Gesundheit: Professor Dr. Wolfgang Thasler

Prof. Thasler: „Stress kann sich auf die inneren Organe auswirken“

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Professor Dr. Wolfgang Thasler mit einer Grafik des Nervengeflechts (gelb) im Oberbauch.

Direkter Draht vom Bauch ins Hirn: Wenn der Kopf den Körper stört: Warum Stress uns tatsächlich „auf den Magen schlagen“ kann. Professor Dr. Wolfgang Thasler klärt auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell stellen wir Phänomene vor, bei denen Menschen Beschwerden haben, die organisch nicht ausreichend erklärbar sind. Wie die Psyche und der Magen-Darm-Trakt zusammenspielen, erklärt Chefchirurg Professor Wolfgang Thasler vom Rotkreuzklinikum.

Ein Schockerlebnis schlägt uns auf den Magen, ein Ärgernis lässt einem die Galle hochgehen und in so manche Prüfung geht man mit Bauchweh: Was zig Redewendungen andeuten, ist tatsächlich ein Fakt – die Psyche steht mit dem Magen-Darm-Trakt des Menschen in enger Verbindung. „Wir haben ein komplexes Nervengeflecht in unserem Bauchraum, das über den nervus vagus direkt mit dem Stammhirn verbunden ist“, erklärt Professor Wolfgang Thasler, Chefarzt der Viszeralchirurgie am Münchner Rotkreuzklinikum. „Insofern beeinflusst die Psyche unser Wohlsein oder Unwohlsein auf jeden Fall.“

Stress kann einen Effekt auf die inneren Organe haben

Insbesondere Stress kann dem Experten zufolge einen Effekt auf die inneren Organe haben. „Die Nerven werden angeregt und sorgen zum Beispiel für eine höhere Produktion von Magensäure“, erklärt Thasler.

Die Folge: Sodbrennen, die Entzündung von Speiseröhre oder Magenschleimhaut. Gleichzeitig kann der Schutzmantel innerer Organe durch Stress löchrig werden. „Das kann dann bis zu einem Magendurchbruch gehen.“ Manche Krankheiten, wie etwa Morbus Crohn, eine chronische Entzündung des Darms, werden durch die Psyche sogar regelrecht ausgelöst.

Sogar die Galle kann rebellieren

Dass auch die Galle in engem Zusammenspiel mit einer psychischen Belastung rebellieren kann, weiß Thasler aus der Praxis. So operierte er einen Trainer von 1860 München, der sich gerade im Abstiegskampf befand, an der Galle. „Seine Gallenblase hatte sich quasi aufgelöst“, erzählt der Viszeralchirurg. „Man konnte dem Körper förmlich ansehen, dass dem Trainer bei der letzten Niederlage die Galle übergegangen war.“

Trotzdem glaubt der Chirurg nicht, dass alle Leiden, die heute als psychosomatisch angesehen werden, das auch tatsächlich sind: „Das Nervengeflecht in unserem Bauch ist wie ein eigenes Gehirn. Was es tut können wir oft nicht verstehen und kaum steuern“, so Thasler.

Zu unterscheiden, welches Leiden organischer Ursache ist und welches, zumindest nach heutigem Untersuchungsstand, nicht, sei eine der größten Herausforderungen im Klinikalltag. „Bei einem Chirurg muss nicht nur das Skalpell scharf sein, sondern auch die Indikation“, sagt der Experte. Denn eines will er auf jeden Fall vermeiden: „Dass ich einen Patienten operiere und ihm damit nicht geholfen habe.“ In dem Fall bleibt dem Chirurg manchmal nur ein Verweis zurück zum Hausarzt oder zu einer Kur. „Bei einer langen Leidensgeschichte ohne Ergebnis kann Letzteres eine gute Empfehlung sein.“

Funktionelle und psychische Schmerzen

Von funktionellen Bauchschmerzen sprechen Experten, wenn für ein Leiden oder eine Funktionsstörung keine organische Ursache, wie ein Geschwür oder eine Gewebeschädigung, sichtbar ist. Ein typisches Beispiel sind der sogenannte Reizmagen und Reizdarm, die durch Stress und psychische Belastungen verstärkt werden. Zudem gehen psychische Störungen, beispielsweise Depressionen, in vielen Fällen mit Bauchschmerzen einher. Romy Ebert-Adeikis

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