Handwerk: Die jungen Macher

Sie besticht in der Männerdomäne

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Der Metzgerberuf erfordert viel Kraft, Kondition und gute Nerven.

München – Das Handwerk in und um München boomt: Lea Burkhart (20) ist begeisterte Metzgermeisterin – und für ihr Können mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet worden

Über 23 000 Menschen haben dieser Tage eine Ausbildung bei einem bayerischen Handwerksbetrieb begonnen. Anlässlich des internationalen Tag des Handwerks am 15. September sprechen wir mit jungen und alten Meistern über Nachwuchsmangel, Frauen in Männerdomänen & neue Branchen.

„Das glaub ich jetzt nicht“ – diesen Satz hört Lea Burkhart (20) oft, wenn sie gefragt wird, was sie beruflich macht. „Dass ich Metzgermeisterin bin, nimmt mir kaum jemand ab.“ Weiblich, zierlich, hübsch: Für viele passt das nicht mit dem Metzgerberuf zusammen. Für Burkhart aber ein Traumberuf: „Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden.“

Ihr klassisches Handwerkszeug sind große, scharfe Messer und auch mal ein Beil. Dazu trägt die 20-Jährige einiges an Arbeitskleidung: Hose, Bluse, Kittel, Haube und nach Bedarf eine zwei Kilo schwere Metallschürze plus Stahlhandschuhe zum Schutz vor Verletzungen. In den Räumen zur Fleischveredelung ist es sehr hell, kalt und nass, ein Arbeitstag dort ist nicht ohne. Er erfordert Kraft, Kondition und gute Nerven: „Konzentration ist wichtig, jeder Handgriff muss sitzen.“ Ihre männlichen Kollegen schonen sie da nicht, was sie als sehr positiv empfindet: „Ich gehöre dazu, bin Mitglied im Team der Metzgerei Magnus Bauch.“

Sie dreht 1200 Weißwürste in zweieinhalb Stunden ab

Ihr Entschluss Metzgermeisterin zu werden, stand schon früh fest – da war sie 16 Jahre: „Ich habe die Mittlere Reife abgeschlossen, hätte mein Abitur machen können. Ich hatte aber schon einige Zeit in einem Hofladen gejobbt, gesehen wie der Bauer dort seine Tiere aufzog, schlachtete, verarbeitete und die Produkte zum Verkauf anbot. Ich wusste schnell: Das will ich auch einmal werden.“ Leas Eltern, Arzt und Managerin von Beruf, waren von der Berufswahl ihrer Tochter überrascht. Doch mittlerweile hat sie die 20-Jährige längst überzeugt: Bei der diesjährigen Prüfung bekam sie als zweitbeste Metzgermeisterschülerin den Bayerischen Staatspreis.

Weiblich, zierlich, hübsch: Für viele passt Lea Burkharts Erscheinung nicht mit dem Metzgerberuf zusammen.

Die junge Münchnerin beschreibt den Alltag so: „Ich stehe jeden Tag um 4 Uhr auf, beginne um 5 Uhr mit der Arbeit. Dann heißt es: Schweine zerlegen, kuttern, kochen, Fleisch veredeln, Würstel abdrehen...“ 1200 Weißwürste in knapp zweieinhalb Stunden hat sie heute abgedreht – „das ist normal.“ Oft macht sie nach der Arbeit zuhause erst einen Mittagsschlaf. „Wenn ich abends mal ins Kino will.“ Natürlich isst Burkhart, die in ihrer Freizeit Dressur reitet, gerne Fleisch: „Am liebsten ein gutes T-Bone-Steak, ein gutes Schnitzel oder eben Weißwürste.“ Auf Qualität achtet sie verstärkt, seitdem sie im Handwerk arbeitet: „Man schmeckt sofort, welche Fleisch-Qualität auf dem Teller liegt.“

An ihrem Beruf gefalle ihr alles. „Nur an der Optik der Dienstkleidung könnte man noch was tun“, meint sie lachend, während sie auf ihre weißen, klobigen Arbeitsschuhe blickt.

Übrigens: Burkharts Freund ist auch Metzger. Den hat sie zufällig auf der Wiesn kennengelernt. Nicht auf dem Schlachthof.

Marie-Julie Hlawica

Die Ausbildung

Nach drei Jahren Gesellenzeit folgen drei Monate Intensivschulung an der Fleischerschule. Da es in München keine mehr gibt, bleiben Augsburg und Landshut als nahe Meisterschulen zur Auswahl. Billig ist die Ausbildung nicht: Rund 7000 Euro kommen mit Wohnheimkosten, Verpflegung und 750 Euro Gebühren zur Prüfungsanmeldung an der Handwerkskammer zusammen. In München gibt es 34 Metzgereien als Einzelunternehmen – davon ist nur ein Inhaber weiblich.

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