Gesundheit: Hans Hauner, Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin der TUM

Wenn der Zucker zum Feind wird

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Verschiedene Diabetesarten verlangen verschiedene Therapien – zum Beispiel mit Insulinpens.

Aus der Reihe „Vorbeugung körperlicher Erkrankungen“: Rund neun Millionen Deutsche sind an Diabetes Typ 2 erkrankt – Hallo hat nachgehakt, wie Sie dem vorbeugen können

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell richten wir den Blick auf die Vorbeugung körperlicher Erkrankungen.

Prof. Dr. med, Hans Hauner ist Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München.

Jeder Dritte ist bereits daran erkrankt oder wird im Laufe seines Lebens die entsprechende Diagnose erhalten: Diabetes. Dabei handelt es sich „um eine Krankheit, die den Zuckerhaushalt im Körper stört“, erklärt der Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München, Hans Hauner. Die gute Nachricht: Der häufigsten Form von Diabetes kann vorgebeugt werden.

Es muss zwischen zwei Arten des Diabetes unterschieden werden: Bei Typ 1 handelt es sich um eine „Autoimmunerkrankung, die in jungen Jahren beginnt und lebenslang mit Insulin behandelt werden muss“, erläutert Hauner. Betroffene können der Krankheit weder vorbeugen, noch besteht bisher eine Chance auf Heilung. Von etwa zehn Millionen Diabetikern in Deutschland sind nur rund fünf Prozent an Typ 1 erkrankt. Die weitaus häufigere Form ist Diabetes Typ 2, der meist erst im fortgeschrittenen Alter auftritt.

Insulin wirkt im Körper gewissermaßen wie der Schlüssel zur Tür der Zelle. Nur mit Insulin kann der Körper den Zucker aus der Nahrung und die damit verbundene Energie aufnehmen. „Bei Typ-2-Diabetes ist entweder nicht mehr genug Insulin beziehungsweise kein ausreichend schnelles Insulin vorhanden oder das Insulin kann zum Beispiel aufgrund von Übergewicht nicht mehr richtig wirken“, erklärt Hauner. Sei der Zuckerspiegel über lange Zeit erhöht, könne es zu schweren Komplikationen kommen. 

Doch Hauner stellt fest: „Diabetes Typ 2 kann man in den meisten Fällen in ein spätes Alter hinausschieben oder sogar ganz verhindern.“ Gefährdet seien vor allem zwei Risikogruppen: Menschen mit der entsprechenden genetischen Veranlagung oder mit Übergewicht. Ist ein Elternteil an Diabetes Typ 2 erkrankt, besteht ein erhöhtes Risiko. Die Deutsche Diabetes Stiftung hat dafür den kostenlosen Test „Findrisk“ unter diabetesstiftung.de entwickelt, mit dem sich das persönliche Diabetesrisiko in den nächsten zehn Jahren berechnen lässt. 

Das größte Problem aber ist laut Hauner die ungesunde Ernährung: „Der moderne westliche Lebensstil treibt den Diabetes an.“ Fett- und kalorienreiche Ernährung führe zu Übergewicht und das begünstige den Diabetes Typ 2. Deshalb sollten insbesondere Menschen mit einem erhöhten genetischen Diabetesrisiko auf ihr Gewicht und ihre Ernährung achten. Das bedeutet: Weniger Fast Food, weniger Fleisch und Wurst, weniger gesüßte Getränke. Dafür mehr Gemüse und Vollkornprodukte.

Wichtig sei bei einem ersten Verdacht, frühzeitig zu reagieren und sofort den Hausarzt aufzusuchen. „Die Symptome sind am Anfang nicht so stark, weil man sie bei nur leicht erhöhten Blutzuckerwerten nicht spürt“, erklärt Hauner. Diese versteckte Phase könne bis zu fünf Jahre dauern. Das sei besonders schlecht, weil ein dauerhaft erhöhter Blutzucker die Organe schädigen könne. Wer sehr häufig auf die Toilette muss, sollte hellhörig werden: Der Körper versucht den überschüssigen Zucker über den Urin auszuscheiden. Damit geht meist ein starkes Durstgefühl einher. Auch bei Wunden, die insbesondere an den Füßen schlecht abheilen, ist Vorsicht geboten: Es könnte sich um ein Symptom einer Diabeteserkrankung handeln.

Sophia Oberhuber

Institut für Ernährungsmedizin

Das Institut für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München am Georg-Brauchle-Ring 62 beschäftigt sich unter der Leitung von Hans Hauner mit ernährungsbedingten Krankheiten und deren Prävention. 

Der Schwerpunkt des Lehrstuhls ist in Deutschland bisher einzigartig. Vor allem Übergewicht und Diabetes sind ein Thema. Aber auch die Betreuung von Krebspatienten, die während der Chemotherapie nicht zu viel Gewicht verlieren sollten, ist ein wichtiger Teilaspekt des Instituts. 

Neben einer täglichen Sprechstunde werden Kurse zu den Themen Ernährung, Abnehmen und gesundem Kochen angeboten. Kontakt unter 28 924 921.

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