Gesundheit: Profi-Hockey-Spieler und Sportorthopäde Dr. Frank Styra

Bänderriss und Fußfehlstellung: Spätfolgen nicht unterschätzen!

Wer viel Sport treibt, der riskiert umzuknicken. Nicht selten sind Bänderdehnungen oder -risse die Folge. Das Problem: Viele Hobbysportler nehmen diese Verletzung nicht ernst genug.
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Wer viel Sport treibt, der riskiert umzuknicken. Nicht selten sind Bänderdehnungen oder -risse die Folge. Das Problem: Viele Hobbysportler nehmen diese Verletzung nicht ernst genug.

Aus der Reihe "Typische Sportverletzungen": Eine unsanfte Landung, unebenes Terrain - es braucht nicht viel und zack: schon ist man umgeknickt

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Im Fokus stehen derzeit typische Sportverletzungen – etwa am Fuß. Warum Hobbysportler Bänderriss und Co. ernster nehmen und alle Sportvereine verpflichtende Gesundheits-Checks machen sollten, erklärt der Orthopäde und ehemalige Profi-Hockey-Spieler Dr. Frank Styra.

Eine übersehene Baumwurzel auf der Joggingroute, ein Loch auf dem Bolzplatz, eine unsaubere Landung beim Sprung am Volleyballnetz: Wer regelmäßig sportelt, knickt irgendwann um. Die Folge ist nicht selten eine Bänderdehnung, manchmal sind ein oder mehrere Außenbänder am Sprungelenk auch gerissen.

Sportorthopäde Dr. Frank Styra (51) ist ehemaliger Profi-Hockey-Spieler. Er hat mit Hallo über die Risiken einer Bänderverletzung gesprochen.

„Umknicken passiert, davor kann man sich auch nur schwer schützen“, sagt Sportorthopäde Frank Styra (51). Wichtiger sei, dass man sich trotz Umknicken nicht so leicht verletzt – etwa indem man den Fuß regelmäßig mit Stabilitätsübungen trainiert hat. „Und wenn doch, dass man die Verletzung gut ausheilen lässt.“

Gerade dabei gebe es einen immensen Unterschied zwischen Profi- und Hobbysportlern. Styra spielte früher in der zweiten Bundesliga Hockey, ist heute orthopädischer Leiter des Olympia­stützpunkts Bayern. „Da wird eine Verletzung konsequent ausgeheilt. Im Freizeitsport nehmen viele eine Bänderverletzung nicht so ernst“, hat er beobachtet. Viele verzichten dann eine Weile auf Sport – mehr aber auch nicht.

„Wenn es Einblutungen gibt oder der Fuß mehr als einen Tag lang dick ist, sollte ein Arzt eingeschaltet werden“, rät der Orthopäde. In der Regel dauere die Heilung dann mindestens sechs Wochen. „Auch wenn man in der Zeit keinen Sport macht: Wenn man im Job stundenlang ohne Schiene oder Tape auf den Beinen ist, ist das kontraproduktiv.“

Die Folge: Das betroffene Band vernarbt nicht an der Rissstelle, sondern wird länger und lockerer – als Stabilitätsanker für das Sprunggelenk keine gute Eigenschaft. „Das kann zu größeren Instabilitäten, weiteren Verletzungen oder Arthrosen führen“, so Styra. Im schlimmsten Fall müsse dann operiert werden.

Normalerweise ist eine OP in weniger als zehn Prozent der einfachen Außenbandverletzungen nötig, weiß der Experte. Falls doch, wird das Band in den meisten Fällen wieder zusammengenäht. Es gibt aber auch komplexere Methoden: So kann mit künstlichen Fäden oder Sehnengewebe das betroffene Band verstärkt werden – wie bei einem Flicken auf der Jeans. Inzwischen werde auch immer öfter die Wachstumsfunktion an der betroffenen Stelle durch körpereigenes Plasma stimuliert – eine Methode, die der Profisport schon lange kennt, so Styra. „Dadurch heilt eine Bänderverletzung nicht schneller, aber besser.“

Nicht wenige schlimme Verletzungen entstehen aber auch, weil Sportler ihren Körper nicht gut kennen. „Wir bringen unser Auto regelmäßig zum TÜV, aber selbst gehen wir nicht zum Fitnesscheck“, ärgert sich der Sportorthopäde.

Wie symmetrisch sind die Körperachsen? Stimmt die Statik? Bestehen Fußfehlstellungen? Solche Fragen sollte eine sportmedizinische Untersuchung klären, um Verschleißerscheinungen durch falsche Belastung vorzubeugen – am besten im Teenageralter. „Dann kann durch gezieltes Training noch viel ausgeglichen werden. Mit Anfang 20 ist es dafür schon fast zu spät“, erklärt Styra. Sein Wunsch: Dass die Schulen oder zumindest die Sportvereine Heranwachsende von sich aus umfassend checken lassen.

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Kleine Übung für die Fußstabilität

So einfach trainieren Sie Ihre Fußmuskulatur: Legen Sie ein Weichschaumkissen – zur Not auch ein zerknüll­tes Handtuch – auf den Fußboden und balancieren Sie darauf wenige Minuten auf einem Bein. Dann das Bein wechseln. „Ich mache das immer während des Zähneputzens, ein ideales Zwei-Minuten-Training am Morgen und Abend“, sagt Dr. Frank Styra. Wer die Grundübung gut beherrscht, kann dazu auf einem Bein auch leichte Kniebeugen machen.

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