Münchens neue Quartiere: Das Viehhofgelände in der Isarvorstadt

Alles neu auf dem alten Viehhof

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In den kommenden Jahren wird auf der Brache im Herzen der Isarvorstadt ein völlig neues Quartier entstehen.

Isarvorstadt – Das Viehofgelände soll das neue Volkstheater, Kleingewerbe, Wohnungen und ein gemeinsames Stadtteilkulturzentrum beherbergen – auf 70 000 Quadratmetern im Herzen der Isarvorstadt

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Open-­Air­-Viehhofkino, das Subkulturprojekt Bahnwärter Thiel oder der Wannda Märchenbazar im Winter – dafür ist der ehemalige Viehhof vielen Münchnern ein Begriff. Doch in den kommenden Jahren wird auf der Brache im Herzen der Isarvorstadt ein völlig neues Quartier entstehen: Auf etwa sieben Hektar Fläche, eingebettet zwischen Schlachthof an der Zenetti­straße, Thalkirchner Straße, Tumblinger­straße und den Gleisen des Alten Südbahnhofs sollen in Zukunft Wohnungen, Kultur und Kleingewerbe einen gemeinsamen Platz finden (Hallo berichtete).

Zur Zeit rollen noch die Bagger auf der Brache an der Tumblingerstraße.

Die Vorplanungen für diese Zukunftsvision waren jedoch alles andere als einfach: Denn bei dem vollständig in städtischem Eigentum befindlichen Grundstück handelt es sich um ein wahres Filetstück in der Innenstadt. Doch: Im Juni 2017 hat der Stadtrat grünes Licht für das neue Quartier gegeben und den Grundsatz- und Eckdatenbeschluss für die weitere Geländeplanung abgesegnet.

Nun geht es in die Detailplanung: Kommunalreferat, Referat für Stadtplanung und Bauordnung sowie das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) sollen in enger Zusammenarbeit noch offene Fragen zur künftigen Nutzung und dem Verbleib der Bestandsmieter klären und dem Stadtrat Anfang 2019 den Masterplan für die schrittweise Überplanung des Geländes vorlegen – ob der Zeitplan wirklich eingehalten wird, konnte das Kommunalreferat bis Redaktionsschluss nicht beantworten.

Heute Brachfläche – Morgen Stadtquartier.

Vorgesehen ist Folgendes: Auf mehr als der Hälfte der Gesamtfläche sollen Wohnungen entstehen – insgesamt 420 Stück, für die voraussichtlich die städtischen Wohnungsunternehmen GWG und Gewofag zuständig sein werden. Auch für Gewerbe ist ein weiterer Großteil der Fläche vorgesehen: insgesamt 16 500 Quadratmeter – sogar mehr als vor der Umplanung. Bisher waren auf etwa 13 000 Quadratmetern 40 Gewerbetreibende angesiedelt. Der Stadtratsbeschluss sieht vor, sie soweit wie möglich auf dem Gelände umzusiedeln – andernfalls soll das RAW bei der Suche nach Alternativstandorten unterstützen.

Bereits sicher ist: Kulturelles Herzstück des neuen Quartiers wird das Volkstheater, das gerade entlang der Tumblingerstraße entsteht – bereits 2021 soll dort der Theaterbetrieb aufgenommen werden (s.u.). Anfang des Jahres sind die Bagger angerollt – und haben mit dem Abriss der alten Stallungen und der Freimachung des Baufeldes begonnen.

Das Viehhof-Gelände in der Isarvorstadt umfasst eine Fläche von sieben Hektar und bietet Platz für rund 1000 Bewohner in 420 Wohnungen.

Der Schlacht- und Viehhof wurde im Jahre 1878 nach den Plänen von Arnold Zenetti erbaut, 2007 wurde die Nutzung des Geländes als Umschlagplatz für Lebendvieh aufgegeben – bewahrt werden sollen jedoch die Erinnerungen an das geschichtsträchtige Gelände: Unter Initiative der Geschichtswerkstatt Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und dem Subkulturschaffenden Daniel Hahn, laufen bereits erste Überlegungen für ein Viehhofmuseum. „Rechtzeitig vor dem Abriss haben wir eiserne Kuhketten und weitere historische Relikte aus den alten Viehhallen gerettet, auch Daniel Hahn hat bereits Ausstellungsstücke wie alte Treibstecken und Mistgabeln in seinem Fundus.“, sagt BA-Mitglied Hubert Ströhle. Entstehen könnte das Museum bald in einem der Container des Bahnwärter Thiel, der an den südwestlichen Rand des Geländes umgezogen ist und dort bis zur Fertigstellung des neuen Quartiers verbleiben darf.

