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Schlappe für Söder und Merkel? Nächster Nachbar wehrt sich gegen deutsche Skigebiets-Pläne

Corona und Wintersport? Die Betreiber der Ski-Gebiete hoffen auf einen frühen Start. Doch Markus Söder und Angela Merkel sehen das anders. Es gibt Gegenwehr aus Österreich und der Schweiz.

  • Wegen Corona* bangen die Ski-Touristen um ihren Urlaub und die Betreiber um ihre Einnahmen.
  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen den Betrieb europaweit erst nach Weihnachten erlauben.
  • Die Betreiber der bayerischen Skigebiete sprechen schon jetzt von Riesen-Verlusten.

Update vom 28. November, 14.53 Uhr: Die Debatte um eine europaweite Schließung der Skigebiete nimmt weiter an Fahrt auf. Der italienische Außenminister bezeichnet die Diskussion als „surreal“. Österreich will weiterhin öffnen. Die Schweiz könnte zum Nutznießer werden.

Update vom 26. November, 21.25 Uhr: „Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag im Bundestag in Berlin: „Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen.“

Aber nicht nur beim EU-Partner zwischen Vorarlberg, Tirol und Wien regt sich Widerstand gegen die deutschen Pläne. Für die Schweiz ist eine Schließung der Skigebiete in diesem Winter kein Thema. „In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann“, sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben von Schweiz Tourismus ist das Thema nicht neu. „Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt“, erklärte Berger: „Wir gehen daher davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt nicht mehr Erfolg haben wird.“

Bekanntes Skigebiet: Davos-Klosters in der Schweiz.

Aktuell werden mögliche Beschränkungen des Ski-Tourismus heiß diskutiert. Nun verkündete Tirol eine Nachricht, die in Bayern für Kritik sorgt.

Müssen Skilifte und Skigebiete wegen Corona geschlossen bleiben? Bayerns Markus Söder macht Druck

Update vom 26. November, 14.30 Uhr: Wintersportler und andere Tagestouristen, auch solche, die auch nur kurz in ein Risikogebiet im Ausland reisen, sollen in Bayern künftig verpflichtend in Quarantäne gehen. Eine Ausnahmeregelung für Aufenthalte unter 24 Stunden soll nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe gelten, insbesondere Arbeit, Schule, Arztbesuche, familiäre Angelegenheiten und Geschäfte des täglichen Bedarfs. Das hat das bayerische Kabinett nach Angaben der Staatskanzlei am Donnerstag in München beschlossen.

Update vom 26. November, 9.35 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit Blick auf anstehende Winterurlaube dafür ausgesprochen, dass alle Skigebiete in Europa schließen. „Es naht die Skisaison“, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag im Bundestag in Berlin. Touristische Reisen sollten nicht stattfinden, jeder nicht notwendige Kontakt sollte vermieden werden. „Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten. Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen.

Wegen Corona: Widerstand gegen Söders Ski-Pläne - von Betreibern und aus der eigenen Partei

Update vom 25. November 2020, 19.12 Uhr: Mit seiner Forderung, wegen Corona europaweit Skigebiete zu schließen, stößt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf viel Widerspruch. Nach dem Vorstoß von Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, Skigebiete mindestens bis zum 10. Januar geschlossen zu halten, hatte Söder am Dienstag gesagt: „Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen überall beziehungsweise kein Urlaub überall.“

Noch am Dienstagabend kam dazu Kritik vom Koalitionspartner in Bayern: „Ein übernationales Verbot des Wintersports schränkt die Erholungssuche sehr vieler Menschen unverhältnismäßig ein“, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler, Florian Streibl. Er spreche sich klar gegen pauschale Schließungen aus – „insbesondere weil alle Bergbahnen hervorragende Hygienekonzepte erarbeitet haben, die sie konsequent umsetzen“. Auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), sagte am Mittwoch, er halte ein generelles Verbot für falsch. Und selbst aus der eigenen Partei bekommt Söder Gegenwind. Der tourismuspolitische Sprecher der CSU, Klaus Stöttner, verwies ebenfalls auf die bereits erarbeiteten Hygienekonzepte der Skigebiete. „Selbstverständlich darf es weder an den Liften noch sonst irgendwo in den Skigebieten zu Ansammlungen von Menschen kommen“, sagte er. Aber er sei davon überzeugt, dass trotz Corona ein sicheres Skifahren möglich sein kann.

Tourismusvertreter aus bayerischen Wintersport-Regionen betonten, die Weihnachtsferien gehörten trotz Schneemangels in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Zeiten der Saison. „Für den Tourismus hätte eine Schließung fatale Folgen“, sagte der Tourismusdirektor der Gemeinde Bad Hindelang im Allgäu, Maximilian Hillmeier. „Wintertourismus ohne Bergbahnen funktioniert nicht.“

„Ein Ausfall der Skisaison wäre für uns katastrophal“, sagt auch Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahn im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Eine große Infektionsgefahr berge der Skibetrieb nicht. „Der Andrang im Sommer hat uns ja schon gezeigt, dass es mit dem richtigen Hygiene- und Abstandskonzept funktionieren kann.“ Die Gondeln und Skilifte seien nicht das Problem. „Die Menschen sind dort nie länger als maximal zehn Minuten beisammen, und es ist gut durchlüftet oder gar ganz an der frischen Luft.“

