Gesundheit: Redakteur Andreas Schwarzbauer beim Hallo-Selbstversuch

Befreit von Atemnot und Stress – So entspannt es sich inmitten von neun Tonnen Salz

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Auf bequemen Liegestühlen kommt man in der Salzgrotte zur Ruhe.

Atemluft mit einer Prise Salz: Hallo-Redakteur Andreas Schwarzbauer hat den Selbst-Test gewagt und sich einer Gesundheitskur in der Salzgrotte unterzogen

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell testen wir medizinische Angebote im Selbstversuch. Dieses Mal hat Hallo-Redakteur Andreas Schwarzbauer eine Salzgrotte besucht.

Entspannt liege ich in zwei Decken eingewickelt und mit einer Wärmflasche auf dem Bauch auf einem Liegestuhl. Die Luft schmeckt etwas salzig. Das ist kein Wunder, denn um mich herum befinden sich acht bis neun Tonnen Salz. Die Wände sind mit rosafarbenen Salzsteinen aus Pakistan verkleidet, der Boden ist mit weißen Salzkörnern bedeckt. Ich befinde mich in einer von vier Münchner Salzgrotten.

In ihren Selbstbeschreibungen scheinen diese Einrichtungen wahre Allzweckwaffen zu sein: Sie sollen bei Hauterkrankungen, Beschwerden mit den Atemwegen, Herzproblemen, Rheuma, Allergien und Stress helfen. Allerdings ist ihr tatsächlicher gesundheitlicher Nutzen umstritten.

Deshalb möchte ich selbst testen, wie eine Salzgrotte wirkt. Da ich selbst seit einigen Tagen eine verstopfte Nase habe, kann das nicht schaden, denke ich.

Die Wände sind mit rosafarbenen Salzsteinen aus Pakistan verkleidet, der Boden ist mit weißen Salzkörnern bedeckt.

In der Grotte „Salzambiente“ in der Au werde ich von Dana Konecna empfangen. Sie versichert mir, dass ich an der richtigen Adresse bin: „Die meisten unserer Kunden kommen wegen Atembeschwerden.“ Die salzhaltige Luft erweitere die Atemwege und befeuchte die Nasenschleimhäute. Dadurch sei man nicht mehr so anfällig für Keime und Bakterien und das Immunsystem werde gestärkt. „Wenn man mit verstopfter Nase kommt, merkt man schnell die Wirkung“, verspricht Konecna. 

Auch bei Asthma oder Heuschnupfen lindere die Salzgrotte die Symptome. „Es ist eine Erleichterung für den ganzen Körper. Die Wirkung hält drei bis vier Stunden an.“ Wer einen längerfristigen Effekt spüren will, müsse aber regelmäßig einmal in der Woche vorbeikommen.

Lungenarzt Dr. Jan Feimer bezweifelt das: „Die Wirkung ist nicht von Dauer, sondern nur solange man dort ist.“ Dennoch schickt er manchmal Patienten in die Salzgrotte: „Die Luft ist dort aus allergologischer Sicht sehr sauber.“ Deshalb könnten Menschen, die stark an Allergien oder Asthma leiden, in der Salzgrotte mal zur Ruhe kommen und entspannen. „Es ersetzt auf keinen Fall eine medikamentöse Therapie, aber man kann dort extrem runterkommen“, sagt Feimer.

Das stimmt. Ich liege nun schon eine Weile in der Salzgrotte. Ich lausche der leisen Entspannungsmusik und dem Plätschern von Salzwasser, das an zwei Stellen die Wände herunterläuft. Die Stille wird nur ab und an von einem kurzen Schnarchen eines anderen Besuchers unterbrochen. Wir sind zu fünft in dem etwa 30 Quadratmeter großen Raum. Doch bald döse ich tatsächlich kurz ein. Nach 45 Minuten wird das gedimmte Licht wieder heller und Konecna sammelt die Decken ein. Zum Abschluss gibt es noch eine Tasse Tee. Meine Nase ist tatsächlich frei und ich fühle mich erholt – zumindest solange bis ich am Hauptbahnhof ankomme und es heißt: S-Bahn-Störung.

Andreas Schwarzbauer

Die medizinische Wirkung von Salz

Ist das weiße Gold tatsächlich eine Allzweckwaffe? Bei Hauterkrankungen, Beschwerden mit den Atemwegen, Herzproblemen, Rheuma, Allergien und Stress soll es angeblich helfen.

Salz findet schon seit Jahrhunderten als Heilmittel Verwendung. Viele bekannte Badekurorte entstanden zur Römerzeit. Im Mittelalter wurde Salz über Kranke geworfen, um das Fieber zu vertreiben. Als Schutz in einem Beutel getragen sollte es zudem Ansteckung verhindern. Der bayerische König Ludwig I. schickte seinen Sohn zur Kur nach Bad Reichenhall, dem damaligen Zentrum der Salzgewinnung. Heute kommt es vor allem in flüssiger Form als Sole in Bädern, Tinkturen, Spülungen oder beim Inhalieren zum Einsatz. Es hilft gegen Hautkrankheiten, Rheuma oder Atemwegsbeschwerden

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