In einer Dokumentation des BR

„Ich bekam Gänsehaut“: Tochter darf toten Vater noch einmal „live" erleben - Video-Aufnahme stammt aus der Nazi-Zeit

Die Eltern von Rudine Burock - aufgenommen 1939.
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Die Eltern von Rudine Burock - aufgenommen 1939.

Ein Zufall bescherte Rudine Burock die Gelegenheit ihren verstorbenen Vater noch einmal bewegt und in Farbe zu sehen. 75 Jahre musste sie darauf warten.

  • Bisher kannte Rudine Burock ihren Vater nur von Bildern.
  • Dann zeigt der Bayerische Rundfunk eine Dokumentation aus den 1930er-Jahren.
  • In der Reportage kommen auch Rudines Eltern vor.

Bernau am Chiemsee - Sie hat ihn nie getroffen, denn er starb schon Monate vor ihrer Geburt. Doch nun, 75 Jahre später, durfte Rudine Burock ihren Vater doch noch einmal „live“ erleben: In einer Dokumentation mit Amateuraufnahmen aus dem Jahr 1939 ist eine kurze Szene aufgetaucht, die ihre Eltern zeigt. Jung, fit – und glücklich verliebt. 

Durch Zufall den Vater in einer Dokumentation des Bayerischen Rundfunks entdeckt

Von ihrem leiblichen Vater hatte Rudine Burock ein Dreivierteljahrhundert lang nur eine recht starre Vorstellung, denn sie kannte ihn nur von Schwarz-Weiß-Fotos, von Bildern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In diesem Krieg fiel ihr Vater, im November 1944 in Freiburg im Breisgau – und zwar ganz kurz, nachdem er seine Tochter gezeugt hatte: Rudine Burock wurde im Juni 1945 geboren, sie ist heute 75 Jahre alt.

Und erst jetzt, mit 75 Jahren, hat sie ihren Vater das allererste Mal in Farbe gesehen, und bewegt. Es war ein absoluter Zufall: Das Bayerische Fernsehen hat eine Dokumentation mit privaten Farbfilmaufnahmen aus den Jahren 1931 bis 1939 namens „Jahre der Verführung – Jahre des Untergangs“ gezeigt. Darin taucht ihr Vater auf. Jung, lächelnd, in Bewegung. „Ich bekam Gänsehaut“, erinnert sich Burock. „Und wenn ich daran denke, bekomme ich sie gleich wieder.“

Halbbruder von Rudine Burock erkennt die Eltern im Video des BR sofort

Dabei hatte Rudine Burock die kurze Sequenz in der historischen Dokumentation zunächst übersehen. In dem Fernsehbeitrag werden Amateuraufnahmen gezeigt, die unverfälscht Einblicke aus dem Alltag der 1930er-Jahre bieten. Eine kurze Sequenz heißt „Brotzeit auf der Steinlingalm“, aufgenommen 1939, unterhalb der Kampenwand. Der Kameramann schwenkt dabei seinen Apparat von einem Tisch, an dem ein Wanderer einen Krug Milch leert, zu einem anderen Tisch. Dort sitzt ein junger Mann in der Lederhosn ohne Hemd darunter. Vor ihm steht eine grüne Flasche, in der Hand hält er ein ledernes Portemonnaie; er hat gerade etwas zur Bedienung gesagt, die wieder in der Hütte verschwindet – er lächelt.

Es gab Pläne, an der Kampenwand ein Bildnis König Ludwigs II. in den Berg zu hauen.

Rudine Burock und ihr Halbbruder schauen sich die Aufnahme ihrer Eltern an.

Dann schwenkt die Kamera weiter, neben ihm sitzt eine junge Frau im Dirndl, sie löffelt Traubenzucker aus einer Schachtel und bietet ein wenig davon ihrem Begleiter an. Doch der lehnt kopfschüttelnd ab, „na“, sagt er vehement, sie lächeln sich an. Ganz offensichtlich sind die beiden bester Laune. Und: verliebt. Doch schon schwenkt die Kamera weiter, zum nächsten Tisch. 

Mehr ist von dem Paar nicht zu sehen, es sind nur wenige Sekunden. Doch der Halbbruder von Rudine Burock, Helmut Praßberger, hat das fröhliche Paar sofort identifiziert: „Das ist doch unsere Mama mit dem Rudi, das gibt es doch nicht“, dachte er sich. Sofort rief er seine Halbschwester an. Glücklicherweise ist die Sendung weiterhin in der Mediathek des Bayerischen Fernsehens zu sehen – und so konnte die Tochter ihren Vater gleich selbst „live“ begutachten.

In einer anderen aktuellen Dokumentation des Bayerischen Rundfunks geht es um das Attentat auf der Wiesn 1980.

Auch die Mutter von Rudine Burock erkennt den Vater auf dem Video wieder

Zusammen haben die Geschwister den Film später auch der Mutter gezeigt. Sie ist mittlerweile 100 Jahre alt und pflegebedürftig. Doch „es huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Ich bin davon überzeugt, sie konnte sich erinnern“, erzählt Burock

Ihre Mutter Anna-Maria hat ihren Vater Rudi Bauer als Straßenbahn-Schaffnerin in München in der Tram kennengelernt. Zwei Jahre nach der Wanderung zur Steinlingalm heirateten die beiden. Nach dem Krieg und dem Verlust des Ehemanns heiratete sie 1949 ein zweites Mal, Donat Praßberger, zusammen bekamen sie noch drei Kinder. Auch für Rudine wurde Praßberger ein liebevoller Vater.

Doch nun hat sie auch von ihrem leiblichen Vater einen echten Eindruck bekommen. Sie sieht sich die Sendung immer wieder mal an, es ist ein zu schöner Anblick: Die Eltern zusammen, jung, glücklich verliebt. Sie ist wirklich dankbar. „Es ist unglaublich“, sagt sie. „Für mich ist der Film ein besonderes Geschenk.“

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