Erregte Gemüter in Unterfranken

Nationalpark im Spessart? Scharf (CSU) will Dialog mit Landräten fortsetzen

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Bei Demonstrationen für und gegen den Nationalpark im Spessart.

Aschaffenburg - Wohin Bayerns dritter Nationalpark kommt, erregt in Unterfranken die Gemüter - denn der Spessart steht weit oben auf der Liste. Die Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) suchte den Dialog.

Kommt der dritte bayerische Nationalpark in den Spessart? Diese Frage bewegte am Freitag, 10. Februar, die unterfränkische Region und das benachbarte Aschaffenburg - denn dort traf Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) Bürgermeister und Landräte der Region, um mit ihnen über den Vorschlag zu sprechen. Weitere Kandidaten sind die Rhön und zwei Landkreise an der Donau. Bislang hat Bayern zwei Nationalparks im Bayerischen Wald und den Berchtesgadener Alpen. Dass es einen dritten Nationalpark geben soll, hatte die Staatsregierung im vergangenen Sommer beschlossen.

Befürworter und Gegner eines Nationalparks Spessart haben vor dem Landratsamt in Aschaffenburg gleichermaßen Demonstrationen angemeldet. Der Verein „Wir im Spessart“, in dem sich die Gegner versammelt haben, kündigte 600 Demonstranten und eine Sternfahrt mit 200 Traktoren an. Die Befürworter kritisierten den offensiven Protest der Gegner. „Sachlich miteinander reden bringt mehr, als mit Traktoren durch die Stadt zu fahren“, erklärte der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, Norbert Schäffer.

Gegner fürchten Einschränkung der Holzindustrie

Die Gegner fürchten vor allem eine Einschränkung der Holzindustrie. Die Auseinandersetzung ist grundsätzlicher Natur. „Wir sind generell gegen die Ausweisung eines dritten Nationalparks in Bayern“, sagte eine Sprecherin des Verbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie, der den Gegnerverein „Wir im Spessart“ unterstützt. Es sei sinnvoller, einen Wald nachhaltig zu bewirtschaften, als ihn in einem Nationalpark sich selbst zu überlassen. „Das Konzept Nationalpark ist nicht mehr zeitgemäß.“

Greenpeace hingegen setzt sich stark für einen dritten Nationalpark ein und begrüßt insbesondere die Möglichkeit, ihn im Spessart zu schaffen. „Aus naturfachlicher Sicht ist der Spessart schon ein Juwel“, sagte Waldexpertin Gesche Jürgens. In der Rhön seien viele Gebiete von Kulturlandschaften dominiert, während es im Spessart große Gebiete naturnaher Wälder gebe. Ein Nationalpark bedeute sicherlich Einschränkungen der Holzwirtschaft, doch ein Schutzgebiet umfasse in jedem Fall nur einen kleinen Teil des Spessarts. „Da können Lösungen gefunden werden.“ Sie sprach sich für einen offenen und konstruktiven Dialog aus.

Wenn dann kommt Nationalpark in den Hochspessart

Wenn am Ende der Spessart als Standort ausgewählt wird, wird der Nationalpark in den Hochspessart kommen. Das „Main-Echo“ hatte am Donnerstag eine Karte veröffentlicht, die den „Flächenvorschlag“ des Umweltministeriums an der Schnittstelle der drei Landkreise Miltenberg, Aschaffenburg und Main-Spessart zeigt. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte später, dass der Vorschlag des Ministeriums in diesem Bereich liege. Die genauen Grenzen stünden aber noch nicht fest, es bestehe noch „Spielraum für eine Feinabgrenzung“. Deshalb umfasse der Vorschlag 10 900 Hektar Wald, gesetzlich vorgeschrieben für Nationalparks seien aber nur mindestens 10 000 Hektar.

Die Situation nach dem Treffen:

Am Nachmittag hat der unterfränkische Spessart weiter gute Chancen, Bayerns dritten Nationalpark zu bekommen. „Wir haben uns verständigt, dass wir den Dialog fortsetzen wollen“, sagte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) nach dem Treffen mit Landräten und Bürgermeistern aus der Region. Sie sei „sehr zufrieden mit dem Verlauf des Gesprächs“. Die Landräte äußerten sich ähnlich. Entscheidend sei jedoch die Akzeptanz der Bevölkerung, sagte der Aschaffenburger Landrat Ulrich Reuter (CSU).

Vor allem Nationalparkgegner demonstrierten vor dem Aschaffenburger Landratsamt, in dem das Treffen stattfand. Nach Polizeiangaben gingen die Gegner mit zeitweise 500 Menschen auf die Straße. Zugleich demonstrierten 150 Menschen für einen Nationalpark. Beide Kundgebungen seien friedlich verlaufen, es habe keine Störungen oder Straftaten gegeben, sagte eine Polizeisprecherin.

Eine Studie solle nun klären, wie sehr der Spessart geeignet sei, sagte Scharf weiter. Zugleich würden weiter Gespräche mit den anderen Kandidaten-Regionen geführt. Im Gespräch sind außerdem die Rhön sowie zwei Landkreise an der Donau. Der endgültige Ort soll bis zur Landtagswahl im kommenden Jahr gefunden werden: „Es wäre schön“, wenn sich bis dahin eine Region heraus kristallisiere, sagte Scharf.

Das zeichnet einen Nationalpark aus:

Nationalparks sind geschützte Gebiete, in denen die Natur sich selbst überlassen wird. Das Bundes- und das bayerische Naturschutzgesetz schreiben vor, dass Nationalparks „einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik“ ermöglichen sollen. Zudem müssen sie mindestens 10 000 Hektar groß (das entspricht 10 x 10 Kilometern) und „weitgehend unzerschnitten“ sein. Ziel dabei ist, dass die Bevölkerung einen Eindruck davon erhält, wie sich die Natur vom Menschen unbeeinflusst entwickelt. Deshalb sollen Menschen durchaus in die Parks hinein: Im ältesten deutschen Nationalpark im Bayerischen Wald sind über 300 Kilometer Wanderwege ausgewiesen. Zum Schutz der Natur ist es dort verboten, die ausgeschilderten Wege zu verlassen. Das ist aber nicht Voraussetzung für einen Nationalpark: Im anderen bayerischen Nationalpark in den Berchtesgadener Alpen herrscht beispielsweise kein solches „Wegegebot“. Insgesamt gibt es in Deutschland 16 Nationalparks.

dpa

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