Gesundheit: Prof. Doreen Huppert

Prof. Huppert: „Funktioneller Schwindel - Häufigste Diagnose."

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Zahlreiche Tests – hier eine Ohrspülung sowie eine Messung der Augenbewegung – werden im Deutschen Schwindelzentrum gemacht, um eine organische Ursache auszuschließen.

Wenn der Kopf den Körper stört: Schwindel-Attacken als Ausdruck einer psychischen Belastung. Angst, die Menschen wanken lässt – Prof. Doreen Huppert klärt auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell stellen wir Phänomene vor, bei denen Menschen Beschwerden haben, die organisch nicht ausreichend erklärbar sind. Im Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum am Klinikum Großhadern geht Prof. Doreen Huppert dem sogenannten funktionellen Schwindel auf den Grund.

Funktionelle Schwindel - Häufigste Diagnose

Enge Räume, große Höhen, Spinnen oder andere Tiere: Vor vielen Dingen haben Menschen panische Angst. Doch nicht immer zeigt sich das als typische Angststörung.

In einigen Fällen wird Angst erst durch körperliche Leiden wie Schwindel sichtbar, weiß Prof. Doreen Huppert (Foto re.) vom Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum mit Sitz im Klinikum Großhadern.

Circa 4000 Patienten aus ganz Deutschland werden dort jährlich in der Schwindelambulanz behandelt. „Mit circa 15 Prozent ist der funktionelle Schwindel – also ein Schwankgefühl ohne organische Ursache – mit die häufigste Diagnose bei uns“, berichtet die Neurologin.

Meist tritt funktioneller Schwindel attackenartig auf

Häufig betroffen: Patienten mittleren Alters, die man als besonders gewissenhaft oder sogar ein wenig zwanghaft charakterisieren könnte.

Prof. Doreen Huppert vom Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum am Klinikum Großhadern.

„Meist wird der funktionelle Schwindel attackenartig stärker, wenn man in bestimmte Situationen kommt, etwa inmitten einer großen Menschenmenge“, erklärt Huppert.

Damit einher gehen oft Herzrasen, Schweißausbrüche oder ein unsicherer Gang. „Die Beinmuskulatur versteift. Die Patienten laufen so, als würden sie auf Eis gehen.“

Ein Teufelskreis, denn die Unsicherheit schürt die Angst weiter und verstärkt so den Schwindel. Oft werden die Auslösersituationen darum vermieden. „Die Leute schränken sich immer mehr ein, gehen nicht mehr aus oder einkaufen.“

Verbesserung ist auch nach Jahren noch möglich

Aber: Ist einmal festgestellt, dass der Schwindel keine körperliche Ursache hat, ist eine Verbesserung auch möglich, wenn man schon seit Jahren leidet.

So habe eine Studie gezeigt, dass der Schwindel bei drei Vierteln der Patienten neun Jahre nach Diagnosestellung weg oder wesentlich schwächer war.

„Oft ist es für die Patienten schon ein große Erleichterung, überhaupt eine Erklärung zu haben“, so Huppert. Gegebenenfalls wird mit Verhaltens­therapie und leichten Antidepressiva die Bewältigung unterstützt.

Doch zur Diagnose zu kommen, ist auch für die Experten am Schwindelzentrum eine große Herausforderung. „Es muss wirklich jede organische Ursache ausgeschlossen sein“, sagt die Oberärztin.

Untersuchung in der Schwindel-Ambulanz dauert sechs Stunden

Etwa sechs Stunden dauert darum eine Untersuchung in der Schwindel-Ambulanz: Neben einem ausführlichen Patientengespräch wird der gesamte Gleichgewichtsapparat – vom Ohr bis zum Gehirn und den Nervenbahnen – überprüft. Dafür werden Augenbewegungen gemessen, Ganganalysen oder Ohrspülungen gemacht. rea

Deutsches Schwindelzentrum

Circa 120 Personen arbeiten beim Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum in München, das es seit etwa zehn Jahren gibt. Neben der Schwindelambulanz, die man nur nach Überweisung eines Facharztes in Anspruch nehmen kann, gehören zum Zentrum viele Forschungsgruppen. Sie arbeiten an Ursachen und Therapiemöglichkeiten. Es ist europaweit das größte Zentrum seiner Art.

Lesen Sie hier die News aus Münchens Vierteln:

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