Von A bis Z mit Harry Owens

Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour

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Harry Owens, einer der kreativsten Köpfe Deutschlands.

Er hat das Museumsuferfestival in Frankfurt entwickelt, betrieb sieben Jahre lang ein schwimmendes Theater auf dem Rhein und hat 1980 das Traumtheater Salome gegründet.

+++ Wichtiges Update: Das Traumtheater Salome hat sein München-Gastspiel abgesagt +++

München – Jetzt, quasi zum 40. Geburtstag dieses Theaters, geht Harry Owens auf Abschiedstournee.  

Wie er seine Träume künftig ausleben will, warum Rudolph Moshammer einst die Flucht ergriff und welches Wahrzeichen Köln einer Nacht- und Nebelaktion des 74-Jährigen zu verdanken hat, verrät einer der kreativsten Köpfe Deutschlands von A bis Z. 

Harry Owens (74), Gründer des Traumtheater Salome, von A bis Z

Ausgeträumt werde ich nie haben – auch, wenn wir nicht mehr auf Tour gehen.

Bernhard Paul: Als er in Wien saß und nichts mehr hatte, habe ich ihm geholfen und ihn nach Köln geholt. Nach zwei oder drei Jahren haben sich unsere Wege getrennt. Jetzt gibt es seinen Roncalli und mein Salome. So entstanden viele Welten.

Chef: Ehe man etwas lange erklärt, hat man es oft selbst schneller gemacht. Ich bin nicht unbedingt sehr geduldig.

Diebe haben uns 2013 in Stuttgart zwei Container mit dem Großteil unseres Zelts gestohlen. 1,2 Millionen Euro Schaden! Die Versicherung zahlte 75 000 Euro.

Elfen spielten für mich immer schon eine Rolle und kommen auch im Traumtheater vor. Sein kindliches Gemüt darf man nie verlieren. Nur so kann man aus dem Nichts neue Welten erschaffen.

Frankfurt: Dort habe ich acht Jahre lang gelebt – eine schöne Zeit. Unter anderem haben wir das Museumsuferfest, das wohl größte und vielseitigste Festival Europas, ins Leben gerufen. Wir hatten Boote aus Stroh vom Titicacasee und unter anderem zehn original Gondeln aus Venedig, die wir mit Transportern über den Brenner geholt haben. Welten zu bewegen, hat mir schon immer Freude gemacht.

Gründer: Ich habe 1991 die Akademie der schönen Künste in Berlin gegründet. Wenn ein gelernter Jongleur beispielsweise lieber Tänzer wäre, entwickeln wir mit ihm eine Form, wie er beides verbinden kann und damit auch noch ein Alleinstellungsmerkmal hat.

Heimat ist für mich kein Ort, sondern da, wo ich mich wohlfühle – beispielsweise der Kocherlball in München. Ich habe mir mal ein Haus in Spanien gebaut – genau nach meinen Vorstellungen. Sogar mit Bühne und jeder Schornstein sah aus wie ein kleines Minarett. Als es fertig war, wollte ich es nicht mehr. Ich wollte nicht immer an diesen einen Ort müssen, mich zog es schon immer in die Welt.

Isar: Warum wir mit Salome seit 1998 nicht mehr in München waren, weiß ich gar nicht. Ich habe viele Freunde hier, mag die Architektur und mag auch die Art der Menschen – ein bisschen derb, aber ok. Andere lästern über die Schicki-Micki-Szene, aber auch diese Leute haben eine Seele.

Jugend: Die Hälfte meines Lebens habe ich jetzt hinter mir (lacht). Aber im Ernst: Ich habe kein Gefühl des Älterwerdens, weil ich immer mit jungen Menschen zusammenarbeite.

Kreativ: Ich gehe wach durchs Leben und freue mich über jedes noch so kleine Farbspiel der Natur. Das setze ich dann auf der Bühne um.

Leinwand: Zum Malen fehlt mir mittlerweile die Zeit, ich skizziere nur noch.

