Gesundheit: Dr. Carolin Meßmer

Dr. Carolin Meßmer: „Man darf nicht immer in derselben Position vorm PC sitzen“

Physiotherapeutin Brigitte Hauser zeigt in Hallo leichte Übungen für einen straken Rücken.

Hallo gibt in den nächsten Wochen Tipps rund um das Thema "fit für den Sommer". Das Thema diese Woche ist: Mit Bewegung und Spannung den Rücken stärken – zurück zu mehr Stabilität.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Wie Sie fit für den Sommer werden, ist Thema unserer aktuellen Serie. Dieses Mal verraten Experten der Tagesklinik Wirbelsäule in Harlaching, womit wir unserem Rücken am meisten schaden und mit welchen Tricks man ihn stärkt.

Dr. Carolin Meßmer: „Wir bewegen uns nicht mehr genug“

Rückenzwicken oder Hexenschuss kennt heuzutage fast jeder. Bei einer Umfrage unter 500 Münchnern gaben 60 Prozent an, im letzten Jahr unter Rückenschmerzen gelitten zu haben.

Für Dr. Carolin Meßmer, Chef­ärztin der Tagesklinik Wirbelsäule der Schön Klinik Harlaching, leider keine Überraschung: „Wir bewegen uns nicht mehr genug. Dabei bilden sich Muskeln innerhalb kürzester Zeit zurück.“

Dr. Carolin Meßmer, Chefärztin der Tagesklinik Wirbelsäule der Schön Klinik Harlaching

Die beste Prophylaxe gegen Rückenschmerzen ist darum: Bewegung. „Man muss nicht Marathon laufen oder ins Fitnessstudio, aber den Muskeln zeigen, dass man noch aktiv ist.“ Sprich: Mehr Treppe als Aufzug, Fahrrad statt Auto.

Selbst bei der Büroarbeit ist viel möglich. „Man darf nur nicht immer in derselben Position vorm PC sitzen. Höhenverstellbare Tische oder Wackelkissen können gut tun“, so Meßmer.

„Unser ältester Patient war 104“

Neben der täglich am meisten beanspruchten Lendenwirbelsäule macht das Sitzen vorm Bildschirm der Halswirbelsäule am meisten zu schaffen – und das in jedem Alter. „Wir haben 20-jährige Patienten genauso wie ältere. Der älteste war 104“, sagt die Orthopädin.

In der Harlachinger Tagesklinik mit 16 Plätzen setzt man auf eine multimodale Schmerztherapie, bei der neben Physio- auch Psychotherapie eine Rolle spielt.

Innerhalb von zehn Tagen soll der Schmerz reduziert werden. Dafür hat die Tagesklinik ein Konzept erarbeitet, in dessen Fokus die Rücken-Stabilisierung steht.

„Die Stabilisierung ist eine Grundfertigkeit des Menschen, die wir beim Prozess vom Krabbeln zum Stehen erlangen“, sagt Wolfhard Savoy, Leiter des Therapie- und Trainingszentrum der Tagesklinik.
„Durch Inaktivität oder Rückenschmerzattacken geht diese aber verloren.“ Umso wichtiger ist es, diese Grundspannung wieder zu erlernen, sie ist die Basis jeder weiterführenden Übung zur Stärkung des Rückens. „Es bringt nichts mit Sit-ups anzufangen, wenn keine lokale Stabilisierung da ist“, erklärt Savoy.

Mit Lernblatt und App daheim trainieren

Der erste Schritt ist darum: richtig auf dem Rücken liegen. „Dabei sollte auch der Bauch angespannt sein“, so Savoy – so als ob man den Bauchnabel leicht nach innen zieht. Denn Bauch-, Rücken- und Flankenmuskulatur geben im Zusammenspiel die Stabilität.

Das gilt auch für das aufrechte Sitzen. Erst wer diese beiden Grundpositionen beherrscht, erlernt in der Tagesklinik weitere Übungen, mit denen man per Lernblatt und App auch daheim weiter trainieren kann. Wie intensiv, ist jedermanns eigene Sache. „Grundsätzlich gilt: Lieber fünf gescheite Wiederholungen als 15 schlechte“, sagt Savoy.

Außerdem wichtig: Das Gelernte in den Alltag übertragen. Denn wer Schmerzen vermeiden will, sollte immer auf die Stabilität achten: beim Sitzen vorm Fernseher, Zähneputzen – oder Autofahren.

Savoys Tipp: „Verstellen Sie den Rückspiegel im Auto nicht nachträglich. Sondern lassen Sie ihn so, wie Sie ihn am Anfang bewusst eingestellt haben.“ Romy Ebert-Adeikis

So sitzt der richtige Sitz perfekt

Physiotherapeutin Brigitte Hauser von der Tagesklinik Wirbelsäule in Harlaching erklärt, wie man richtig sitzt: „Kopf und Schulter sind entspannt. Der Brustkorb wird aufgerichtet und die Brustmuskulatur ist aktiviert. Ich vergleiche das gern damit, ein imaginäres Korsett überzuziehen.“

Physiotherapeutin Brigitte Hauser zeigt leichte Übungen für einen starken Rücken

Die Füße liegen auf dem Pezziball, die Beine sind nicht ganz durchgestreckt. Arme liegen neben dem Körper am Boden. Dann Bein- und Rumpfmuskulatur anspannen und den Rumpf anheben, die Beine dabei strecken. Stabilisieren – und wieder zurück in die Ausgangsposition. © rea
Die Beine sind leicht angewinkelt, die Arme seitlich abgelegt. Weil Bauch-, Rücken- und Flankenmuskulatur im Zusammenspiel die Stabilität ergeben, sollte der Bauch leicht angespannt sein – etwa, als wenn man den Bauchnabel ein wenig in Richtung Boden drückt. Dabei aber normal atmen, nicht, die Luft einziehen. © rea
Eine Übung für die Flanke. Ein Ellbogen liegt unterhalb der Schulter auf dem Boden. Oberschenkel, Hüfte und Rumpf bilden eine Linie, die Hüfte ist dabei relativ gestreckt. Die Beine sind nach hinten angewinkelt. Die Flanken sind angespannt und der Bauchnabel etwas angezogen. Der zweite Arm liegt an der Hüfte. Dann wird das Becken leicht vom Boden abgehoben und wieder gesenkt. Fortgeschrittene können die Beine ausstrecken oder den Arm heben. © rea
Hauser: „Kopf und Schulter sind entspannt. Der Brustkorb wird aufgerichtet und die Brustmuskulatur ist aktiviert. Ich vergleiche das gern damit, ein imaginäres Korsett überzuziehen.“ © rea
Savoy: „Wichtig ist, die neutrale Position der unteren Wirbelsäule beizubehalten, trotz Bewegung der Extremitäten. Das heißt, weder ins Hohlkreuz zu gehen noch den Rücken rund zu machen.“ © rea
Hauser: Die Handgelenke stehen unter den Schultern, die Knie unter den Hüften. Die Ellebogen werden leicht gebeugt, während die Wirbelsäule in der Neutralstellung ist. Die Verbindung von Bauchnabel zur Wirbelsäule wird durch Aktivierung der Bauchmuskeln wieder so kurz wie möglich gehalten. Fortgeschrittene können dabei die Knie leicht vom Boden abheben. © rea
Beides Weiterentwicklungen des Vierfüßlerstandes, bei denen es darum geht, dass die natürliche Form der Wirbelsäule trotz Bewegung – Schieben des Beckens nach hinten oder Streckung von Arm und Bein – beibehalten wird. Man arbeitet aus der Hüfte, nicht aus dem Rücken. © rea

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