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„Jeder von uns hat ein Kotz-Veto“

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© picture alliance / dpa

Mit ihrem siebten Album „Sturm und Stille“ melden sich die Sportfreunde Stiller mit neuen Gute Laune-Hymnen zurück. Wie es um die aktuelle Gefühlslage des Münchner Trios steht, ob das Tourleben eher Rausch oder eher Kater ist, und wie sie mit der steigenden Angst vor Terroranschlägen umgehen, verrät der Sporti-Sänger im Hallo-Interview.

Herr Brugger, wie ist Ihre aktuelle Gefühlslage? Eher Sturm oder eher Stille?

Sturm – auf jeden Fall. Unser Album ist endlich draußen, darauf haben wir lange hingefiebert. Das bedeutet natürlich Trubel. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel geredet habe wie in der letzten Zeit.

Liegen Ihnen Interviews oder würden Sie am liebsten nur Musik machen?

Am liebsten nur Musik. Aber das ist Illusion. Und natürlich wollen wir auch kundtun, dass jetzt endlich die neue Platte draußen ist. Einige der vielen schönen Gespräche, die bei Interviews entstehen, möchte ich auch gar nicht missen.

Sind Sie nach 20 Jahren im Musikbusiness am Tag der Album-Veröffentlichung noch aufgeregt?

Ja – am Abend davor war ich deutlich nervöser als gedacht. Man steckt ja auch eineinhalb Jahre Arbeit, viele Diskussionen und viel Herzblut rein.

Wie laufen die Diskussionen bei Ihnen ab? Gibt es einen, der das letzte Wort hat?

Jeder von uns hätte gerne das letzte Wort, die Stimme mit dem meisten Gewicht. Aber ohne Kompromisse geht es natürlich nicht. Dafür gibt es bei uns ein Kotz-Veto. Wenn jemand mit etwas gar nicht leben kann, dann machen wir es auch nicht. Das ist uns sehr wichtig.

Auch sonst hat man den Eindruck, dass Sie als Band in den vergangenen Jahren eine gute Balance gefunden haben. Album, Tour, dann wieder eine Auszeit. Oder täuscht das?

Wir achten schon darauf, dass man nach einer Tour Zeit für sich hat. Es ist wichtig, Abstand zu gewinnen, sonst fehlt die Energie. Ich wüsste sonst auch nicht, woher die Inspiration kommen soll. Eine Tour ist Party, Spaß – liefert total krasse Eindrücke. Aber die wahre Inspiration kommt aus dem privaten Alltag.

Flo Weber hat im Interview mal gesagt, er bräuchte die kürzesten Pausen nach einer Tour, wohingegen Sie gerne längere Auszeiten hätten. Stimmt das oder tut er Ihnen damit Unrecht?

Da hat er schon etwas Wahres ausgesprochen. Flo ist immer die treibende Kraft nach einer Pause – auch diesmal. Ich bin eher der, der dann fragt: „Was? Schon? Ist doch gerade so schön im Urlaub.“ Aber dann bekomme auch ich wieder richtig Bock.

Dann geht es wieder „Raus in den Rausch“ – wie ein Lied des neuen Albums heißt. Ist eine Tour für Sie Rausch – oder eher der Kater danach?

Der Kater gehört ja oft zum Rausch dazu (lacht). Bei einer Tour geht es schon ab, da muss man aufpassen, dass man nicht zu viel feiert. Es ist einfach ein Flash, ein ordentlicher Adrenalinrausch, nach dem man schon auch süchtig wird.

Die Sucht nach Adrenalin auf der Bühne ist also das große Laster des Peter B.

Genau so kann man das ausdrücken.

Wie lange soll der Rausch denn noch weitergehen? Die Sportis gibt es jetzt seit 20 Jahren. Denken Sie sich da: „ganz schön alt“ oder „mit 20 hat man ja gerade erst die Pubertät hinter sich“?

Manchmal erschrecke ich selber. 20 Jahre sind eine lange Zeit. Aber es fühlt sich gar nicht so an. Stattdessen bin ich beglückt wegen der vielen schönen Erlebnisse und wegen dem, was noch kommt. Also ist es von beidem etwas.

