München auf der großen Leinwand

Diese Stadt ist filmreif

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Die Dreharbeiten zu "Die Drei Musketiere" im Hofgarten

Licht an, Kamera läuft und Action: Wo Produktionen in München am liebsten drehen und wie skurril ein Dreh mit Orlando Bloom ablaufen kann

Wer in München einen Film produzieren möchte, landet meist erst einmal in der Sonnenstraße im Büro von Anja Metzger. Sie ist Chefin der „Film Commission Bayern“, die für die Produktionsbranche und die Behörden eine Schnittstelle bildet. Wo am liebsten gedreht wird und warum Orlando Bloom Schwierigkeiten bereitet hat, erzählt die Schwabingerin im Interview.

Anja Metzger von der "Film Commission Bayern"

Frau Metzger, 790 Drehgenehmigungen (s. unten) gab es 2018 in München. Wie schwierig ist es denn, an eine ranzukommen? 

Alles, was sich innerhalb des Altstadtrings befindet, ist kompliziert. Das merkt jeder, der morgens durch die Stadt läuft. Es ist einfach wahnsinnig viel los. Fußgänger, Radfahrer, Autos – all das muss man für Dreharbeiten aus dem Bild halten. Die Logistik mitten in der Innenstadt ist schwer. 

Die Regisseure drehen dort aber offensichtlich trotzdem gerne...

Ja, die Dreh-Hotspots decken sich mit den touristischen Hotspots. Die sind sehr gerne im Bild gesehen. Zum Beispiel der Viktualienmarkt oder der Englische Garten. Das sind schon Klassiker.

Film in München: Studio ist teurer

Wo wir bei Klassikern sind: Man sieht im Film oft Aufnahmen vom Marienplatz. Wie klappt das, bei all den Menschenmassen? 

Schwierig, aber möglich ist alles. Wichtig ist, dass man den Dreh gut und in Absprache mit dem Servicebüro Film plant.

Gehen Regisseure bei solchem Aufwand dann lieber ins Studio? 

Das ist am Ende des Tages immer eine Kostenfrage. Jeder, der es sich leisten kann, macht sich das Leben im Studio leichter. Dinge, die man nicht vorhersehen kann – Leute laufen ins Bild, Lautstärke – passieren da nicht.

Orlando Bloom im Münchner Hofgarten

Sie sind seit 23 Jahren für die „Film Commission“ tätig. Was war denn während dieser Zeit der aufwendigste Dreh in München? 

Die größte Geschichte war 2010 „Die Drei Musketiere“. Das betraf den Hofgarten. Da war die Besonderheit nicht nur die Location, sondern auch die internationalen Darsteller wie Orlando Bloom. Wir mussten mit Sichtschutz arbeiten, damit die Darsteller nicht von Passanten gesehen werden konnten. Und dann der ganze Verkehr, alles musste umgeleitet werden.

Die Dreharbeiten zu "Die Drei Musketiere" im Hofgarten

 

Sind da Anwohnerbeschwerden auch häufig ein Problem?

Ja, die Stadt ist eng. Der Bedarf an öffentlichem Raum wird aufgrund der Zunahme der Menschen in dieser wunderschönen Stadt größer. Film nimmt den Raum temporär weg. Es gibt Straßen, in denen besonders gerne gedreht wird. Schwabing und das Glockenbach sind unsere überfrequentierten Viertel. Die Bezirksausschüsse sind natürlich genervt, wenn in einer Straße eine Woche lang nur Lkw stehen.

München ist ein beliebter Standort für Filmproduktionen

Trotzdem gilt München als Filmstadt. 

Der Standort hat in den letzten Jahren sogar an Popularität gewonnen. München ist als Drehort attraktiver geworden, weil die Stadt ein eigenes Service- Büro gegründet hat. Das ist einzigartig in Deutschland. Es hat sich rumgesprochen, dass es hier einfacher ist.

Hat München damit vielleicht sogar eine Chance gegen Berlin? 

Produktionen drehen wahnsinnig gerne in Berlin, weil die Stadt von Haus aus viel mehr Fläche hat. Da gibt es dann auch mal vier Fahrspuren und man kann eine für den Dreh wegnehmen. Wo sollten wir das denn hier in München hinkriegen (lacht)?

So skurril geht es am Set zu

Von Filmproduktionen sehen wir Münchner meist nur abgesperrte Parkplätze, Catering-Lkw und Mitarbeiter, die kistenweise Equipment in Altbauhäuser schleppen. Doch was hinter der Fassade passiert, ist gleichermaßen spannend wie bizarr. Anja Metzger von der „Film Commission Bayern“  erzählt drei Anekdoten aus 23 Jahren Tätigkeit für die Münchner Filmbranche.

Wenn die Kirchen am Viktualienmarkt beim Drehen stören

„Franx Xaver Bogner hat ‚München 7‘ am Viktualienmarkt gedreht. Da gibt es fünf Kirchen außenrum – und alle läuten. Beim Dreh musste das Team wirklich immer abwarten bis die letzte Kirchturmglocke geläutet hat – und dann musste sofort gefilmt werden.“

Aufwendiger Dreh in München: Snowden

Als das halbe Lehel gesperrt war

„Für den Film ‚Snowden‘ von Oliver Stone wurde das halbe Lehel abgesperrt, weil er 2003 in Genf spielt. Das war logistisch wirklich eine Herausforderung. Bei großen internationalen Produktionen mit großem Aufwand, viel Fuhrpark, großem Team, versuchen wir, ein Vorgespräch mit allen Protagonisten der Stadt zu führen.“

Gärtner, die drei Monate lang Hecken schnippeln

„Obwohl die Hecken im Hofgarten gerade geschnitten wurden, musste für ‚Die Drei Musketiere‘ 2010 nochmal nachgeschnitten werden. Es ist ein historischer Spielfilm. Die Kulisse musste deshalb in diese französische Zeit passen. Die Gärtner haben drei Monate Vorarbeit geleistet, um den Hofgarten so herzurichten und zu schneiden. Sie waren ein ganz wichtiger Bestandteil, um überhaupt drehen zu können.“

Drei Fragen an Johannes Mayer, Sprecher des KVR:

Wie viele Drehgenehmigungen wurden 2018 erteilt?

Durch das Servicebüro Film wurden etwa 790 Drehgenehmigungen erteilt. Dazu kommen noch 612 Haltverbote für Drehs auf Privatflächen oder zum Beispiel in Wohnungen.

Aus welchem Grund kann eine Anfrage abgelehnt werden?

 Bei der Prüfung von Drehanfragen steht immer die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer im Vordergrund. Es ist nicht unüblich, dass Haltverbote zum Abstellen des Fuhrparks reduziert oder verlegt werden müssen.

Gibt es denn absolute No-Gos, die auf jeden Fall abgelehnt werden? 

Die Sperrung von Hauptverkehrsstraßen ist in der Regel nicht möglich. Ebenso sind Filmaufnahmen in der Fußgängerzone aufgrund des sehr hohen Fußgängeraufkommens während der Geschäftszeiten nicht denkbar.

Sophia Oberhuber

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