Der Ticker zum Prozess

Urteil für Messerstecher von Grafing: Paul H. muss in die Psychiatrie

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Das Urteil über Paul H. ist gefallen.

Der Messerstecher von Grafing steht vor Gericht. Der Vorwurf: Mord und versuchter Mord in drei Fällen. Entschieden wird über seine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie. Der Ticker zum Prozess. 

  • Der Messerstecher von Grafing stand seit Montag (7. August 2017) vor Gericht.
  • Dem 28-jährigen gebürtigen Hessen wurde Mord und versuchter Mord in drei Fällen vorgeworfen. Laut Gutachter ist er nicht schuldfähig. 
  • Er attackierte im Mai 2016 Passanten am S-Bahnhof mit einem Messer - ein Wasserburger (56) starb. 
  • Vor Gericht äußert er wirre Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit Muslimen und Islamisten.
  • Das Urteil ist nach fünf Prozesstagen am 17. August fallen und ist bereits rechtskräftig: Paul H. muss in ein psychiatrisches Krankenhaus.

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15.07 Uhr: Nun stehe die Heilung im Vordergrund - damit sei die Allgemeinheit am meisten geschützt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

15.03 Uhr: Als Paul H. am Tag zuvor die Psychiatrie in Gießen verlassen hatte, hatten die Ärzte noch keinen Anhaltspunkt für eine Fremdgefährdung. Dann spitzte sich die Lage zu. „Unbehandelt geht von ihm massive Gefahr aus“, heißt es. Mit Medikamenten könne man die Psychose in den Griff kriegen - er müsse sie aber dauerhaft nehmen.

14.53 Uhr: Der Anwalt des Angeklagten hatte sich im Vorfeld für den fairen Prozess bedankt, der seinem Mandanten gemacht worden sei. 

14.41 Uhr: Insgesamt wurden vier Psychiater im Prozess gehört.

14.40 Uhr: Der Tod und die Verletzungen sind "Folgen der Psychose, die er aber im strafrechtlichen Sinne nicht zu verantworten hat". Die psychotischen Wahnvorstellungen des Angeklagten haben sich immer mehr zugespitzt.

14.36 Uhr: In der Urteilsbegründung heißt es, die Steuerungsfähigkeit sei vollständig aufgehoben gewesen.

14.30 Uhr: Paul H. wurde eine bipolare Störung mit „zuletzt schweren psychotischen Erscheinungen“ attestiert.

14.27 Uhr: Das heißt: Er muss dort auf unbestimmte Zeit bleiben, bis psychiatrische Gutachter grünes Licht für ein Leben in Freiheit geben.

Urteil gefallen: Paul H. muss in psychiatrische Klinik

14.25 Uhr: Das Urteil ist gefallen: Paul H. wird wie gefordert dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. 

12.02 Uhr: Das Urteil wird um 14 Uhr verkündet.

12 Uhr: Paul H. entschuldigt sich - und wünscht sich, er wäre in der Psychiatrie in Gießen geblieben.

11.52 Uhr: Kritisiert, dass man es nicht rechtzeitig geschafft habe, ihn unterzubringen. Der Gesetzgeber müsse sich was einfallen lassen. 

„Er weiß, was ihn erwartet“, sagte der Verteidiger über seinen Mandanten mit Blick auf das Urteil. Der Beschuldigte sei „zutiefst entsetzt über sich selbst“. Auf der Anklagebank sitze ein Mensch.

11.50 Uhr: Der Verteidiger schließt sich seinen Vorrednern an, kritisiert aber den gesellschaftlichen Umgang mit psychisch Kranken.

11.43 Uhr: Es geht weiter.

11.40 Uhr: Paul H. ist psychisch schwer krank. Es geht im so genannten Sicherungsverfahren darum, ob er auf unbestimmte Zeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird.

11.27 Uhr: Derzeit ist Pause. Anschließend folgt das Plädoyer des Verteidigers.

11.22 Uhr: Ein Nebenklage-Anwalt bezeichnet Paul H. als "Zeitbombe auf zwei Beinen, die jederzeit wieder aktiviert werden kann". Alle Türen um ihn seien so lange wie möglich und nötig geschlossen zu halten.

