Gesundheit: Dr. Christa Maar Dr. Bernd Birkner von der Felix-Burda-Stiftung

Diagnose Darmkrebs: Rechtzeitige Erkennung ist Trumpf

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Darmspiegelung führen Ärzte, wie hier Dr. Bernd Birkner (re.), ambulant durch.

Aus der Reihe „Krebs“: Rund 60 000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Darmkrebs – Gerade bei jungen Menschen wird dieser mangels Vorsorgeuntersuchungen häufig zu spät erkannt

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In den kommenden Ausgaben dreht sich alles um Krebs. Jedes Jahr im März organisiert die Felix-Burda-Stiftung einen Aktionsmonat, um für Darmkrebs-Vorsorge zu werben. Wen die Münchner Stiftung zur Zeit besonders im Blick hat, verraten die Vorsitzende Dr. Christa Maar und Kurator Dr. Bernd Birkner.

Mit 31 Jahren erkrankte der Sohn von Verleger Hubert Burda und Christa Maar an Darmkrebs – und konnte nicht mehr gerettet werden.

Felix Burda wurde nur 33 Jahre alt. Mit 31 Jahren erkrankte der Sohn von Verleger Hubert Burda und Christa Maar an Darmkrebs – und konnte nicht mehr gerettet werden.

„Bis heute kann man Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium nicht heilen. Leider wird er, vor allem bei jungen Menschen, oft erst dann erkannt“, sagt Maar, die nach dem Tod ihres Sohnes 2001 die Felix-Burda-Stiftung gegründet hat und damit für eine flächendeckende Darmkrebs-Vorsorge kämpft. Denn 90 Prozent der Erkrankungen gehen sogenannte Adenome voraus. Die Polypen im Dickdarm sind erst gutartig – und können mittels einer Darmspiegelung entdeckt und leicht entfernt werden. „Dann sinkt das Erkrankungsrisiko um 70 Prozent“, weiß Dr. Bernd Birkner, Gastroenterologe und Kurator der Felix-Burda-Stiftung.

„Die primäre Darmkrebs-Therapie ist daher die Operation, die meist mit Heilung einhergeht.“ Dafür muss der Krebs aber in der Vorstufe erkannt werden. Gerade junge Menschen fallen bei der Früherkennung aber oft durchs Raster. Krankenkassen bezahlen erst ab dem 50. Lebensjahr eine Darmspiegelung oder einen Labor-Stuhltest. Entdeckt man selbst Blut im Stuhl – ein mögliches Symptom für Darmkrebs – kann es schon zu spät sein. „Gehen junge Menschen damit zum Arzt, tippt der, statt sie zur Darmspiegelung zu überweisen, leider oft auf Hämorrhoiden und verschreibt eine Salbe. Viele Ärzte denken anscheinend immer noch, Darmkrebs sei nur was für Ältere“, so Maar.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Rund 60 000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Darmkrebs. „Zuletzt ist die Zahl der Erkrankungen bei Über-50-Jährigen gesunken. Aber bei Jüngeren gibt es eine steigende Tendenz“, warnt Mediziner Birkner. US-Studien zeigen bei Menschen zwischen 35 und Ende 40 einen Anstieg um zehn Prozent. Warum das so ist, weiß bisher keiner. „Vermutlich gibt es mehrere Gründe. Wer nur einen ungesunden Lebensstil dahinter sieht, macht es sich zu einfach“, sagt Maar.

Ab 2020 soll eine große wissenschaftliche Studie die Ursachen erforschen. Etwa ein Drittel aller Erkrankungen geht auf ein familiäres Risiko zurück. Dieses ist zwei bis vier Mal so hoch bei Menschen, die unter den Verwandten ersten und zweiten Grades mindestens einen Darmkrebs-Betroffenen haben. „Auch in unserer Familie gab es das Risiko, aber wie die meisten wussten wir davon nichts, weil uns kein Arzt jemals darauf aufmerksam gemacht hatte“, erinnert sich Maar.

Seit Oktober 2018 läuft in Bayern darum das Modellprojekt "FARKOR" für Erwachsene mit familiärem Risiko. Und auch der jährliche Aktionsmonat der Stiftung, der Darmkrebsmonat März, steht im Zeichen der Thematik.

Romy Ebert-Adeikis

Projekt FARKOR

Noch bis März 2020 läuft in Bayern das Modellprojekt „FARKOR“. Es bietet allen gesetzlich Versicherten zwischen 25 und 49 Jahren die Möglichkeit, vorzusorgen – ohne selbst zu zahlen. Dabei erfragt ein Arzt das familiäre Risiko, gegebenenfalls wird eine Darmspiegelung vereinbart. FARKOR wird vom Innovationsfond finanziert. Mehr Infos: www.farkor.de.

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