

Prof. Dr. Lange: „Broken-Heart-Syndrom - Drei bis vier Prozent der Fälle enden tödlich“

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Professor Rüdiger Lange zeigt auf die linke Herzkammer. Beim Broken-Heart­-Syndrom ist diese meist beeinträchtigt.

Wenn der Kopf den Körper stört: Kummer krümmt die Herzkammer – vom Broken-Heart-Syndrom sind fast immer Frauen betroffen. Prof. Dr. Lange klärt in Hallo darüber auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell stellen wir Phänomene vor, bei denen Menschen Beschwerden haben, die organisch nicht ausreichend erklärbar sind – wie beim sogenannten Broken-Heart­-Syndrom. Was sich dahinter verbirgt und warum das Nicht­entdecken fatal sein kann, erklärt Professor Dr. Rüdiger Lange, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums in München.

Kummer und Sorgen bewegen unser Herz

Als „Zentrum der Seele“ bezeichnet Professor Dr. Rüdiger Lange (65) das menschliche Herz. „Es reagiert bei allem, was wir erleben, wenn wir Angst haben, uns sehr freuen oder aufregen“, so der Ärztliche Direktor am Deutschen Herzzentrum München. Dass auch Kummer und Sorgen unser Herz bewegen, zeigt sich beim Broken-Heart-Syndrom („Gebrochenes-Herz-Syndrom“). Was sich für die Betroffenen anfühlt wie ein Herzinfarkt, hat in Wahrheit keine – zumindest bekannte – organische Ursache. „Wir wissen nur, dass diese Form einer Herzmuskelenzündung bei enormer psychischer oder physischer Belastung auftritt“, sagt Lange.

Die Folgen können dennoch fatal sein. Die Herzleistung sinkt extrem, viele Patienten müssen wiederbelebt werden. „Drei bis vier Prozent der Fälle enden tödlich“, erklärt der Ärztliche Direktor. Statistiken zufolge leiden zwei Prozent der Patienten, die mit einer akuten Verengung der Herzkranzgefäße in Kliniken eingeliefert werden, tatsächlich am Broken-­Heart-Syndrom. Im Deutschen Herzzentrum sehe man die Fälle zwar sehr selten, so Lange. „Aber ich glaube, dass die Dunkelziffer hoch ist. Ich vermute sogar, dass ich selbst eine Bekannte durch das Broken-­Heart-Syndrom verloren habe.“

Die 50-Jährige ging mit Unwohlsein ins Bett und wachte am nächsten Tag nicht mehr auf. Eine Todesursache wurde nie gefunden. „Aber sie stand psychisch enorm unter Druck, dazu kam eine akute Stress-Situation. Das spricht für das Syndrom“, so der Experte. Zudem falle die Bekannte in die Hochrisikogruppe des Syndroms: Frauen, in der zweiten Lebenshälfte. „90 Prozent der Fälle sind Frauen“, sagt Lange. Manche Studien bringen das Syndrom auch mit der Menopause in Verbindung.

Broken-Heart-Syndrom: Konkrete Ursache ist unklar

Von einer Verengung der Herzkranzgefäße klar unterscheiden lässt sich das Leiden weder durch die Schmerzen noch durch Elektrokardiographie (EKG). Hinweise geben kann eigentlich nur das Blutbild. „Sind Herzarterien betroffen, ist vor allem das Enzym Troponin erhöht“, so der Experte. Sind sie das nicht – wie beim Broken-Heart-Syndrom – ist es hingegen das Enzym ProBNP. „Im Vergleich zu anderen Patienten haben die Betroffenen zudem sehr viele Stresshormone im Blut.“

Weil die konkrete Ursache unklar ist, kann das Syndrom auch nur symptomatisch behandelt werden – angefangen bei Medikamenten, die die Herzfunktion stärken, bis hin zur Implantierung von Assistsystemen, die die Herztätigkeit vorübergehend unterstützen. „Ist eine psychische Komponente klar erkennbar, kann natürlich auch eine psychologische Behandlung sinnvoll sein“, sagt Kardiologie-Chef Lange. Immerhin: In den meisten Fällen geht das Leiden innerhalb einiger Wochen von selbst zurück.

Auf keinen Fall sollte man Schmerzen am Herzen oder in der Brust aber auf die leichte Schulter nehmen, warnt der Experte. „Lieber geht man einmal zu viel, aber dafür sofort zum Arzt.“ Romy Ebert-Adeikis

Das passiert beim Broken-Heart-Syndrom im Körper

Beim Broken-Heart-Syndrom ist das Herz nicht – wie der Name vermuten ließe – gebrochen. Allerdings verformt sich eine der beiden Herzkammern, in den meisten Fällen die linke.

Wenn das Herz schlägt, kontrahieren dort nur noch die oberen Herzmuskeln, die anderen bleiben schlaff. Die dabei entstehende Form der Herzkammer erinnert an eine japanische Tintenfischfalle.

Broken-Heart-Syndrom

Die Verformung sorgt dafür, dass das Herz wesentlich weniger Blut durch den Körper pumpt als normal und die Herzleistung stark sinkt.

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