Millowitsch: Mein alter Freund. Als ich 1991 mitbekommen habe, dass ihm von Köln zu Lebzeiten kein Denkmal gestattet wird, habe ich es kurzerhand gestiftet und in Auftrag gegeben. Wir haben es in einer Nacht- und Nebel­aktion aufgestellt. Die Stadt war sauer, hat eine Sondersitzung hinter verschlossenen Türen anberaumt – und es dann doch toleriert. Heute ist Köln stolz darauf.

Nachwuchs: Ich habe mich bewusst dagegen entschieden. Das Theater braucht meine ganze Kraft. Ich kenne es nur zu gut, wenn man keine Zeit für die Kinder hat. Aber ich mag Kinder und die Kinder meiner Freunde lieben mich. Klar, ich bin der Onkel mit dem Theater.

Orient – habe ich mit einem VW-Bus bereist. Bagdad, Kabul – traumhafte Städte, bevor sie nun teilweise zerstört wurden. Und eine solche Gastfreundschaft gibt es sonst auch nirgends. Deshalb bin ich sehr offen gegenüber den Menschen, die nun bei uns Schutz suchen. Und dass man Erdogan nun frei durch die Gegend ballern lässt – ist Europa so feige?

Parkstadt Schwabing: Dort gastieren wir ab dem 26. November. Schon allein die Straßennamen gefallen mir sehr gut – alles Bauhauskünstler.

Qual: Wenn mir etwas zur Qual würde, würde ich es nicht machen.

Rudolph Moshammer: Wir haben in München mal einen Benefizabend zugunsten seines Engagements für Obdachlose gemacht. Moshammer saß in der ersten Reihe. Als dann ein Artist – er sah wirklich aus wie Herkules – mit schweren Eisenteilen hantiert hat, ist Moshammer noch während der Nummer in die letzte Reihe geflüchtet.

Schokoladenfabrik: Mein Onkel hatte in Sevilla eine Schokoladenfabrik – und mich quasi von meiner Familie befreit, die mich von Internat zu Internat geschickt hat. Sie hatten eine Textilfabrik bei Mönchengladbach und diesen Weg für mich vorgesehen. Es ist kein schönes Gefühl, wenn an Weihnachten alle Kinder aus dem Internat abgeholt werden, nur man selbst nicht. Ich habe mich ohne Ausweis in einer tagelangen Odyssee allein zu meinem Onkel nach Sevilla durchgeschlagen. Mit ihm zusammen habe ich dann meine Sachen aus dem Internat abgeholt und meine Eltern haben mich enterbt.

Traum: Meine Akademie soll mich überdauern und der Nachwelt erhalten bleiben.

Unfallgefahr: Zusammen mit dem „Round Table“ haben wir in Frankfurt dafür gesorgt, dass jedes Schulkind auf dem Pausenhof über die Gefahren des toten Winkels aufgeklärt wird. Leider gibt es diese Unfälle trotzdem bis heute.

Vierzig Jahre: Ich würde wieder diesen Weg einschlagen und am liebsten nochmal 40 Jahre dranhängen. Aber die Zeit ist eben doch endlich.

Wolkensitz: Der steht am Rand der Bühne und von dem aus erzähle ich jeden Abend meine poetischen Geschichten.

X-mal schon sind Prominente im Traumtheater aufgetreten. Von Thomas Gottschalk über Ivan Rebrov bis hin zu Heiner Lauterbach. Das war aber meist spontan und ist kein Bestandteil des Konzepts.

Yoga: Dafür habe ich nicht die Ruhe. Wenn ich in meinem Wolkensessel sitze, dann gibt mir das Kraft für alles andere.

Zelt: Es wird weiterverwendet für einen festen Spielort in Berlin. An diesem arbeiten wir gerade. Wie sich das dann konkret gestaltet, steht aber noch nicht fest.

Marco Litzlbauer

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