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Ehepaar soll über 800 Euro im Monat für Erdgas zahlen – „Das halten wir niemals lange durch“

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Von: Cornelia Schramm

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Irmgard und Ludwig Zetzl
Hiobsbotschaft vom Energieversorger: Irmgard und Ludwig Zetzls monatliche Ergas-Abschläge haben sich fast verfünffacht. Daheim in Schönberg heizen sie ihr Wohnzimmer nur noch mit dem Kachelofen. © Olga Behringer

Eine Rechnung lässt Irmgrad und Ludwig Zetzl verzweifeln: Der Erdgas-Preis steigt. Statt 163 Euro soll das Rentner-Ehepaar monatlich über 800 Euro zahlen. Ein Schock – bei nur 1000 Euro Rente. Doch dann reagiert der Energieversorger Eon.

Schönberg – Mit Absicht leben Irmgard und Ludwig Zetzl seit Jahren „hinter’m Mond“, wie sie sagen. Von ihrer Heimat Starnberg sind sie 2007 in das niederbayerische Schönberg in Freyung-Grafenau gezogen. „Wir bekommen nur 1000 Euro Rente – und die sind im Bayerischen Wald mehr wert als daheim“, sagt Irmgard Zetzl. „Unser Haus in Krailling haben wir verkauft, um uns dafür eines in Schönberg zu kaufen. Das übrige Geld sollte uns im Ruhestand trotz der kleinen Rente versorgen - wir brauchen ja nicht viel“, sagt die heute 84-Jährige.

15 Jahre ging ihre Rechnung auf, bis ein Brief das Leben der Zetzls auf den Kopf stellt. Ihr Energieversorger erhöht die Abschlagszahlungen – statt 163 Euro sollen sie fortan 808 Euro pro Monat für Erdgas zahlen. Das sind fast 10 000 Euro Heizkosten im Jahr. „Wir wissen nicht, was wir tun sollen“, sagt Ludwig Zetzl, als er sich an unsere Zeitung wendet. 424 Euro Nachzahlung hat Eon da bereits abgebucht – sowie die erste, erhöhte Abschlagszahlung von 808 Euro. Heute steht die zweite an. „Wir haben noch kleine Rücklagen, halten das aber niemals lange durch“, sagt Irmgard Zetzl.

Rentner-Ehepaar verzweifelt: Erdgas-Preis verfünffacht sich

Ihr Haus in Schönberg und die kleine Ferienwohnung auf Teneriffa, der Lebenstraum der Zetzls – all das steht plötzlich auf dem Spiel. Ein Schock. Hilfe sucht sich das Paar beim Sozialamt ihrer Gemeinde. Seit September schreiben die Zetzls, die keinen Computer haben, alle zwei Wochen Briefe an Eon – erhalten aber keine Antwort.

808 Euro sollen die Zetzls in Zukunft monatlich an Eon zahlen. Die Rechnung ist ein Schock für die Rentner, entpuppt sich aber als Fehler.
808 Euro sollen die Zetzls in Zukunft monatlich an Eon zahlen. Die Rechnung ist ein Schock für die Rentner, entpuppt sich aber als Fehler. © privat

Erst auf Nachfrage unserer Zeitung prüft der Energieversorger den Fall – ein Sprecher teilt mit: „Der Abschlagsplan hat sich als nicht korrekt herausgestellt und ist nicht gültig.“ Eon will den Zetzls jetzt eine Aktualisierung vorlegen, in der die Abschlagszahlungen „deutlich niedriger“ seien. Einen Betrag nennt Eon nicht. Höher als die bisherigen 163 Euro wird er aber wohl auf jeden Fall sein.

Soziale Verbände bangen schon jetzt um das Frühjahr 2023 – dann müssen die meisten Menschen ihre Heizkosten nachzahlen. „Schon seit zwei Jahren registrieren wir immer mehr Spendenanträge auf Einmalhilfen. Schon vor der Krise war es oft die Öl- oder Gas-Rechnung, die Menschen an ihre finanzielle Grenze brachte“, sagt Bettina Schubarth, Sprecherin des Sozialverbandes VdK. „Aber jetzt überlagern sich die hohen Mieten mit drastisch steigenden Energiepreisen.“

Video: Das eine Grad: Warum Sie zweimal sparen, wenn Sie weniger heizen

Eon korrigiert Abschläge: „nicht korrekt und nicht gültig“

Die Zetzls sind erstmal erleichtert. „Uns ist klar, dass die Energiekosten weitersteigen, aber diese Rechnung hat uns Angst gemacht“, sagt Irmgard Zetzl. „Wir essen weniger, kaufen keine neue Kleidung und heizen nur das Wohnzimmer mit Holz. Wir können uns nicht mehr einschränken und müssten bei 808 Euro im Monat das Haus verkaufen.“ Bisher kamen sie gerade so um die Runden. Seit 65 Jahren ist das Paar verheiratet und hat Jahrzehnte Obst und Gemüse an einem eigenen Marktstandl verkauft. „Das war Saisonarbeit. Drei Monate im Jahr haben wir auf Teneriffa gelebt und da Gemüse angebaut und verkauft. Die Flüge waren der einzige Luxus, den wir uns geleistet haben.“

Als Irmgard Zetzl an Brustkrebs erkrankt, verwirft das Paar den Plan, den Ruhestand dort zu verbringen. Es wählt Schönberg, nicht Spanien. Und das war richtig, sagen sie heute. Denn später erkrankt auch Ludwig Zetzl an Speiseröhrenkrebs. Vor drei Wochen wurde dem 87-Jährigen die Gallenblase entfernt – von der OP will er sich jetzt auf Teneriffa erholen. Die Ferienwohnung wäre der Gasrechnung wohl zuerst zum Opfer gefallen. „Viel hätte die nicht gebracht“, sagt Irmgrad Zetzl. „Aber wer weiß, wie alt wir werden und ob wir das Geld nicht doch noch brauchen.“ (sco)

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