Sohn des Opfers: „Ich kann meinen Vater nur noch auf dem Friedhof besuchen“

11.08 Uhr: Der Sohn des getöteten 56-Jährigen hat sich in einem kurzen, emotionalen Vortrag geäußert. Paul H. habe ihm seinen Vater und besten Freund genommen. "Sie dürfen weiterleben und Besuch empfangen. Ich kann meinen Vater nur noch auf dem Friedhof besuchen. Kein Geld und keine Worte können wieder gut machen, was Sie getan haben."

10.30 Uhr: Der Staatsanwalt fordert in seinem Plädoyer die „unbedingte Unterbringung“ des Beschuldigten. Auch die vier Anwälte der Nebenkläger haben plädiert und fordern dasselbe wie der Staatsanwalt.

Donnerstag, 9 Uhr: Heute soll das Urteil im Prozess um den Messerstecher von Grafing fallen. Erwartet werden zu Beginn des vermutlich letzten Prozesstages die Plädoyers. Es beginnt der Staatsanwalt, dann folgen Nebenklage und Verteidiger.

Am Mittwoch hatte ein Sachverständiger ein Gutachten vorgestellt, in dem er den Beschuldigte als schuldunfähig einstuft. Außerdem sagte Opfer Johannes Buchner als Zeuge aus. Zuvor hatte bereits die Mutter von Paul H. eine emotionale Aussage gemacht.

Das geschah am ersten Prozesstag

19.02 Uhr: Es war ein schockierendes Geständnis von Paul H. Der Täter erzählte die Tat aus seiner Sicht und sagte auch: „Ich dachte, ich muss alle umbringen.“

16.21 Uhr: Nach dem ersten Prozesstag sind noch vier weitere angesetzt. Neben den Männern, die den Angriff des Messerstechers überlebt haben, soll auch ein medizinischer Gutachter als Zeuge gehört werden.

15.23 Uhr: Das erste Opfer sagt aus. Manfred M. erinnert sich: "Ich habe nur zwei Füße gesehen und den Stich gespürt. Hab dann nur noch das Taxi gesehen und bin dorthin gerannt. Ich dachte erst, ich habe einen Schlag gespürt. Wir sind in die Klinik nach Ebersberger gefahren. Da wurde mir gleich geholfen. Auf der Fahrt hatte ich den Notruf gewählt und Bescheid gesagt, dass ich komme. Bin gleich operiert worden. Habe Glück gehabt. Aber war bis Juli 2016 krank geschrieben. Später haben mir Polizei und Weißer Ring sehr geholfen."

15.02 Uhr: Paul H. hat die Tat nicht bereut - zunächst: „Habe zu Allah gebetet und ihn darum gebeten, mir meine Sünden zu vergeben: Das Kiffen und die ganzen Drogen.“ "Nicht das Töten?", wollte der Staatsanwalt wissen. "Nein", sagte Paul H. "Damals wollte ich so viele wie möglich töten." Heute zur Tat befragt, sagt er: "Es tut mir furchtbar leid. Ich wünschte, ich wäre in der Klinik geblieben und hätte meine Medikamente genommen. Was passiert ist, ist ein absoluter Alptraum."

Messerstecher von Grafing schildert schreckliche Details der Tat

14.52 Uhr: Die Tatwaffe hatte sich der Angeklagte nach eigenen Schilderungen etwa ein halbes Jahr vorher auf eBay gekauft. Das Messer habe zu seiner Survival-Ausrüstung gehört, er habe es immer in seinem Rucksack bei sich getragen.   

14.30 Uhr: Nach der Festnahme war Paul H. froh, wie er vor Gericht berichtet. Die Polizisten hätte er für Muslime gehalten, die ihn ins gelobte Land bringen. Tatsächlich kam er in die Psychiatrie. Er selbst habe das nicht realisiert: "Ich dachte, ich habe alles richtig gemacht. Aber ich hatte auch Angst, dass ich umgebracht werde. Dass ich in Deutschland bin und eine extrem schlimme Tat begangen habe, war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst."

