Drei Großeinsätze am Poschberg

Nach Eskalation am Predigtstuhl: Alpenverein bringt drastische Warnung an Bäumen an

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Gefährliche Suche nach dem Abstieg auf dem Predigtstuhl.

Drei Großeinsätze haben die anliegenden Bergwachten am Predigtstuhl an einem einzigen Wochenende leisten müssen. Jetzt reagiert der Deutsche Alpenverein (DAV).  

Update vom 14. August 2019: Große schwarze Totenschädel mit Knochen auf gelbem Papier sollen vorübergehend für Sicherheit auf dem Predigtstuhl bei Bad Reichenhall sorgen. Die gelben Wegweiser und Weg-Markierungen waren von einigen Wanderern übersehen worden. Das hat am Wochenende zu einer regelrechten Eskalation geführt: Gleich drei Einsätze mussten die Retter der angrenzenden Bergwachten und des Bayerischen Roten Kreuzes leisten. Einer der Einsätze dauerte 15 Stunden, ein anderer acht. Die Totenschädel-Warnungen sollen Wanderer nun effektiv abschrecken.

In den Tagen nach dem dramatischen Wochenende auf dem Predigtstuhl bei Bad Reichenhall hat die für den Wege-Unterhalt zuständige Reichenhaller Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) reagiert. Improvisierte Warnschilder mit Totenköpfen sollen helfen. Das Besondere an der Situation am Predigtstuhl scheint eine Forststraße zu sein, die es erst seit wenigen Jahren gibt. Sie ist eine Sackgasse.  

Gefährliche Suche nach dem Abstieg auf dem Predigtstuhl. 

Die Wanderer sind nach Angaben der Bergretter auf dem Abstieg der breiteren Forststraße gefolgt - anstelle des ausgeschilderten Wanderwegs. Sie hätten die Schilder schlichtweg übersehen, heißt es in einer Pressemitteilung des BRK. Um der Gefahr sich am Zieh- und Fußweg zur Poschhütte und an der Sackgassen-Forststraße zu verlaufen vorzubeugen, haben die DAV-Mitglieder die Totenkopfschilder angebracht. Diese Sofort-Maßnahme soll der Bergwacht weitere schlaflose Nächte am Poschberg ersparen. 

Nch der Rettung: Wanderer löst Unfallserie mit sieben Verletzten aus

Update vom 13. August 2019, 10.50 Uhr: Das war nicht sein Tag. Nach der aufwendigen Aktion, bei der ein 67-jähriger Wanderer am Montag von der Bergwacht am Poschberg bei Schneitzelreuth gerettet wurde, ging die Unfallserie für den Mann gleich weiter. 

Wie das BRK (Bayerische Rote Kreuz) berichtet, wollte der nach der Rettungsaktion unverletzte Urlauber aus Nordrhein-Westfalen am Montagmittag mit dem Auto vom Waxries-Parkplatz auf die B21 am Saalachsee einbiegen, als er eine Unfallserie mit sieben Verletzten auslöste. 

Poschberg/B21: Wanderer wird gerettet und löst Serien-Unfall aus

Der Mann fuhr mit seinem Polo auf die linke Spur der Bundesstraße, übersah dabei jedoch einem Honda und stieß seitlich-frontal mit ihm zusammen. Vier heranfahrende Urlauber in einem Mercedes-Kombi sahen den Unfall rechtzeitig und bremsten stark ab. Ein nachfolgendes Lkw-Gespann konnte jedoch nicht mehr schnell genug reagieren und krachte in das Heck des Mercedes.

Die Freiwilligen Feuerwehren Bad Reichenhall und Schneizlreuth und das Rote Kreuz waren mit einem Großaufgebot von Rettungskräften vor Ort. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz und flog die mittelschwer verletzte Beifahrerin des Mercedes ins Krankenhaus. 

Die fünf weiteren Unfallopfer und der 67-jährige Unfallverursacher kamen nach erster Einschätzungen mit leichteren Verletzungen davon. Auch sie werden derzeit noch behandelt. Die B21 musste in dem Abschnitt komplett gesperrt werden. Die Feuerwehr richtete eine örtliche Umleitung ein. 

