Gesundheit: Professor Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar

Professor Marion Kiechle: „Bei einer familiären Vorgeschichte liegt das Risiko bei 80 Prozent“

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Zurück im Leben: Katharina Neels kann nach ihrer Brustkrebserkrankung wieder normal leben, verreisen – und Kinder möchte die 34-Jährige auch bald bekommen.

Aus der Reihe „Krebs“: Diagnose Brustkrebs - Etwa 75 000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs – Tendenz steigend.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Derzeit dreht sich alles um Krebs. Was die Diagnose Brustkrebs für eine Frau bedeutet und wie die Medizin künftig noch mehr vor der Erkrankung schützen möchte, erzählen eine Betroffene und Professor Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar.

Der erste Schock kam für Katharina Neels (34) beim Duschen. „Durch Zufall habe ich beim Einseifen einen Knoten an meiner rechten Brust bemerkt“, erinnert sich die Sendlingerin an den Beginn ihrer Krankheit. Zu dem Zeitpunkt hofft die 32-Jährige noch, dass es sich nur um eine Verhärtung handelt. Doch nach Ultraschall, Mammografie und Gewebeentnahme bekommt sie Ende 2016 eine andere Diagnose: Brustkrebs. „Ich war eine Zeit lang nur am Heulen. Wir wollten eigentlich mit der Familienplanung beginnen. Stattdessen waren 2017 erstmal Chemotherapie und OP angesagt“, erinnert sich Neels.

Professor Marion Kiechle: „Etwa 75 000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs – Tendenz steigend.“

Etwa 75 000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs – Tendenz steigend. „Die gute Nachricht ist: Auch die Heilungschancen sind in den letzten 20 Jahren sehr viel besser geworden“, sagt Professor Dr. Marion Kiechle, Leiterin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar. „Die Chance liegt heute bei 85 Prozent. Entdeckt man den Krebs in einem frühen Stadium sind es sogar 98 bis 99 Prozent.“ Bei zwei Drittel der Frauen könne die Brust zudem erhalten werden, so Kiechle.

Dieses Glück hatte auch Katharina Neels – auch wenn sie lange bangen musste: Erst nach der Chemotherapie, bei der Entfernung des zerstörten Gewebes, konnte entschieden werden, ob ihre Brust mit eigenem Fettgewebe aufgefüllt werden kann. „Bis dahin hatte ich große Angst, dass die Brust ganz wegkommt.“

Neels einziger Trost: Damit wäre zumindest auch der Tumor defintiv und komplett verschwunden. „Dieser Gedanke half, die Angst etwas einzugrenzen und nicht dauernd daran zu denken, was wäre wenn“, so die Steuerfachangestellte. Viel später hätte sie ihren Tumor allerdings nicht entdecken dürfen. „Sonst wäre alles vielleicht ganz anders gelaufen“, erzählt Neels, bei der eine bisher wenig erforschte Genmutation den Krebs ausgelöst hatte – obwohl Brustkrebs in ihrer Familie bis dato nie eine Rolle spielte.

In einer Vielzahl der Fälle ist das anders. „Bei einer familiären Vorgeschichte liegt das Risiko, zu erkranken, bei 80 Prozent“, sagt Frauenklinik-Leiterin Kiechle. Das Ärgerliche: „Bisher ist für familiär vorbelastete Frauen die einzige Möglichkeit zur Prävention die operative Entfernung der Brustdrüsen.“ Etwa 50 Frauen im Jahr nutzen Kiechle zufolge diese Methode im Klinikum rechts der Isar. „Es wäre schön, wenn es bei erblichem Risiko künftig ein Medikament zum Schutz geben würde.“

Genau daran will Kiechle in Zukunft forschen. Gerade bewirbt sich ihre Klinik dafür, ein neues Medikament zur Brustkrebs-Prävention mit Patienten testen zu können. „Es beinhaltet eigentlich Antikörper gegen den Knochenabbau, hat aber bei Versuchen mit Mäusen auch sehr gute Ergebnisse in Sachen Brustkrebs erzielt“, so die 58-jährige Expertin.

Für Frauen ohne vererbtes Krebsrisiko gibt es ein ähnliches Medikament schon. Das Anti-Hormon Tamoxifen soll Brustkrebspatientinnen nach der Therapie vor einem Rückfall bewahren. Auch Neels bekommt, zusätzlich zu zahlreichen Nachsorgeuntersuchungen, den Östrogenblocker.

In der Regel muss das Medikament fünf Jahre lang eingenommen werden, erst dann gelten Krebspatienten als geheilt. „Vor allem in den ersten zwei Jahren nach der Therapie kann es bei jedem zu Rückfällen kommen“, sagt Neels. Für sie endet diese Hochrisiko-Phase im Juli. Dann will die Sendlingerin einen weiteren Schritt zurück in die Normalität wagen. „Wahrscheinlich kann ich kurz danach mit dem Tamoxifen pausieren“, hofft die 34-Jährige. „Damit wir endlich wirklich mit der Familienplanung beginnen können.“

Romy Ebert-Adeikis

Brustkrebs nicht nur Frauensache

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, circa 600 sind es in Deutschland Jahr für Jahr. Denn: Selbst bei jedem erwachsenen Mann gibt es Anlagen für Milchgänge – und dies sind besonders anfällig für eine bösartige Veränderung der Zelle.

Weil sie damit nicht rechnen, wird Brustkrebs bei Männern meist später als bei Frauen entdeckt. Auf folgende Symp­tome sollten Männer daher achten: ein einseitiger, harter und nicht verschiebbarer Knoten in der Brust, einseitige Veränderungen der Brustwarze sowie, Flüssigkeit, die aus der Brustwarze austritt.

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