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Gesundheit: Dominique de Marné klärt über Borderline auf

„Gefühlschaos“ mit Folgen

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Dominique de Marné führte jahrelang ein Doppelleben, bis sie mit ihrer Krankheit an die Öffentlichkeit ging.

Aus der Reihe „Psychische Störungen“: Impulsivität und Instabilität kennzeichnen die Borderline-Krankheit - Dominique de Marné hat mit der Krankheit zu leben gelernt

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell richten wir den Blick auf die Psyche. Seit 2003 leidet Dominique de Marné an Borderline, erst zehn Jahre später kannte sie ihre Diagnose. Um die Störung bekannter zu machen, schreibt sie – seit Jahren einen Blog, bald auch ein Buch.

Wer Dominique de Marné (Foto) kennenlernt, glaubt kaum, dass die 32-Jährige krank ist. Fröhlich und keck tritt sie auf, wie eine starke Frau mit starkem Willen. „Ich habe mir jahrelang ein Doppelleben aufgebaut“, erzählt die Münchnerin heute. Sie war Bezirksschülersprecherin, hat ihr Abitur gemacht, studiert. Gleichzeitig war sie immer angespannt und verunsichert.

Schlug sie in einem Moment ihrem Freund die Tür vor der Nase zu, suchte sie zwei Minuten später seine Nähe. Die Spannungen kompensierte sie 15 Jahre lang mit Alkohol und Ritzen. „Zu Hochzeiten habe ich am Tag eine Flasche Wodka getrunken und mich zwei Mal selbst verletzt“, so de Marné. Der Grund für das alles: Die Münchnerin leidet an der Borderline-Störung. Als „hochfunktionaler Typ“ konnte sie das aber jahrelang verbergen.

Dr. Betram Schneeweiß ist Chefarzt der Psychiatrie am Isar-Amper-Klinikum und kennt die Problematik von Borderline-Patienten genau.

„Borderline ist eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, die circa drei Prozent der Bevölkerung betrifft“, erklärt Dr. Betram Schneeweiß (kl. Foto), Chefarzt der Psychiatrie am Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen. Die Krankheit kennzeichnet ein reduziertes Selbstwertgefühl, bis hin zum Selbsthass, und einer gestörten Selbstregulierung der Emotionen. Die wiederum begünstigt Konflikte mit Partnern, Familie oder Arbeitgebern.

De Marné beschreibt die Störung gern so: „Sie ist wie ein wirbelnder, bunter Ball voller Gefühle, bei dem man gar nicht mehr durchblickt.“ Dass sich hinter den Emotionen oft konkrete Bedürfnisse verbergen, müssen Betroffene erst hart lernen. Beispielsweise mit der „Dialektisch-Behaviorale Therapie“ (DBT). „Dabei arbeiten Borderliner an einem wertfreien Wahrnehmen des Hier und Jetzt, der Stress­toleranz sowie dem Wahrnehmen und Identifizieren von Gefühlen“, so Bertram Schneeweis. Bis man erste Erfolge erzielt dauert es ihm zufolge „sicher ein halbes Jahr“. Der Kernprozess sei nach etwa zwei Jahren beendet. „Das Hirn muss sich erst umstellen. Ein Muskel ist nach nur einem Training auch nicht dicker“, so Schneeweiß. Deswegen fällt Borderline auch hauptsächlich bei Menschen zwischen 15 und 45 Jahren auf. „­Ältere haben schon oft gelernt, sich anzupassen.“ Ein Medikament gegen die Störung gibt es nicht.

Dominique de Marné machte 2014 vollstationär die Therapie. „Seitdem habe ich meine Impulse viel besser unter Kontrolle.“ Anstatt in der Gastronomie zu arbeiten, ist die 32-Jährige inzwischen selbstständig. Als „Mental Health Advocate“ – frei übersetzt: Aktivistin für mentale Gesundheit – kann sie nach ihrem eigenen Tempo leben und gleichzeitig ihre Erfahrung an andere weitergeben. Sie hält Vorträge in Schulen sowie bei der Polizei. Und sie schreibt.

2015 hat de Marné ihren eigenen Blog „Traveling the Borderline“ gestartet. Dort ist ebenso Raum für ihr Alltagsleben wie für ihre Erfahrungen mit Antidepressiva, mit Suizid und Psychiatrie. Über 1500 Menschen besuchen ihren Blog im Monat. „Im März will ich zudem ein Buch veröffentlichen, in dem es darum geht, wie es um die Psyche der Deutschen allgemein steht“, kündigt de Marné an. rea

Auszeichnung für die Sensibilisierung von 30 000 Schülern für psychische Krankheiten

„Bei psychisch Kranken weiß man nie, was sie als nächstes tun“ oder „Aus der Klapse kommt man verrückter raus als rein“: Gegen solche Vorurteile kämpft das Aktionsbündnis „Basta“ seit 2001 an. Entstanden ist es am Klinikum Rechts der Isar, inzwischen ist die Anti-Stigma-Kampagne in ganz Deutschland bekannt.

„Junge Leute sind noch besonders offen für unser Anliegen“, sagt Koordinatorin Elfriede Scheuring. Deswegen geht „Basta“ in die Schulen. Dort erzählen Psychologie-Experten und Betroffene – wie Dominique de Marné – von ihren Erfahrungen. Allein in München werden im Jahr rund 50 Schulbesuche gemacht. Pakete mit passenden Unterrichtsmaterialen werden sogar bundesweit verschickt.

Außerdem sensibilisieren Basta-Mitstreiter auch Polizisten für den Umgang mit psychisch Kranken. In München werden zudem jedes Jahr zwei Filmabende mit Diskussion zur Thematik organisiert. „Wir würden gern oberbayernweit Filmprojekte anbieten“, so Scheuring. Vielleicht hilft dabei der Inklusionspreis des Bezirks Oberbayern. Den hat das Aktionsbündnis mit Sitz in Bogenhausen, Möhlstraße 26, gerade erst erhalten.

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