Münchens neue Quartiere: Der Diamaltpark in Allach

Eine Begegnung zwischen Alt und Neu

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Herzstücke des Areals und Bindeglieder zur Geschichte des Diamalt-Geländes: die frühere Suppenwürze (rechts) und das Werkstättengebäude (links). Dazwischen wird ein Quartiersplatz angelegt.

Allach – Der Diamaltpark soll 750 Wohnungen, drei Kindertageseinrichtungen, einen Quartiersplatz mit Nachbarschaftstreff und eine große zentrale Grünanlage bieten

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Thomas Wagner (49) ist Vertriebsleiter der Isaria Wohnbau AG, der – mit Ausnahme des Kesselhauses – das gesamte Areal gehört.

Wo die Diamalt AG in Allach einst Bonbons, Backtriebmittel und chemische Erzeugnisse für die Textilindustrie hergestellt hat, entstehen ab Ende dieses Jahres bis zu 750 Wohnungen für rund 2000 Menschen. Im Zentrum des neuen Quartiers mit knapp zehn Hektar Fläche werden eine 10 000 Quadratmeter große Grünanlage und ein Quartiers­platz geschaffen. Geplant sind außerdem ein Nachbarschaftstreff und drei Kindertageseinrichtungen. Mit Ausnahme des Kesselhauses gehört das Areal der Isaria Wohnbau AG. Vertriebsleiter Thomas Wagner (49) kündigt an: „Eine unschöne Kiesfläche wird zu einem wunderschönen Wohnviertel mit Park.“

So sehen die Planungen den Aufbau des neuen Quartiers vor.

In zwei Abschnitten soll noch dieses Jahr mit dem Bau begonnen werden. Die Vorbereitungen sind getroffen. „Innerhalb eines Jahres wurden über 100 000 Kubikmeter Aushub abtransportiert“, erklärt Wagner. Parallel werden zuerst 160 geförderte Wohnungen an der Ludwigsfelder Straße und 189 Eigentumswohnungen entlang der Bahnlinie errichtet. Letztere werden auf sechs Baukörper mit je fünf Geschossen verteilt. In drei Innenhöfen werden Ruhe- und Spielflächen angelegt. Der fünfgeschossige Mietwohnungsbau bekommt einen großen Innenhof mit Spielgeräten und Gemeinschafts-Dachgärten.

Bei einer Bauzeit von etwa zwei Jahren rechnet Wagner damit, dass die Wohnungen Ende 2020 fertig sein werden – etwa gleichzeitig mit den 142 Eigentumswohnungen im dritten Bauabschnitt an der Georg-Reismüller-Straße. Mit dem Bau der dort geplanten sieben Stadtvillen wird zwar erst Anfang 2019 begonnen, die drei- bis viergeschossigen Häuser werden jedoch in Holzbauweise errichtet. „Das geht schneller und wir bauen mit nachwachsenden Rohstoffen“, so Wagner.

Der Diamaltpark im Stadtviertel Allach umfasst eine Fläche von knapp zehn Hektar und bietet Platz für 2000 Bewohner in 750 Wohnungen. Weitere Informationen unter: www.diamaltpark.de

Weitere 250 Wohnungen folgen im vierten Bauabschnitt ab Herbst 2019 sowohl an der Ludwigsfelder/Ecke Georg-Reismüller-Straße als auch im Süden des Geländes zwischen Bahn und Georg-Reismüller-Straße. Deren Fertigstellung: voraussichtlich Ende 2021. Der Quadratmeterpreis für die Eigentumswohnungen beträgt 7500 bis 8000 Euro.

Der Clou am Diamaltpark, wie die Isaria das Quartier nennt: die denkmalgeschützte ehemalige Suppenwürze und das Werkstättengebäude. Aufwändig restauriert bieten sie am späteren Quartiersplatz Raum für Büros, einen Nachbarschafts­treff und einen Gastrobetrieb. „Der Platz soll richtig belebt werden“, sagt Thomas Wagner.

