Handwerk: Die jungen Macher

Gegen den Strom

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Emeran Grünwald (18) baut und restauriert Boote.

München – Das Handwerk in und um München boomt:  Emeran Grünwald restauriert im Würmtal alte Segelboote

Über 23 000 Menschen haben dieser Tage eine Ausbildung bei einem bayerischen Handwerksbetrieb begonnen. Anlässlich des internationalen Tag des Handwerks am 15. September sprechen wir mit jungen und alten Meistern über Nachwuchsmangel, Frauen in Männerdomänen & neue Branchen.

In einer alten Reismühle in Gauting, direkt an der Würm, wird gehämmert, gehobelt und gesägt. Emeran Grünwald geht hier einem traditionsreichen Handwerk nach: Der 18-Jährige restauriert alte Boote und baut auch neue.

Grünwalds aktuelles Projekt ist der „Drachen“ – ein Segelboot mit einer einfachen, offenen Kajüte, Baujahr 1960.

Vor einem Jahr hat er die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Bootsbauer begonnen. Sein aktuelles Projekt ist der „Drachen“ – ein Segelboot mit einer einfachen, offenen Kajüte, Baujahr 1960. 95 Prozent der Restauration sind bereits geschafft: „Als das Boot vor einem Jahr zu uns kam, war der Unterwasserteil total verfault. Wir haben Stücke ausgebessert, das Deck abgeschliffen und arbeiten gerade an einem neuen Lackaufbau“, erzählt Grünwald. Er streicht über das Holz und zeigt auf winzige Löcher: „Wenn man die Poren noch sieht, bedeutet das, dass noch zu wenig Lack drauf ist.“

Grünwald, der die Wochenenden daheim am Walchensee verbringt und unter der Woche bei seinen Großeltern im Lehel wohnt, segelt selbst seit vielen Jahren. Er ist „schon immer gegen den Strom gschwommen“: Während andere Altersgenossen Kfz-Mechatroniker werden wollten, hat Grünwald Praktika beim Büchsenmacher und bei einem Bootsbauer gemacht, der selbst bei Grünwalds jetzigem Meister gelernt hatte. Dieser ist nämlich Obermeister der Bayerischen Bootsbauer und hat mittlerweile um die 30 Lehrlinge ausgebildet. Von den 58 Bootsbaubetrieben in Bayern bilden 20 Lehrlinge aus. Im Stadtgebiet München gibt es nur einen einzigen Ein-Mann-Betrieb – in Trudering.

Einen Lieblings-Arbeitsschritt hat Grünwald nicht, er findet alles toll, was mit Holz zu tun hat.

Die ersten Wochen waren für Grünwald nicht immer einfach: „Da hatte ich regelmäßig Muskelkater – aber mittlerweile nicht mehr“, erzählt er lachend. „Manche Arbeiten sind körperlich sehr anstregend, zum Beispiel als wir den Unterwasserteil des Drachens in Schräglage kopfüber abschleifen mussten.“ Einen Lieblings-Arbeitsschritt hat Grünwald nicht, er findet alles toll, was mit Holz zu tun hat. Was er an seinem Beruf besonders zu schätzen weiß: „Die Arbeit ist extrem facettenreich. Hier passiert nichts nach Schema F – so stumpft man auch im Kopf nicht ab.“

Die Schwierigkeit bei der Restauration bestehe darin, dass das Ergebnis maximale Ähnlichkeit mit dem Stück davor aufweisen muss. „Das richtige Holz zu finden ist sehr wichtig – der Rest ist alles Handarbeit. Bei uns wird nichts in die Maschine gesteckt“, sagt Grünwald. Das Schönste ist für ihn immer, am Ende das Ergebnis zu sehen – „richtige Schmuckstücke“.

Daniela Borsutzky

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