Gesundheit: Professor Rüdiger von Kries, Mitglied der Ständigen Impfkommission

Mit einem Pieks gegen die Influenza

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Fieber, Gliederschmerzen, Husten und Schnupfen: Die echte Grippe kann schlimmstenfalls sogar tödlich verlaufen. Im Gegensatz zum grippalen Infekt, treten die Symptome oft kurzfristig auf.

Aus der Reihe „Vorbeugung körperlicher Erkrankungen“: Im letzten Winter sind über 43 000 Personen alleine in Bayern an Influenza erkrankt – Hallo hat nachgehakt, wie Sie dem vorbeugen können

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell richten wir den Blick auf die Vorbeugung körperlicher Erkrankungen – etwa durch die Grippeimpfung.

Professor Rüdiger von Kries von der Ludwig-Maximilians-Universität ist seit 20 Jahren Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts.

Über 43 000 Erkrankte und 142 Todesfälle allein in Bayern: Die Influenza-Epidemie des vergangenen Winters gilt als eine der schwersten der letzten Jahre. Ob die Grippesaison heuer genauso heftig ausfallen wird, ist auch für Experten schwer vorherzusagen. „Man weiß nie genau, wie virulent der Erreger sein wird. Dieser verändert sich von Jahr zu Jahr“, sagt Professor Rüdiger von Kries von der Ludwig-Maximilians-Universität. Er ist seit 20 Jahren Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI), die Impfempfehlungen für ganz Deutschland erarbeitet. Darunter auch für die Grippe-Impfung, die vor einer Ansteckung schützen kann.

Das sei auch noch jetzt möglich, wo die ersten Influenza-Erreger bereits ihr Unwesen treiben. „Es reicht, wenn man circa zwei Wochen vor Ausbruch einer aktullen Grippeepidemie geimpft ist“, erklärt von Kries. So lange braucht es, bis das Immunsystem Antikörper gegen die Viren gebildet hat. Eine Epidemie ist aber nur dann vorhanden, wenn in den Arztpraxen der Anteil akuter Atemwegserkrankungen mindestens 15 Prozent über dem Jahresmittel liegt. „Das ist meistens erst im Januar oder Februar der Fall“, so von Kries. Noch ist in Bayern den Daten des RKI zufolge nur eine leicht erhöhte Anzahl akuter Erkrankungen registriert. „Es ist also durchaus sinnvoll, sich jetzt noch impfen zu lassen – wenn man denn noch Impfstoff bekommt“, so von Kries. Denn Ende November war in Bayern ein Versorgungsmangel an Impfstoffen ausgerufen geworden – auch im Raum München (Hallo berichtete).

Allerdings: Selbst wenn man die Schutzimpfung erhalten hat – immer kann sie uns nicht vor Fieber, Husten und Gliederschmerzen bewahren. „Am besten wirksam ist sie bei Kindern“, erklärt der Experte. Diese können ab sechs Monaten schon eine Impfung erhalten. „Allerdings verläuft die Grippe bei Erwachsenen statistisch gesehen sogar schwerer.“ Im Alter wirke der Impfstoff aber nur noch in 70 bis 50 Prozent der Fälle.

Die Wirksamkeit hänge zudem davon ab, wie gut der Impfstoff die tatsächlich in einer Wintersaison auftretenden Influenza-Viren abdeckt. Außerdem gibt es zahlreiche andere Erreger, die grippeähnliche Symptome hervorrufen können. „Die optimale Grippe-Impfung gibt es nicht. Aber ein halbvolles Glas ist trotzdem mehr als nichts“, rät von Kries zum Schutz.

Ausdrücklich empfohlen wird die Impfung von seiner Kommission sogar für Personen über 60 Jahre, Schwangere, chronisch Kranke oder Menschen, die im Gesundheits- und Pflegesektor arbeiten. Diese bekommen in der Regel auch von den Krankenkassen oder dem Arbeitgeber die Kosten erstattet. Wahrgenomen wird das Angebot aber bei weitem nicht von allen: „Bei den Senioren sind nur rund 30 Prozent tatsächlich geimpft.“

Romy Ebert-Adeikis

Impfstoff-Engpass auch im neuen Jahr

Ende November hat die „Landesarbeitsgemeinschaft Impfen“ einen Versorgungsmangel an Grippeimpfstoff bekannt gegeben (Hallo berichtete). Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern steht ein geringer Bestand einem viel höheren Bedarf gegenüber. Dieser könnte die Folge der schweren Grippewelle 2017/2018 sein, vermutet Professor Rüdiger von Kries. 

„Wenn Ihr Arzt keinen Impfstoff mehr hat, können Sie sich diesen auf Rezept auch selbst in der Apotheke kaufen und zum Arzt bringen“, rät der Experte. Das kostet 23 Euro. Laut Thomas Metz, Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands, sei bei den Apotheken die Impfstoff-Situation wieder entspannter, „da die Impfsaison inzwischen dem Ende zugeht“. Viele hätten ihren Bestand mit Reserven aus dem Ausland aufgestockt. 

Gleichwohl: Bei einer Stichprobenumfrage von Hallo in München gaben vier von fünf Apotheken an, dass auch jetzt die Nachfrage nach Impfstoff extrem hoch sei. Eine dieser Apotheken erklärte zudem, trotz Nachkauf aktuell keinen Impfstoff vorrätig zu haben.

rea/mag

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