13.28 Uhr: Die Schilderungen des Angeklagten Paul H. gehen weiter, es geht um die letzte, die tödliche Attacke, deren Details nichts für schwache Nerven sind (dies ist bitte auch als Warnung zu verstehen) und bei der ein Wasserburger (56) getötet wurde. Paul H. bestätigt die Anklageschrift: "Bin wieder zur S-Bahn zurück. Weiß nur noch, dass ich dachte, ich muss alle töten. Habe den Mann am Bahnsteig gesehen. Dort habe ich schon auf ihn eingestochen. Habe ihn am Hals geschnitten. Genau dort wollte ich ihn treffen. Danach habe ich ihn die Brust gestochen. Drinnen ging es weiter. Dort habe ich ihn mehrmals ins Herz gestochen und einmal ins Gesicht geschnitten. Er wollte fliehen, aber ich bin ihm hinterhergerannt. Hatte ihn aufgefordert, sich hinzulegen. Das hat er auch getan. Ich stand seitlich von ihm, habe mich heruntergebeugt und auf ihn eingestochen. Neun Mal. Dann wollte ich ihm noch den Kopf abschneiden. Ich dachte, ich muss das machen, um zu konvertieren. Das kannte ich aus Videos." 

Messerstecher von Grafing: „Habe gebetet, war völlig weggetreten“

13.22 Uhr: Paul H. spricht jetzt über die zweite und dritte Tat: Er habe nur einmal zugestochen, dann sei er abgerutscht. Das Opfer rannte weg. Der Angeklagte sei dann zum Bahnhofsvorplatz gelaufen. Dort habe er gebetet, war völlig weggetreten. Dann kam der Radfahrer. Paul H. schildert: „Habe Erinnerungslücken. Weiß nur noch, dass ich ihn in den Rücken gestochen habe. Er hat geschrien und ist heruntergefallen. Neben den Bürgersteig ins Gras. Ich dachte, er ist tödlich getroffen.“

13.16 Uhr: Es geht weiter. Der Angeklagte schildert die erste Tat: "Der Mann kam von unten auf mich zu und ich habe ihm unvermittelt ins Herz gestochen. Von unten nach oben. Es gab keinen Widerstand. Er fiel auf den Rücken, stand wieder auf und hat nach mir getreten. Habe versucht, weiter auf ihn einzustechen. Er ist dann in ein Taxi geflüchtet. Ich habe die Tür aufgehalten und geschrien: Ich bringe dich um. Das Taxi ist dann mit offener Tür losgefahren."

Der Tatort in Grafing. 

12.25 Uhr: Zeit, noch einige Details vom Vormittag zu erwähnen. Vor Gericht wurde auch der Werdegang des Angeklagten dargestellt. Seine Eltern sind geschieden, er ist zum Teil bei den Großeltern auf den Azoren aufgewachsen. Von 14 bis 18 habe er durchgehend gekifft (“Erster Joint noch vor der ersten Zigarette“), Extasy, LSD und Pilze genommen. Nach der Schule machte er eine Schreinerlehre, es folgten diverse Jobs. 2014 wurde er manisch, verlor alles: Job, Wohnung, Auto. Er versuchte, sich das Leben zu nehmen. Einer Religion gehört er nicht an, hat sich in seiner depressiven Phase aber viel mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Er habe sogar kurzzeitig eine Facebook-Seite gegründet, weil er alle davor warnen wollte, dass in Deutschland ein Krieg ausbricht.

12.15 Uhr: Mittagspause im Landgericht München. 

Messerstecherei von Grafing: Das sagt der Angeklagte aus

11.44 Uhr: 

Jetzt sagt der Angeklagte aus, der Inhalt ist relativ wirr und verstörend. Paul H.: "Ich dachte, der Hauptbahnhof wird gesprengt. Deshalb bin ich zum Isartor gelaufen und dort in die nächste S-Bahn eingestiegen. Ich hatte wahnsinnige Angst." In der Bahn habe er sich mit zwei Leuten unterhalten - wollte sie überreden, mit ihm nach Portugal zu kommen, um sich zu retten. Der Zug wurde in Grafing geteilt. Paul H. habe zwei Muslime gesehen und Angst vor ihnen gehabt. Deshalb sei er ausgestiegen. Er dachte, der Bahnhof sei eine Tötungsanlage. Der 28-Jährige rauchte einen „dicken Joint“, dann kam ein Autozug. Paul H. erzählt vor Gericht: "Ich dachte, das sei ein Zeichen von Allah." Er wollte sich erst selbst töten. Sah dann aber die Anzeige, dass in 240 Minuten ein Zug abfährt. Er dachte daran, dass man in 24 Stunden konvertieren kann, deshalb blieb er am Leben. "Das war meine Zeit." Er hat überall Blut gesehen.