Auch das Nachbarland Österreich wehrt sich. Bundeskanzler Sebastian Kurz lehnt eine länderübergreifend spätere Öffnung der Wintersportgebiete in der Corona-Krise ab. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Kurz am Mittwoch in Wien. „Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich.“ Österreich setzt darauf, mit Lockdown und Massentests die Corona-Zahlen im Dezember zu senken. „Ich kann Ihnen nur sagen, wenn jemand alleine laufen geht im Moment, dann ist das ähnlich gefährlich, wie wenn jemand alleine eine Skitour geht“, so Kurz. „Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen.“

Auch für die Umwelt werde eine kürzere Skisaison vermutlich keinen positiven Effekt haben, sagte Thomas Frey vom Bund Naturschutz. „Ich habe eher die Befürchtung, dass dann Individualsportler querfeldein durch die Berge marschieren.“ Dadurch würden bedrohte Arten wie Auer- und Schneehuhn in ihren letzten Rückzugsbereichen gestört. dg/dpa/ast

Wegen Corona: Söder will, dass Skigebiete in Bayern zu bleiben - Betreiber mit Klartext

Erstmeldung vom 24. November 2020, 19.53 Uhr: München - Normalerweise würden Bayerns Wintersportler jetzt schon ihre Schwünge auf den Bergen in Tirol ziehen. Doch wegen der eskalierten Corona-Lage sind alle Lifte in Österreich zu – auch in Italien, wo man erst am 10. Januar den Skibetrieb starten will. In Bayern rüstet man sich zwar schon für die Skisaison – allerdings will Ministerpräsident Markus Söder erst nach den Weihnachtsferien den Skibetrieb zulassen. In Leutasch (Tirol) wollte man nicht warten und eröffnete die erste Langlaufloipe – bis die Regierung einschritt.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis zum 10. Januar geschlossen halten: „Es ist nicht möglich einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten“, so Conte zum Fernsehsender La7. Auch Bayern fordert eine Ski-Pause über Weihnachten. „Ich fände sehr gut, wenn wir eine europaweite Lösung haben“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in München. „Wir müssen da auch an Österreich appellieren. Es geht jetzt nicht darum, dass Österreich seinen Tourismus stärkt, sondern um eine gemeinschaftliche Idee in Europa.“ Söder verlangte eine „klare Übereinkunft, keine Skilifte offen zu halten“. Wer dennoch zum Skifahren ins Ausland fahre, müsse zehn Tage Quarantäne einplanen.

Österreich, das seit Monaten betont, die Skigebiete mit entsprechenden Vorkehrungen um jeden Preis öffnen zu wollen, reagierte gestern dagegen mit vehementer Ablehnung. Finanzminister Gernot Blümel forderte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU, falls Skilifte tatsächlich über die Weihnachtsferien stillstehen sollen. Österreich rechne dadurch mit einem Umsatzausfall von 800 Millionen Euro für jede der Ferienwochen. Derzeit herrscht aber in Skigebieten wie Zell am See oder dem Zillertal eine Inzidenz von 830 bzw. 968 Fällen pro 100 000 Einwohnern! In Leutasch eröffnete man dennoch am Freitag die Langlaufloipe mit Schnee vom Vorjahr. Man musste vorher ein Ticket buchen. Am Montag schritt die Tiroler Regierung ein und beendete den öffentlichen Loipenbetrieb wieder! In der Ramsau am Dachstein waren gestern laut Touristeninformation hingegen die Loipen geöffnet und Tickets dafür verfügbar! - J. Welte, C. Deutschländer - *Merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Corona und Ski-Zirkus - wie soll das gehen? Die Betreiber hoffen, dass der Betrieb nicht ganz ausfällt.

Wie Bayerns Skigebietsbetreiber die Lage sehen: „Pisten wären fertig“

Selten war ein Winter so schwer planbar wie heuer. „Normalerweise richten wir uns mit dem Saisonbeginn nach der Wetterlage“, so Antonia Asenstorfer vom Skiverbund Alpenplus. Vergangenes Jahr begann sie an Brauneck, Spitzingsee, Sudelfeld und Wallberg Mitte Dezember. Heuer wird es vermutlich deutlich später werden. Asenstorfer gibt zu bedenken: „Allein die Weihnachtsferien machen etwa ein Viertel unseres Winterumsatzes aus. Der Verlust wäre enorm.“ Sie hofft noch, dass die Entscheidung anders ausfällt. Der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) wird sich mit den Verbänden der anderen Länder absprechen, sobald am Dienstag beim Corona-Gipfel in Berlin Entscheidungen bekannt werden. Am Mittwoch will der VDS darüber informieren. „Das müssen wir nun einfach abwarten“, sagt Asenstorfer. Sie betont aber auch: „Wir stehen in den Startlöchern und sind überzeugt, dass wir den Betrieb aufnehmen können und die erforderlichen Schutzmaßnahmen einhalten können.“

Auch Verena Altenhofen, Sprecherin des Zugspitz-Skigebiets erklärt: „Sobald wir dürfen, werden wir öffnen.“ Auch sie hofft noch darauf, dass das noch im Dezember sein wird. „Die Pistenverhältnisse sind aktuell ein Traum. Es liegt Neuschnee, das Wetter ist super“, sagt sie. „Es würde uns sehr schmerzen, wenn die Pisten noch über einen Monat leer bleiben müssen.“

Rubriklistenbild: © swiss-image.ch/dpa

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