Wegen Körperverletzung

Notruf abgewimmelt: Polizist muss vor Gericht

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Ein Polizist hatte keine Hilfe geschickt, jetzt kommt es zum Prozess. 

Wer aus Angst den Notruf 110 wählt, hofft meist auf schnelle Hilfe. Doch wenn der Beamte am anderen Ende der Leitung einen abwimmelt, kann es Ärger geben - auch für den Polizisten. Ein Notrufbeamter steht nun vor Gericht, weil er keine Streife geschickt hat.

Augsburg - Weil er trotz Notrufs einem Jugendlichen keine Hilfe geschickt hat, muss am Donnerstag ein Polizist vor das Augsburger Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 53 Jahre alten Beamten vorsätzliche Körperverletzung im Amt vor. Der Polizist hatte deswegen einen Strafbefehl über 4800 Euro erhalten. Er legte gegen diese Geldstrafe Einspruch ein, so dass der Fall nun in einem Prozess verhandelt wird.

Nach den Ermittlungen hatte ein Jugendlicher im März 2016 die Notrufnummer 110 gewählt. An einem Skaterplatz im Augsburger Vorort Stadtbergen war er zusammen mit einem Freund in eine Auseinandersetzung mit anderen jungen Leuten verwickelt. Der Angeklagte nahm in der Einsatzzentrale des Augsburger Polizeipräsidiums den Anruf entgegen, schickte dem Jugendlichen trotz dessen Hilferufs aber keine Streife.

Er habe dem Anrufer vielmehr geraten, den Streit friedlich zu regeln oder zu Fuß zum nächsten Polizeirevier zu gehen. Letztlich wurde der junge Mann von mehreren Tätern verprügelt und erlitt zahlreiche Hämatome und Prellungen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten eine Verletzung seiner Dienstpflicht vor. Das Polizeipräsidium in Augsburg wird zudem nach dem Strafverfahren auch noch mögliche dienstrechtliche Schritte gegen den Polizisten prüfen. Gegen die eigentlichen Schläger laufen derzeit noch weitere Strafverfahren.

Körperverletzung im Amt ist nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kein seltener Vorwurf gegen Polizisten. Häufig erhielten Beamte, die jemanden festgenommen haben, von ihrem Kontrahenten eine entsprechende Anzeige, sagte GdP-Bundesvorsitzender Oliver Malchow der Deutschen Presse-Agentur. Dass der Vorwurf aber wie in dem aktuellen Fall einen Notrufbeamten treffe, sei ganz selten. „Solche Verfahren sind verschwindend gering.“

Im Mai 2005 stand in Berlin ein Beamter wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht. Der Notrufbeamte hatte einen anonymen Anruf zunächst ignoriert, als vor einer Diskothek jemand zusammengeschlagen worden war. Der Polizist zahlte 500 Euro, dafür wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt.

dpa

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