11.09 Uhr: Die Details, die in der Anklageschrift verlesen wurden, dürfte den anwesenden Opfern im Saal den Atem rauben. Völlig unvermittelt stach Paul H. auf sein erstes Opfer in Grafing ein, das sich ins Taxi rettete. Der Messerstecher setzte sich danach vor den Bahnhof auf eine Verkehrsinsel, gegen 4.46 Uhr stach er dem zweiten Opfer in den Rücken, ein sechs Zentimeter tiefer Stich in die Wirbelsäule. Es folgte das nächste Opfer, ein Zeitungsausträger, und dann der tödliche Angriff in all seiner Grauenhaftigkeit. Paul H. zwang sein letztes Opfer, einen Wasserburger (56), sich hinzulegen (“Du bist ein Ungläubiger, du musst sterben.“). Neun Stiche, einer ins Herz. Der Angreifer versuchte noch, seinem Opfer den Kopf abzutrennen und scheiterte. Dann ließ er sich widerstandslos am Bahnhofsvorplatz festnehmen. 

Johannes Buchner war ein Opfer des Amoklaufs von Grafing-Bahnhof und sitzt auch im Gerichtssaal.

Messerstecherei von Grafing: Protokoll der Tat vor Gericht

10.39 Uhr: Die Anklageschrift protokolliert den Tatablauf. Paul H. stieg in München zufällig in eine S4 Richtung Grafing, um 1.39 Uhr stieg er dort aus. Paul H. schilderte, dass er dachte, Grafing sei ausgerottet worden, es fielen die Worte „Konzentrationslager“, „Menschenopfer für den Islam bringen“. Darauf folgte die Bluttat.

10.30 Uhr: Die Staatsanwaltschaft verliest die Anklage: Der Hesse Paul H. habe an einer bipolaren Störung gelitten. Er hätte Angst gehabt, von Islamisten verfolgt zu werden, fühlte sich in Deutschland nicht mehr sicher und wollte auch seine Familie überreden, auf die Azoren auszuwandern. Seine Familie brachte ihn in die Psychiatrie, aus der er floh und nach München fuhr. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

9.40 Uhr: Richter Thomas Bott hat um 9.40 Uhr die Sitzung eröffnet. Der wegen Mordes angeklagte Paul H. (28) sitzt im Karohemd auf der Anklagebank und verhält sich ruhig. Minutenlang ließ er ein Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Vergangenes Jahr hatte er in Grafing mit einem Messer auf mehrere Personen eingestochen, ein Mann starb an den Folgen des Angriffes. Die verletzten Opfer nehmen an dem Prozess teil. Zum Beispiel Johannes Buchner, der am Rücken getroffen wurde: Er hinkte mit einem Gehwagen in den Gerichtssaal. Paul H. soll an einer psychischen Störung gelitten haben, als er zugestochen hatte. Er sitzt seither in der Psychiatrie.

+++ Ab hier berichten wir Aktuelles aufsteigend im Ticker. Die Uhrzeiten dienen nur der groben Orientierung. +++  

Messerstecher von Grafing: Das geschah am 10. Mai 2016 

Grafing - Der Angeklagte soll am 10. Mai 2016 am S-Bahnhof Grafing (Kreis Ebersberg) Passanten mit einem Messer attackiert haben. Merkur.de berichtete ausführlich über die Bluttat. Dabei kam ein 56 Jahre alter Fahrgast ums Leben, drei weitere Männer wurden durch Messerstiche teils lebensgefährlich verletzt.

Das Landgericht München muss entscheiden, ob der Mann dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Der Mann hatte nach seiner Festnahme wirre Angaben gemacht und war deswegen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Kurz vor der Tat hatte er sich in einer Gießener Klinik stationär behandeln lassen.

Weil er bei dem Angriff „Ungläubiger, du musst jetzt sterben“ und „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) gerufen haben soll, war zunächst ein islamistischer Hintergrund nicht ausgeschlossen worden. Weder aus dem Staatsschutzbereich noch von Nachrichtendiensten gab es aber Hinweise darauf. Der Beschuldigte sagte, dass er wegen einer Psychose Angst gehabt hatte, von Islamisten verfolgt zu werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er unter der Wahnvorstellung litt, sich mit einem Menschenopfer retten zu können.

Vier weitere Tage sind für den Prozess angesetzt. Neben den Männern, die den Angriff des Messerstechers überlebt haben, soll auch ein medizinischer Gutachter als Zeuge gehört werden.

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