Münchens neue Quartiere: Freiham

Eine kleine Stadt mit Dorfelementen

+
350 Hektar Land, 15 000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 25 000 Neu-Münchner. Freiham sprengt viele Dimensionen.

Freiham – Im neuen Stadtviertel entstehen nicht nur Wohnungen für 25 000 neue Einwohner, sondern es beherbergt das größte Schulbauprojekt der Stadt

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Es ist Europas größtes Neubaugebiet. In Freiham entstehen auf 350 Hektar 11 400 Wohnungen für 25 000 Menschen, 15 000 Arbeitsplätze, mindestens 20 Kindertagesstätten, ein großer Bildungscampus und ein Sportpark.

In Planung und Bauweise ist Herausforderung und Chance zugleich zu sehen. Denn die riesige Freifläche müsse von Grund auf neu erbaut werden.

Drei Dinge seien an dem Neubaugebiet besonders, sagt Merle Bald vom Planungsreferat. „Es ist wahnsinnig groß, hat eine lange Planungsgeschichte und bezahlbarer Wohnungsbau ist möglich.“ Denn die Flächen gehören der Stadt. Bereits 1963 hat München das Gebiet als Erweiterungsfläche vorgesehen und die Grundstücke mit einem dafür gegründeten Zweckverband aufgekauft. Aber wegen schlechten Erfahrungen mit schnell wachsenden Großsiedlungen wie Neuperlach stockte die Planung und nahm erst in den 90er-Jahren wieder Fahrt auf.

Ein neuer Stadtteil entsteht zwischen Feldern: 2019 ziehen hier bereits die ersten neuen Bewohner ein.

„Man hat eine riesige leere Fläche und muss komplett neu anfangen. Man muss sich eine kleine Stadt ausdenken“, sagt Bald. Das sei Herausforderung und Chance zugleich. Zwar sei die neue Siedlung nicht mit Aubing vergleichbar, aber die Planer hätten trotzdem in einer gewissen Form daran angeknüpft. „In Aubing wohnt man in einem Häuschen mit Garten. Diese Art des Wohnens findet sich in Freiham schon wieder“, sagt Bald. Grüne Höfe ersetzten dort die Gärten, Grünfinger und Landschaftsparks laden zu Spaziergängen ein. Gleichzeitig gebe es mit Bildungscampus und Stadtteilzentrum auch Elemente, die eher dem städtischen Leben entsprächen. „Wir versuchen, beides zu verbinden“, sagt Bald.

Zwischen Neuaubing und Freiham gibt es einen Grünstreifen. Er soll die beiden Stadtteile aber nicht voneinander abtrennen, sondern verbinden. Insgesamt habe man bei der Planung großen Wert auf den öffentlichen Raum gelegt, sagt Bald. Im ganzen Gebiet seien Grünanlagen und eine Vielzahl an Spielplätzen vorgesehen. Höhepunkt sei der 58 Hektar große Landschaftspark im Osten.

Andreas Schwarzbauer

U-Bahn-Verlängerung soll 2035 kommen, bis dahin fahren Expressbusse

Erschlossen wird das Neubaugebiet in Freiham über die Bodenseestraße und einen Zubringer zur neuen Autobahnausfahrt. Außerdem wird es eine Anbindung in Richtung Norden geben, die derzeit noch in Planung ist. Bei einem Workshop hatte sich eine große Mehrheit der Aubinger für eine Umgehungsstraße ausgesprochen.

Das Stadtviertel Freiham umfasst eine Fläche von 350 Hektar und bietet Platz für rund 25.000 Bewohner in 11.400 Wohnungen. Weitere Informationen unter: www.freiham-bau.de

Merle Bald vom Planungsreferat hofft, dass viele Bürger ihr Auto stehenlassen. „Wir haben mit Schulen und Kindergärten sowie einem großen Sportangebot kurze Wege in Freiham.“ Außerdem soll es ein gut ausgebautes Fuß- und Radwegenetz, Car-Sharing-Angebote und Mobilitätsstationen wie am Westkreuz geben. Und: „Wir wollen den Öffentlichen Nahverkehr so gestalten, dass es unattraktiv ist, ins Auto zu steigen“, sagt Bald.

Am wichtigsten ist die Verlängerung der U-Bahn nach Freiham. Allerdings wird sie frühestens 2035 fahren, während die ersten Bewohner bereits kommendes Jahr einziehen. 2025 ist dann der erste Realisierungsabschnitt mit seinen 4400 Wohnungen bezugsfertig. Deshalb wird es zunächst Expressbusse in Richtung Pasing geben.

Andreas Schwarzbauer

Der Bildungscampus: Offen für alle

Rund 3000 Kinder sollen auf dem Bildungscampus Platz finden: In Freiham entstehen auf mehr als sechs Hektar in acht Gebäuden eine Grund-, eine Förder-, eine Realschule und ein Gymnasium sowie Mensa, Bibliothek und Kreativräume.

Bei der Planung der Quartiers wurde großer Wert auf eine Balance zwischen Grünflächen und städtischen Elementen gelegt. Beide Elemente finden sich sowohl in den Wohnanlagen, als auch auf dem Bildungscampus und in weiteren öffentlichen Räumen wieder.

2017 starteten die Bauarbeiten, im Juli 2018 war der Rohbau fertig und zum Schuljahr 2019/20 soll der Campus eröffnen. Die Schulen sind nach dem Münchner Lernhauskonzept geplant. Das heißt die Klassenzimmer gruppieren sich um ein Zentrum, in dem die Schüler der verschiedenen Jahrgangsstufen für Gruppenarbeiten, Lernen oder Pausen zusammenkommen.

Der Bildungscampus soll offen sein und den Austausch zwischen Kindern der verschiedenen Schularten fördern. Bereits zum Schuljahr 2019/20 geht es los.

Das Neue in Freiham ist, dass zusätzlich die Kinder der verschiedenen Schularten aufeinander treffen. Grund- und Förderschule sowie Realschule und Gymnasium haben jeweils einen gemeinsamen Gebäudekomplex. Außerdem teilen sich alle Freiflächen, Mensa sowie Kunst- und Handwerksräume. „Wir wollen das streng-geordnete System in der deutschen Schullandschaft überwinden“, sagt Architekt Felix Schürmann. Er hofft, dass gemeinsame Projekte oder Unterrichtsstunden entstehen. 

Ein weiteres Ziel der Architekten war es, Schule und Stadtquartier miteinander zu verzahnen. „In der Mitte des Bildungscampus befindet sich ein großer Park. Er steht der Bevölkerung zur Verfügung und ist gleichzeitig eine Außenfläche der Schulen.“ Dadurch sollen sich Bewohner und Schüler besser wahrnehmen. Vier Häuser (Gymnasium und Realschule) reihen sich entlang der Bodenseestraße auf. Gegenüber liegen Grund- und Förderschule sowie Gemeinschaftsräume.

Andreas Schwarzbauer

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bis 2019 soll der Südpark stehen
Bis 2019 soll der Südpark stehen
Münchens Altenhilfe für die Seele
Münchens Altenhilfe für die Seele

Kommentare