München auf der großen Leinwand

Colonia Dignidad: Als die Stadt Heimat einer Sekte war

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Bei den Dreharbeiten zu Colonia Dignidad

Licht an, Kamera läuft und Action: Die Geschichte um die Sekte Colonia Dignidad wurde mit Emma Watson unter anderem in München verfilmt. Ein Gespräch mit Szenenbildner Bernd Lepel.

Elektroschocks, Schläge, Missbrauch: Die christliche Sekte „Colonia Dignidad“ – zu deutsch: Kolonie Würde – wurde in den 60ern vom Deutschen Paul Schäfer in Chile gegründet. Regisseur Florian Gallenberger brachte die Horrorgeschichte mit internationalen Stars wie Emma Watson und Daniel Brühl auf die Leinwand.

Für das Szenenbild war einer der erfolgreichsten deutschen Production Designer zuständig, Bernd Lepel. Für seine Arbeit in „Colonia Dignidad“ wurde er für den Deutschen Filmpreis nominiert. Im Interview erzählt der Münchner, warum die Suche nach einer der wichtigsten Locations beinahe aussichtslos war und wie er den Dreharbeiten immer einen Schritt voraus sein musste.

Szenenbildner Bernd Lepel (li.) und Regisseur Florian Gallenberger

Herr Lepel, die orginale Colonia befindet sich in Südamerika. Teile des Films haben Sie aber hier in München gedreht. 

Wir haben versucht, so weit wie irgend möglich authentisch zu sein. Für mich war es von immensem Wert, zusammen mit Florian Gallenberger die Colonia in Chile vorher besuchen zu können. Zurück in München schien die Suche nach einem geeigneten Motiv, zum Beispiel für das Interieur des „Zippelsaals“, dem Gemeinschaftssaal und Mittelpunkt der Colonia, fast aussichtslos.

Colonia Dignidad: Unter anderem im Amerika-Haus in München gedreht

Fündig wurden Sie trotzdem. 

Ja, wir haben im Amerika-Haus in München, einem Klinikum in Gauting und einem Dorf zwischen München und Augsburg gedreht. Ein Saal passte in Form und Größe, wurde aber noch mit viel Aufwand verändert: Bodenfliesen wurden dem Original entsprechend angefertigt, eine neue Decke mit dem speziellen Zippelsaal-Rautenmuster eingezogen.

Die Gestaltung des "Zippelsaals" sei besonders aufwendig gewesen.

Wie groß ist das Team für das Szenenbild bei einer so riesigen Produktion? 

So etwa 50 bis 55 Leute in den Art-Department-Teams in München, Luxemburg und Buenos Aires haben mitgearbeitet.

Und Sie sind während des Drehs dort überall vor Ort? 

Bei jedem Set bin ich zu Drehbeginn und wenn es erforderlich ist, zum Beispiel, wenn ein Set umgebaut und verändert wird, vor Ort. Aber dann muss ich bereits zur Planung und Vorbereitung der nächsten Motive dementsprechend vorher schon im nächsten Land sein.

War das auch die Herausforderung am Film? 

Schwierig war die Tatsache, dass sich die Geschichte homogen anfühlen und das Publikum die vielen Set-Puzzleteile in verschiedenen Ländern nicht spüren durfte.

Szenenbildner Lepel hat vor dem Dreh ehemalige Mitglieder der Colonia Dignidad befragt

Bei den Innendrehs in München sollte die beklemmende Atmosphäre der Sekte geschaffen werden. Mit welchen Tricks haben Sie das hinbekommen? 

Die „Aura“ der Colonia, bei der einem an vielen Stellen der Atem stockt, habe ich mit meinen Mitteln versucht darzustellen. Das hat viel mit Farben und Materialien zu tun und mit Stilisierung, also Verzicht auf Unwesentliches. Der spartanische Schlafsaal der Frauen wäre ein Beispiel.

Was hat Ihnen geholfen, diese „Aura“ am Set nachvollziehen zu können? 

Ich hatte die Möglichkeit, ehemalige Sektenmitglieder zu befragen. Ein Mann der Generation, die in der Colonia geboren und aufgewachsen war, hat sogar bei mir im Art-Department-Team gearbeitet.

Sophia Oberhuber

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