Als erstes Gebäude der späteren Diamalt AG entstand 1902/03 die Suppenwürzefabrik.

Viertel-Chefin Heike Kainz (CSU) findet das Gesamtkonzept „stimmig“. „Park, Platz und Nachbarschaftstreff werden von den neuen und den alteingesessenen Bewohnern hoffentlich gut angenommen. Ich stelle mir vor, dass es dort eine gute Durchmischung geben wird.“

Ursula Löschau

Die Diamalt AG: Fabrik für Suppenwürze, Malzbonbons und Backhilfsmittel

Diese Abbildung aus den 20er-Jahren zeigt die ersten Gebäude der Diamalt AG.

1902/03 entstand in Allach als erstes Gebäude der späteren Diamalt AG die Suppenwürzefabrik. 1914/15 folgte das Werkstättengebäude und 1915 bis 1917 das Maschinen- und Kesselhaus. Hergestellt wurden unter anderem Malz­extrakt, Backhilfsmittel, Suppenwürze, Bonbons und Pralinen sowie Produkte zur Textil- und Lederveredelung. 1994 meldete das Unternehmen Konkurs an. Danach breiteten sich unter anderem Schrotthändler auf dem Areal aus.

Sein Kesselhaus – die Keimzelle

Matthias Mertmann steht vor dem Kessel, der dem Haus seinen Namen gab.

Seine Kinder waren erst gar nicht begeistert. „Sie haben gefragt: ‚Müssen wir jetzt wirklich auf den Schrottplatz ziehen?‘“, erinnert sich Matthias Mertmann (53), der 2009 das denkmalgeschützte Maschinen- und Kesselhaus der einstigen Diamalt AG gekauft hat. Damals habe es auf dem früheren Fabrikgelände in Allach „extrem wild ausgesehen“. „Hier standen etwa 800 Schrott-LKW rum. Und es war noch nicht klar, wie es rundherum weitergeht“, erzählt Mertmann. Doch er und seine Frau hatten gefunden, was sie suchten: „ein Industrie­denkmal, in dem wir wohnen und arbeiten können.“

2014, nach vier Jahren aufwändiger Renovierung, bezog die Familie das frühere Kraftwerksgebäude mit rund 3500 Quadratmetern Geschossfläche auf vier Etagen. Neben der Wohnung bietet es Platz für Mertmanns Firma, die spezielle Klammern (Brackets) für die Kieferorthopädie herstellt, sowie für vier weitere Mieter.

Dieses Foto zeigt einige Erinnerungsstücke aus der früheren Produktionsstätte.

Bereut hat der 53-Jährige seine Entscheidung nie. „Es war ein Glücksgriff“, sagt er und freut sich darauf, Teil eines neu entstehenden Wohnviertels zu sein. „Wir fühlen uns sogar ein bisschen wie die Keimzelle des Ganzen, eine Art Referenz. Weil man an diesem Gebäude sehen konnte, was man daraus machen kann“, sagt er stolz.

Das Kesselhaus, Matthias Mertmanns Anwesen, wird künftig von der zentralen Grünfläche des Quartiers umgeben sein.

In einigen Jahren wird sein Anwesen von der zentralen Grünfläche des Diamaltparks umgeben sein. „Man muss schauen, wie das funktioniert. Aber wir stellen uns das romantisch vor“, so der 53-Jährige. Vor allem ist er froh, „wenn wir Nachbarn bekommen und nicht mehr mitten in der Mondlandschaft leben“. Auch wenn es „gewisse Einschränkungen bringe“, sagt er und gesteht: „Ich mag den Blick auf die ICE-Trasse. Das ist wie bei der Märklin-Eisenbahn, nur in Echt.“ Doch dieser Blick wird bald verbaut sein.

Seine Kinder haben ihre Skepsis übrigens längst abgelegt: „Meine Tochter hat ihren 18. Geburtstag hier gefeiert. Platz ist da.“ Und laut darf man auch sein – jedenfalls solange dort noch eine Großbaustelle ist.

Ursula Löschau

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