Und auch Prominenz könnte das neue Quartier künftig beleben – mit dem Forum für Humor und komische Kunst will Gerhard Polt die einstige Viehhofbank in der Zenetti­straße mit Leben zu füllen – das Kommunalreferat erarbeitet aktuell ein Konzept für die Sanierung und die weitere Nutzung

des Gebäudes. Sollten die Planungen für das Haus des Humors zeitgleich zum Wachstum des neuen Quartiers fortschreiten, wäre das für Polt sicherlich ein nettes Geburtstagsgeschenk: 2022 feiert der Kabarettist seinen 80. Geburtstag.

Vanessa Hahn

Volkstheater: Ab 2021 das kulturelle Herzstück des Geländes

Auf 18 000 Quadratmetern des sieben Hektar großen Viehhof­areals soll der Neubau des Volkstheaters entlang der Tumblinger­straße entstehen – außen eine historische Backsteinfassade, im Inneren modern.

Seit Anfang des Jahres sind die Bauarbeiten für das neue Volkstheater an der Ecke Tumblinger-/Zenettistraße bereits in vollem Gange. Verläuft alles nach Plan, soll der Neubau im Mai 2021 übergeben werden. Knapp 20 Jahre nach Amtsantritt zieht Intendant Christian Stückl dann vom sanierungsbedürftigen Stammhaus in der Brienner Straße in die Isarvorstadt. Für den Bau mit Haupt- und Nebenbühne, Proberaum, Foyer, Werkstätten und Lager stehen insgesamt knapp 18 000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Geplante Kosten: etwa 131 Millionen Euro.

Nach Ausschreibung eines europaweiten Teilnahmewettbewerbs wurde im Dezember 2017 aus fünf Bewerbergemeinschaften der Siegerentwurf gekürt: Er stammt von der Bad Salgauer Firma Georg Reisch, gemeinsam mit den Stuttgarter Architektenbüro LRO Lederer Ragnarsdóttier Oei. Mit einer roten Backsteinfassade, die den – großteils denkmalgeschützten – Gebäuden im Umfeld ähnelt, soll sich das neue Volkstheater optisch optimal in die Umgebung eingliedern. Durch einen großen Torbogen kommen Besucher künftig von der Tumblinger­straße aus in den Eingangshof mit Biergarten, dahinter findet sich der Theaterbau mit einem 27 Meter hohem Bühnenturm.

Ein Gesicht fürs Quartier

Ein Name für das Kulturzentrum, das 2020 eröffnen soll, wird aktuell noch gesucht.

Neues Gesicht für ein neues Quartier: In der Ruppertstraße 5, direkt gegenüber des Viehhof­geländes, soll künftig eine 15 Meter hohe Skulptur der Künstlerin Flaka Haliti stehen. Die Metallkonstruktion ziert den Innenhof des neuen Stadtteilkulturzentrums für die Ludwigsvorstadt-­Isarvorstadt und Sendling. Es wird eigenständiger Teil eines Gebäudekomplexes, der auch ein berufliches Schulzentrum für Erziehungsberufe, Sportstätten sowie ein Haus für Kinder umfasst. 

Die Skulptur der Künstlerin Flaka Haliti soll eine Höhe von rund 15 Meter haben.

Ein Name für das Kulturzentrum, das 2020 eröffnen soll, wird aktuell noch gesucht – im Rahmen eines Wettberwerbs der Stadt, bei dem Bewohner beider Bezirke Namensvorschläge einreichen konnten. „Es sind etwa 200 Vorschläge eingegangen, eine überwältigende Resonanz“, sagt Jenny Becker vom Kulturreferat. Aktuell befasst sich die Jury mit den Einsendungen.

Vanessa Hahn

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