Hallo München Interview

Interview mit dem Münchner Autor Stephan R. Meier!

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München: Die düstere Seite der Technik: Der Münchner Autor Stephan R. Meier sorgt mit Roman über Digitalisierung für Aufsehen. Hallo lädt zur „Lesung 4.0“.

Der Sohn des Ex-Verfassungsschutz-Präsidenten sorgt mit seinem ersten Roman für Furore: Seine düstere Zukunftsvision zu den Folgen der Digitalisierung könnte tatsächlich Realität werden. In Hallo verrät der Truderinger, auf welch verblüffende Fakten er bei seiner Recherche gestoßen ist und warum er trotzdem technikbegeistert bleibt. von MARCO LITZLBAUER

Herr Meier, sind wir schon an dem Punkt, an dem die Technik den Menschen steuert?
Der Mensch steuert die Technik und es ist ein Irrglaube, dass sich das je ändert. Solange Sie ein Ding ausschalten können, übernimmt es keine Herrschaft. Aber natürlich hat künstliche Intelligenz längst Einzug in unseren Alltag gehalten.
Ein Alltag, der bei vielen von Smartphone, Fitness-Uhr und anderer moderner Technik bestimmt wird.
Richtig – und diese Technik erleichtert uns den Alltag und unterstützt uns dabei, ein glücklicheres Leben zu führen. Ich sehe das durchwegs positiv. Aber natürlich kann man jede Technik für Gutes und Schlechtes einsetzen. Leider scheint es dem Menschen deutlich leichter zu fallen, sie für etwas Schlechtes einzusetzen.
Verzichten Sie in Ihrem Alltag auf Technik?
Einen Schritt werde ich mir sehr genau überlegen: das autonome Fahren. Dass es kommt, ist politisch und technisch sicher. Aber das ist der erste Punkt, an dem ich mein Leben in die Hände der Technik lege – ein sehr signifikanter Schritt. Ansonsten nutze ich alle Möglichkeiten mit Vollgas. Es wird nicht mehr lange dauern, da wird ein Chip bei Ihnen permanent die medizinischen Werte checken. Der kommuniziert dann mit einem 3D-Drucker und Ihrem Kühlschrank und mixt Ihnen genau das, was Sie anhand Ihrer medizinischen Werte gerade brauchen.
Im Prinzip ist das die Ausgangslage in Ihrem Buch „Now“. Und darin entwerfen Sie eine alles andere als positive Vision der Folgen der Digitalisierung.
Ich habe über Jahre recherchiert und an die 30 000 Artikel und Veröffentlichungen ausgewertet. Natürlich hätte ich anhand dieser Informationen auch ein Warn-Sachbuch schreiben können. Stattdessen entwerfe ich anhand vorhandener Tatsachen ein fiktives Szenario. Aber es ist denkbar, dass alles genau so eintritt. Das Bedrohliche ist auch in der Realität, dass die Digitalisierung dazu genutzt werden kann, eine kleine Elite zu bilden, die sich vom Rest endgültig absetzt.
Endgültig trifft es vermutlich.
Richtig – denn eine Gleichheit der Menschen hat es noch nie gegeben und gibt es auch heute nicht. Wenn 1,7 Milliarden Menschen auf der Welt nicht wissen, wo sie ihre nächste Handvoll Reis herbekommen, und der Rest der Welt das ändern könnte, es aber nicht tut, dann sind eben nicht alle Menschen gleich. Die Digitalisierung verschärft diese Lage: Die einen werden die neuen Könige, der Rest wird quasi in die Steinzeit zurückkatapultiert.
Wie weit ist diese Zukunft noch entfernt?
Sie wird schon Realität. 55 Prozent der Milliardärs-Elite des Silicon Valley baut sich bereits uneinnehmbare Festungen in Neuseeland. Es ist eine Insel, leicht zu verteidigen und es gibt dort keine Atomkraftwerke. Die buddeln sich da gerade regelrecht ein. Große Internetkonzerne sind schon heute binnen weniger Tage in der Lage, alles was sie brauchen „offshore“ zu verlagern – sprich, beispielsweise von großen Tankern aus zu operieren. Die Software ist nicht mehr greifbar, sondern liegt in der Cloud.
Warum machen sie das?
Weil sie wissen, dass früher oder später der Tag kommt, an dem sie für die Justiz zunehmend belangbar werden. Stichworte Ausschluss, Gleichbehandlung, Datenschutz. Wenn Sie in China einen Glaser bestellen wollen, dann finden Sie über den alles im Netz, inklusive von einem Algorithmus errechneten Ranking. Aktuell ist das nur in einer Diktatur möglich, aber wer weiß... Und in Dubai testen sie schon das erste fliegende Taxi – eine Art Drohne. Das ist die Zukunft – und längst keine Science Fiction mehr.
Es hört sich aber noch immer so an.
Weil wir uns das nicht vorstellen können und uns die nötige Infrastruktur noch fehlt. Die Menschheit hat keinen gemeinsamen Plan und stolpert orientierungslos durchs 21. Jahrhundert.
Was muss passieren, damit sich das ändert?
Wir müssen bei der Bildung ansetzen – und zwar schon im Grundschulalter. Was ist künstliche Intelligenz? Was ist Digitalisierung? Und wir müssen uns die Verletzbarkeit dieser Technik bewusster machen. Man verwendet für süße Kätzchenvideos im Internet eine ähnliche Software wie für Nato-Pläne oder Krankenhaus-Akten. Das hat sich erst jüngst bei dem Hacker-Angriff bemerkbar gemacht: Gestörte Anzeigentafeln der Deutschen Bahn, lahmgelegte Krankenhäuser in England und Stromausfälle in Frankreich – das war eine Demonstration der Brüchigkeit.
Und an den Regierungen geht diese Entwicklung vorbei?
Es wäre naiv zu glauben, dass Staaten und Geheimdienste da tatenlos zusehen und nicht selbst etwas entwickeln. Egal ob Millionen-Unternehmen oder Garagen-Start-Up: Jeder muss sein Patent im Justizministerium anzumelden. Dort hat man also Zugang zu jeder neuen Entwicklung. Ist es da nicht sehr verführerisch, daraus einen Super-Algorithmus zu basteln?