Wanderer sitzt in steilem Gelände fest: Aufwändiger Einsatz

Erstmeldung vom 12. August 2019: Schneizlreuth/Baumgarten  -  Zum dritten Mal innerhalb von zwei Tagen mussten die Bergwachten aus Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf-Anger am Sonntagabend wegen eines verstiegenen Wanderers am Poschberg im Lattengebirge ausrücken. Der aufwendige Einsatz dauert noch immer an. Lange Zeit erschwerten Wind, Nebel und steile Felswände die Suche. 

Wanderer sitzt in steilem Gelände fest: Großeinsatz in der Nacht für die Bergwacht

In der Nacht und am Morgen waren 15 Bergretter, zwei Hubschrauber und das Team des Technikbusses der Bergwacht Chiemgau mit einer Wärmebild-Drohne im Einsatz, wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) berichtete. Erst am Montagvormittag schaffte es eine Fußmannschaft von der Poschhüte aus über einen Bergrücken und durch einen Graben zu dem Mann (67) abzusteigen. Die Bergwacht erreichte den Mann gegen 11.30 Uhr und bringt ihn derzeit seilgesichert nach oben.

Wie das Bayerische Rote Kreuz berichtet, hatte der Mann, der aus Niedersachsen kommt, wohl wie schon eine Familie am Freitagnachmittag und ein Duo aus München am Freitagabend die Abzweigung zum Waxriessteig verpasst. Der Mann war dann nordöstlich über das Schneideck in Richtung des Kieswerks am Saalachsee abgestiegen. In rund 1.000 Metern kam er dann allerdings ohne Licht im sehr steilen und unübersichtlichen Gelände nicht mehr weiter.

Am Poschberg saß ein Wanderer in steilem Gelände fest. Die Bergwacht suchte ihn die ganze Nacht.

Wanderer sitzt am Poschberg fest: Mann kann Rettern Standort nicht mitteilen

Gegen 20.20 Uhr ging dann der Notruf ein, der Mann konnte allerdings nicht genau sagen, wo er sich befand. Eine Handyortung war nicht möglich. Mehrere Mannschaften suchten den Mann und konnten Rufkontakt, aber keinen Sichtkontakt zu dem Wanderer herstellen. Ein mit einer Wärmebildkamera ausgestatteter Polizeihubschrauber musste wegen starken Winds wieder umkehren.

Langsam konnten die Mannschaften durch Rufkontakte und nicht eindeutige Sicht-Kontakte eingrenzen, wo sich der Mann befand. Die Retter versuchten laut BRK zu dem 67-Jährigen aufzusteigen, kamen dann aber an einer Wandstufe unterhalb des Mannes nicht mehr weiter und mussten gegen 4.30 Uhr umkehren.

Wanderer sitzt in steilem Gelände fest: Rettung erst am Morgen möglich

Am Montagmorgen entdeckte ein Rettungshubschrauber den Mann an der Nebelgrenze in etwa 1.000 Metern, konnte ihn aber wegen einer sinkenden Wolkenschicht nicht mehr erreichen.

Erst am Montagvormittag gelang es einer Fußmannschaft von der Poschhütte aus zu dem Mann abzusteigen. Regen und Nebel erschwerten weiterhin den Einsatz. Aktuell bringt die Bergwacht den Mann seilgesichert nach oben.

Sie hatten eine Frühlings-Bergtour geplant. Am Ende aber steckte ein Paar am Roß- und Buchstein im hüfthohen Schnee fest. Die Bergwacht Lenggries musste anrücken. (Merkur.de*) Größerer Einsatz an der Kramerspitze in den Ammergauer Alpen: Die Bergwacht rettete ein Urlauber-Pärchen, das nicht mehr absteigen konnte. Die Tour gilt als anspruchsvoll. Erneut haben zwei Wanderer die Bedingungen völlig unter- und ihre Kondition überschätzt. Die Bergwacht Bad Tölz rettete die beiden Männer. In München ist eine 82-Jährige bei einem Zusammenprall mit einer Tram tödlich verletzt worden.

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