Welche Untersuchungen und Immunisierungen für Neugeborene wichtig sind

Gesund heranwachsen (3): Irregeführt im Internet? Warum ein Kinderarzt Impfkritiker nicht verurteilt

Mindestens viermal müssen Eltern mit ihrem Neugeborenen im ersten Lebensjahr beim Kinderarzt vorstellig werden.
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Mindestens viermal müssen Eltern mit ihrem Neugeborenen im ersten Lebensjahr beim Kinderarzt vorstellig werden.

Auf unserer Gesundheitsseite dreht sich derzeit alles ums „Gesund heranwachsen“. Diesmal spricht ein Kinderarzt über nötige Untersuchungen und das Impfen.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell widmen wir uns dem Thema „Gesund heranwachsen“. Ein wichtiger Aspekt dabei sind die Untersuchungen beim Kinderarzt. Einer davon ist Prof. Dr. Stefan Eber aus Großhadern. Welche Tests er neben den verpflichtenden empfiehlt und wie er mit Impfkritikern umgeht, berichtet er hier.

Mit einem Neugeborenen stehen Familien ohnehin vor herausfordernden Zeiten – umso mehr, wenn die ersten Monate in ein Krisenjahr wie heuer fallen (siehe unten). Desto wichtiger ist es, in dem betreuenden Kinderarzt einen zuverlässigen Partner zu haben. „Letzten Endes muss die Chemie stimmen“, sagt der Großhaderner Kinderarzt Stefan Eber.

Neues Angebot für München: Kinderarzt kennenlernen vor der Geburt

Wenn es nach Eber geht, sollte das Vertrauen so früh wie möglich aufgebaut werden. „Wir sind gerade dabei, ein zusätzliches Angebot zu schaffen: eine Vorsorgeuntersuchung schon vor der Geburt, zusammen mit den Frauenärzten.“ So haben Familien Zeit, sich gegebenenfalls noch einen anderen Arzt zu suchen. „Wenn das Kind dann einmal da ist, sollte man nicht allzu häufig wechseln – sonst lässt sich die Entwicklung nicht mehr kontinuierlich beobachten“, rät Eber.

Prof. Dr. Stefan Eber ist Kinderarzt in München Großhadern.

Und die geht in den ersten Monaten rasant voran: Mindestens viermal müssen Eltern mit ihrem Neugeborenen daher im ersten Lebensjahr beim Kinderarzt vorstellig werden. Größe, Gewicht, Reaktionsfähigkeit und mehr werden dabei in Bayern verpflichtend untersucht. „Wichtig ist auch eine frühe Testung auf Sehfehler“, betont Eber.

München: Nicht alle Untersuchungen für Babys zahlt die Krankenkasse

Doch nicht jede Untersuchung wird von allen Krankenkassen bezahlt. Zum Beispiel ein computergesteuertes Screening, bei dem Ein- bis Zweijährige darauf geprüft werden, ob sie schielen. „In dem Alter ist das Auge noch gut behandelbar, danach kann man nicht mehr viel korrigieren.“ Ähnlich ist es bei einer Ultraschall-Untersuchung der Niere im Alter von zwei bis drei Monaten. Die zahlt derzeit nur die AOK. „Dabei ist die Niere ein stummes Organ, bei dem angeborene Defekte lange unentdeckt bleiben können“, so der Kinderarzt.

Zu den Vorsorgeuntersuchungen kommen im ersten Lebensjahr auch diverse Impftermine – der erste mit sechs Wochen gegen Rotaviren, die schwere Durchfallerkrankungen auslösen. Kurz darauf folgt die Sechsfachimpfung (Keuchhusten, Hirnhaut­entzündung, Wundstarrkrampf, Diphtherie, Polio und Hepatitis B) und die Immunisierung gegen schwere Mittelohrentzündungen.

München: Falschinformationen zum Impfen verunsichern Familien

Verpflichtend sind all diese zwar nicht. Doch dass Eltern oder sogar Kinderärzte ihren Kindern diese verweigern, ist für Stefan Eber ethisch nicht vertretbar. „Jedes Kind erkrankt ungeschützt am Rotavirus, zehn Prozent so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. Warum sollte ich meinem Kind das antun? Zumal das Risiko einer Komplikation beim Wildvirus viel höher liegt als bei der Impfvariante.“ Gegner pauschal zu verurteilen sei aber der falsche Weg. „Die Eltern treffen im guten Glauben, aufgrund von bewussten oder unbewussten Falschinformationen und irreführenden Mitteilungen im Netz, eine falsche Entscheidung. Ich weise keine Impfkritiker ab, sondern berate sie.“

Welche Argumente für oder gegen eine Impfung gegen das Coronavirus sprechen, haben zwei Münchner Ärzte für Hallo zusammengestellt.

Hilfe für junge Familien in der Corona-Zeit

Die gute Nachricht: „Bei Kindern unter sechs Jahren verlaufen 80 Prozent der Corona-Infektionen ohne Symptome“, sagt Kinderarzt Stefan Eber. Um die Kleinen zu schützen, ist es daher vor allem wichtig, sie von erkrankten Erwachsenen fernzuhalten. Im Zusammenhang mit der Pandemie macht sich Eber dennoch Sorgen: „Wir sehen, dass viele Eltern beruflich und durch die Krisensituation unter Stress stehen. Kinder reagieren darauf sehr feinfühlig.“

Um diesen zu helfen, gibt es jetzt das Projekt CoronaBaBY. Dabei wird untersucht, ob junge Familien in Krisenzeiten ausreichend psychosoziale Unterstützung erreicht. Auch im Sinne des Kinderschutzes: „Wir wollen Eltern nicht unter Verdacht stellen, sondern gezielt auf sie zugehen.“ Beteiligt sind bayernweit 100 Praxen, die 5000 Familien befragen wollen.

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