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Künstler klauen angeblich Zugspitz-Gipfel - und liefern erstaunliche Begründung

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Von: Johannes Welte

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Am 16. September vorigen Jahres soll der Gipfel-Diebstahl geschehen sein
Zwei Aktivisten stemmen - nach eigenen Worten - ein Stück der Zugspitze weg. © P-A-R-A

Eine Künstlergruppe hat im Auftrag eines Museums ein Stück Zugspitz-Gipfel entführt, behauptet sie jedenfalls. Für ihre Tat haben sie eine erstaunliche Begründung.

Garmisch-Partenkirchen - Ein Septembermorgen im vorigen Jahr, es ist halb neun, Nebelschwaden wabern um das Gipfelkreuz, plötzlich schälen sich zwei Schatten aus den Wolken. Ein Mann holt einen Meißel aus seine Rucksack und schlägt mit dem Hammer ein Stück Stein aus dem Felsen. Es ist nicht irgendein Felsen, es ist der höchste Punkt der Bundesrepublik, der gerade um sechs Zentimeter geschrumpft ist. Eine Künstlergruppe hat den Gipfel der Zugspitze geklaut!

Zugspitze: Künstler klauen Gipfelspitze - wegen Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte

Es sind zwei Männer, die vom Berliner Künstlerkollektiv P-A-R-A ausgerückt sind, um den Gipfelstein der jetzt nur noch glatt 2962 Meter hohen Zugspitze zu entführen. Ihr Anliegen: „Wir haben den Zugspitzgipfel als Geisel genommen, um im Austausch den Gipfelstein des Kilimandscharo an seine rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben“, erklärt Jonas, Sprecher des Künstlerkollektivs, den Hintergrund der Aktion.

Um das zu verstehen, muss man 133 Jahre zurück: 1889 bestieg der Leipziger Forscher Hans Meyer (1858-1929) den höchsten Berg Afrikas, der damals in der Kolonie Deutsch-Ostafrika lag – heute befindet er sich in Tansania. Meyer nahm vom Gipfel des 5895 honen Vulkans einen Stein mit, nachdem er ihn „Kaiser-Wilhelm-Spitze“ getauft hatte und schenkte ihn nach der Rückkehr dem Monarchen in Berlin.

„Haben Zugspitzgipfel als Geisel genommen“: Künstler erklären Aktion

Wilhelm II. ließ einen Teil davon im neuen Palais in Potsdam in ein Gewölbe einbauen, wo er nach dem letzten Krieg verschwand. Ein anderer Teil befindet sich in Besitz eines österreichischen Antiquitätenhändlers, dem wollen die Künstler dem Besitzer abkaufen, das „Lösegeld“ dafür soll mit dem Verlauf kleiner Kopien des Steins vom Kilimandscharo eingenommen werden (Infos: berge-versetzen.com).

Die Kunstaktion geschieht im Auftrag des staatlichen Völkerkundemuseums Leipzig, das gestern seine Teilwiedereröffnung feierte und sich Debatten über Raubkunst aus ehemaligen Kolonien wünscht.

Der Stein befindet sich jetzt in einem Tresor des Leipziger Völkerkundemuseums
Der offenbar geklaute Zugspitzgipfel © P-A-R-A

In Garmisch-Partenkirchen ist man ratlos ob der „Zugspitz-Entführung“: „Wir haben anderes zu tun, wir haben Faschingsferien und damit Hochbetrieb “, heißt es bei der Zugspitzbahn auf die Frage, ob der Diebstahl aufgefallen sei. „O mei o mei, des a no“, stöhnt man bei der Polizei, die nun gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft erst mal prüft, ob das Entfernen des Gipfelsteins überhaupt einen Straftatbestand darstellt und wenn ja, welchen.

Garmisch-Partenkirchen: Reaktionen auf Zugspitzentführung - „Haben anderes zu tun“

Konrad Prielmeier von den Staatsforsten, die den Gipfel im Auftrag des Freistaats verwalten, zuckt mit den Schultern: „Wir können den Vorgang aktuell nicht prüfen, von daher möchten wir das Ganze auch nicht kommentieren.“ Sprich, der Gipfel ist für eine schnelle Nachschau einfach zu weit weg. Das örtliche Landratsamt kann auch keine Ordnungswidrigkeit erkennen, erklärt aber: „Unseres Wissens würde die Zugspitze weiterhin der höchste Berg in Deutschland bleiben, selbst mit der Abtragung.“

Es ist nicht das erste Mal, dass man mit dem Diebstahl des Zugspitzgipfels kokettiert: Im Oktober 2013 behauptete eine Aktivistengruppe schon mal in einem Video, man habe den Zugspitzgipfel abgeflext und nach Österreich entführt. Im Nachhinein entpuppte sich das als Fake - ein Werbegag für eine Modellbaumesse in Wien. Der Zugspitze fehlte kein Millimeter.

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