Also auf die nächsten 20?

Damit will ich nicht drohen. Aber wir fühlen uns noch nicht satt, unser Potenzial ist noch nicht erschöpft.

Ist „Raus in den Rausch“ auch ein bisschen als Aufforderung gemeint? Als Tritt in den Allerwertesten, um den inneren Schweinehund zu besiegen?

Ich glaube nicht, dass man mit einem Arschtritt jemanden zu Spaß und Freude bewegen kann, zu einem schwebenden Gefühl. Es ist eher als Mutmacher gedacht, um Zweifel zu überwinden. Nicht zweifeln und abwägen, sondern einfach machen. Mutlosigkeit ist etwas Gefährliches. Das führt schnell zu Stagnation, das Leben wird fad. Wir sind ja jetzt selbst alle Anfang 40. Mit 20 habe ich gedacht, mit 40 geht gar nichts mehr. Jetzt merke ich, mit 40 geht noch ganz viel.

Zweifel und Mutlosigkeit sind auch mögliche Folgen der Terroranschläge der vergangenen Monate. Inwiefern beschäftigt Sie das?

„Zwischen den Welten“ entstand nach den Anschlägen von Paris. Wir selbst waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich sehr glücklich, waren im Studio, haben Sound gemacht. Dann kam die Meldung von den Anschlägen und zu den Glücksgefühlen auf der einen Seite kam dann die Traurigkeit auf der anderen Seite. Unser großer Wunsch ist, dass sich die Menschen nicht aus Angst zurückziehen. Dass man sein Leben weiterhin in Freiheit und mit gegenseitigem Respekt weiterführt. Wenn die Angst in die Köpfe kriecht – das wäre schlimm. Denn es lohnt sich, das Leben zu leben.

Das Interview führte Marco Litzlbauer.

ZUR BAND

Die Sportfreunde Stiller sind ein Phänomen: Jedes ihrer letzten fünf Studio-Alben platzierte sich mindestens auf Platz zwei der Album-Charts – auch ihre aktuelle Scheibe schaffte es an die Spitze. Sänger Peter Brugger, Schlagzeuger Flo Weber und Keyboarder Rüde Linhof beweisen seit 20 Jahren ein untrügliches Gespür für Lied­zeilen und Melodien, die direkt ins Herz und in die Tanzbeine zu fahren scheinen. Bemerkenswert: Ihr ungebrochener Erfolg scheint ihnen dabei keineswegs zu Kopf zu steigen. Seit Jahren engagieren sie sich – nicht nur aber vor allem im Münchner Raum – für Obdachlose, gegen Nazis und gegen die Verschwendung von Wohnraum. Peter Brugger (43) betreibt außerdem zusammen mit Till Hofmann, Mehmet Scholl und dem Musikproduzenten Gerd Baumann im Glockenbachviertel den „Milla-Club“.

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Teilnahmeschluss: 6. November

„Raus in den Rausch“, „Auf Jubel gebaut“ und „Das Geschenk“ – das neue Album „Sturm und Stille“ (ab sofort erhältlich) der Sportis ist wieder voller Mitsing-Hymnen. Wie immer fehlt es Peter, Rüde und Flo dabei nicht an süffisanter Selbstironie. „Keith & Lemmy“ darf durchaus als augenzwinkernde Zukunftsaussicht gesehen werden. Und auf „Disko4000“ angesprochen, in dem es heißt „manchmal tanz ich echt beschissen“, gibt Peter Brugger im Interview zu: „In der Theorie und in meinem Kopf habe ich das Gefühl, dass ich ein total guter Tänzer bin. Objektiv betrachtet hapert es aber gerade in der Hüftgegend.“

Davon überzeugen können sich Hallo-Leser bei drei seit langem ausverkauften Konzerten: Wir verlosen je 1x2 Karten für die Kongresshalle am 18., das Kesselhaus am 19. und die Muffathalle am 20. Dezember. Außerdem 2x2 Karten für ein Konzert im kommenden Jahr, dessen Termin noch nicht feststeht.

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