Münchens neue Quartiere: Diese Architekten formen Münchens neues Gesicht

„Bezahlbarer Wohnungsbau ist so nicht mehr möglich“

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München wächst. Neubauten, Nachverdichtungen und auch Sanierungen bestehender Gebäude stehen auf der Tagesordnung der Stadt – so etwa auch die Umgestaltung der neuen Schrannenhalle.

München – Sie sind Künstler, Innovateure und Vordenker: Diese Architekten formen das neue Gesicht der Landeshauptstadt mit – und sprechen in Hallo über die Hürden und Chancen moderner Bauprojekte

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Egal ob Werksviertel oder Freiham – München wächst. Wo genau und wie stark haben wir in den vergangenen Wochen in unserer Serie „Münchens ganz neue Quartiere“ gezeigt. Welche Wünsche und Zwänge dabei die Richtung für die beteiligten Architekten vorgeben, verraten uns diese Woche zwei Meister ihres Fachs.

Der Hamburger Architekt Hadi Teherani kreiert in Haidhausen neuen Wohnraum mit Hotelensemble, Gastronomie und KITA im „Quartier A“ – dem neuen Werksviertel.

Zweckgemäß und trotzdem innovativ: Hadi Teherani fiel durch seinen Elbtower in Hamburg auf.

Herr Teherani, wie stehen Sie zur Münchner Architektur?
München könnte architektonisch viel prägnanter auftreten und damit einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen. Es fehlen markante Hochhäuser, innovativer Wohnungsbau, moderne architektonische Zeitzeugen, die den Anspruch der historischen Architektur in die Zukunft hinein fortsetzen.

Uniform, langweilig, grau – so kritisierten Stadtratsmitglieder den hiesigen Wohnungsbau.
Der Fehler – nicht nur in München – ist, dass die Bebauungs- und Master-Pläne so exakt formuliert sind, dass der Architekt kaum noch Raum zum Entwerfen hat. Aus der Not geboren entstehen aber keine langfristigen Lösungen, sondern teure Provisorien, die bald vom Publikum abgelehnt werden und leer stehen.

Das Design des Hamburger „Elbtowers“ stammt aus der Feder von Hadi Teherani.

Das Publikum, zumindest die Normalbürger, können das in München aber nicht mehr bezahlen...
Eine grundsätzlich richtige Kritik. Das Bauen ist zu teuer geworden. Zum einen durch die Bestimmungen der Energieeinsparverordnung EnEV, zum anderen durch die Grundstückspreise. Bezahlbarer Wohnungsbau ist so nicht mehr möglich.

Woran orientieren Sie sich bei neuen Projekten?
Wir brechen keine Regeln. Wir bauen marktkonforme Wohnungen und versuchen dabei gute Architektur zu machen, die ihre Aufgabe so lange erfüllt, dass sich über die Zeitdauer der Nutzung die Entstehungs- und Unterhaltungskosten deutlich relativieren. Die Grundstückspreise können wir dagegen leider auch nicht beeinflussen. Umso höher muss der architektonische Anspruch sein.

Glauben Sie man steht in 100 Jahren vor Ihren Gebäuden und betrachtet Sie als architektonische Sehenswürdigkeiten?
Ja, das glaube ich. Nicht alle, aber die meisten. Das ist unser Anspruch!

Ihr Traumhaus?
Steht im Garten und ist ein Vogelhaus.

Welche Münchner Beispiele sind besonders zukunftsfähig?
Diese Frage führt nach dem Verlauf des Gesprächs fast ein wenig in die Irre. An der Zukunft kann man nicht mit schon bestehenden Lösungen arbeiten, seien sie zu ihrer Zeit noch so intelligent gewesen.

M.J. Hlawica

Das sagt die Stadt

Thorsten Vogel, Pressesprecher der Landeshaupstadt: „Münchens Stadtbild ist geprägt von verschiedenen Baustilen. Dabei wurden Achitekturdebatten schon immer kontrovers geführt. Grundsätzlich stehen dabei Bauträger und Architekten gemeinsam mit Stadtplanung und Politik in der Verantwortung für die Gestalt unserer Stadt. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Wachstums und dem damit einhergehenden Baudruck stellt sich die Frage, wie die Stadt mit den gebauten Erbe und den Herausforderungen der Zukunft umgeht: In wieweit kann und muss sich die Stadt verändern, ohne dabei ihre Identität und den eigenen Architekturstil zu verlieren?“

Bau-Ausstellung

Passend zum Thema gibt es ab dem 10. Januar in der Rathausgalerie die Ausstellung „Hingeschaut: Baukultur in München“ vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Gezeigt wird die Weiterentwicklung der Baukultur innerhalb der vergangenen Jahrzehnte. Ebenfalls nicht fehlen wird ein Blick in die Zukunft.
Weitere Informationen unter: www.muenchen.de/baukultur

Hürden und Chancen moderner Bauprojekte

Thomas Sutor war hauptverantwortlich für die Umgestaltung der neuen Schrannenhalle.

Beispielsweise die neue Schrannenhalle umgesetzt hat Thomas Sutor, Geschäftsführer der Oliv Architekten. In Hallo verrät er, wie man Tristesse vermeidet.

Herr Sutor, wie sehen Sie zur Münchner Architektur?
Es fehlt frische Architektur. Architektur, welche einer konzeptionellen Gesamtidee unterliegt. Innovation in Technik, sozialer Durchmischung und der Kombination von Nutzungen.

Das ehemalige Kaufhaus Beck erhielt ebenfalls unter der Leitung von Thomas Sutor ein neues Gesicht.

Warum sieht vieles gleich aus?
Wir wie auch viele Kollegen stehen unter enormem Zeit- und Kostendruck. Oft interessiert in der Hauptsache die Geschossflächenzahl. Wir setzen aktuell Beispiele mit spannenden und ungewöhnlichen Fassaden und Raumkonzepten im Bereich Neubau und Revitalisierung von Bürogebäuden um. Die enge Zusammenarbeit mit Bauherren und der Stadt hat beim New East­side Munich oder ehemaligen Kaufhaus Beck zu allem Anderem als Langeweile und Tristesse geführt. Diese Projekte hätten wir übrigens sehr gerne mit Wohnungsbau kombiniert.

Woran orientieren Sie sich?
Unsere Entwürfe sind zeitgemäß, urban und vom Menschen beeinflusst. Die Gewichtung von Gestalt, Standort und Nutzung ergibt die Individualität jedes Projekts. Da das Thema Revitalisierung von Büro- und Wohngebäuden bei uns großgeschrieben wird, versuchen wir immer zuerst den Bestand neu zu denken und wieder zum Menschen zu führen.

Wer kann das in München bezahlen?
Im Ankauf der Grundstücke muss es schon bezahlbar sein. Wir planen aktuell Nachverdichtungen und Aufstockungen. Ein Mehr an Wohnraum wird hoffentlich die Mieten in München wieder bezahlbar machen.

Ihr Beispiel für gelungenes Wohnen?
Der soziale Wohnungsbau „Dortheavej housing“ in Kopenhagen von BIG machte dieses Jahr Furore. Die Dänen sind in Architektur und Stadtplanung oft ein großes Vorbild für uns.

M.J. Hlawica

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