Zur Person

Eine gewisse Gelassenheit habe er sich im Lauf der Jahre schon angeeignet, gibt Stephan R. Meier im Hallo-Gespräch zu. Diese war für den Truderinger auch früh nötig: Als Sohn des damaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes, Richard Meier, wuchs der 59-Jährige unter der ständigen Präsenz von bewaffneten Leibwächtern auf – der Vater stand ganz oben auf der Todesliste der RAF. Die Wege zur Schule oder zum Sport wurden deshalb quasi täglich variiert, im Urlaubs-Strandkorb der Mutter befanden sich neben Badesachen auch mal die Waffen der Personenschützer. „Es war mega-extrem – klar, dass ich genau wie meine Geschwister sofort nach dem Abi ins Ausland bin.“ Nach dem BWL-Studium in der Schweiz arbeitete er viele Jahre erfolgreich als Hotelmanager in der ganzen Welt. In den 90ern veröffentlichte er zwei biografische Sachbücher, eines über den Terroristen Carlos, das andere über seinen Vater. „Mit 50, wenn andere langsam an die Rente denken, wollte ich es nochmal wissen und bei Null anfangen.“ Das Ergebnis ist der Roman „Now“. Und auch das nächste Projekt steht bereits an: „Es soll wieder ein ,Warnbuch‘ werden, jedoch diesmal die Mikroebene von Nervenzellen thematisieren – quasi die Welt zwischen den Nullen und Einsen.“

Verlosung

Die Verlosung ist bereits beendet!
Hallo München und Stephan R. Meier laden am Donnerstag, 13. Juli, zur „Lesung 4.0“ ins Kulturzentrum Trudering, Wasserburger Landstraße 32. Die multimediale Erlebnis-Lesung wird spektakulär: Es gibt eine Demonstration mit einem 3D-Essendrucker (inklusive Kostproben!), einen humanoiden Roboter, der die Gäste begrüßt, Drohnen auf der Bühne, eigens zum Buch komponierte Musik und vieles mehr.
Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten für 13 Euro gibt es unter Telefon 1 49 81 58 20 und unter info@hallo-muenchen.de sowie an der Abendkasse für 15 Euro; Schüler, Studenten und Rentner zahlen zehn Euro.

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