Menschenkette gegen Mauer

Passauer laufen Sturm gegen Pläne zum Hochwasserschutz

Hochwasser in Passau - Aufnahme vom 3. Juni 2013
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Hochwasser in Passau - Aufnahme vom 3. Juni 2013.

Entspannt an der Innpromenade schlendern, oder Ufer-nahe Häuser vor neuem Hochwasser schützen? Viele Passauer sind gegen den Bau einer schützenden Mauer.

Sie sind zu Hunderten gekommen – und sie wollen ihr Passau so behalten, wie sie ihre Stadt seit jeher kennen. Ohne Mauer an der Innpromenade zwischen Marienbrücke und dem Karolinenplatz. Diese sieht aber ein Entwurf in verschiedenen Varianten vor. Wegen der Mauer regt sich Widerstand in der Dreiflüsse-Stadt, doch es ist eine ambivalente Angelegenheit, schließlich geht es auch um den Schutz Passaus...

Am Abend des 1. Mai versammelten sich im Vorfeld einer Stadtratsentscheidung an die 250 Bürger zur Kundgebung und bildeten wie schon in den Wochen zuvor eine Menschenkette entlang der Promenade, die sie gefährdet sehen. Sie haben dazu mit Lehm, Blumen und Gräsern ihren Bäumen ein Gesicht gegeben. Der Auftritt einer Sängerin mit Gitarre erinnerte an die Zeit der Blumenkinder. Ein Motto verbindet alle: Rettet die Innpromenade! „Ich habe alle Architektenentwürfe gesehen, keiner ist so schön, wie es jetzt ist“, verkündete der Passauer Kulturhistoriker Werner Kraus, einer der Redner und Initiatoren. Die Kastanienallee, die Anordnung der Bänke mit Blick auf die Uferzeile der Innstadt, alles sei so erhalten, wie diese Parkanlage vor mehr als 200 Jahren auch geschaffen wurden.

An diesem Abschnitt der Innpromenade in Passau soll die Hochwassermauer entstehen.

Hochwasser in Passau 2013: 15 Millionen Euro Schaden

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Doch so könnte der Hochwasserschutz aussehen, über den am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung entschieden wurde, an der eine Arbeitsgruppe aus Stadträten und beratenden Mitgliedern beteiligt war: Auf einer Länge von 520 Metern erstreckt sich ein durchschnittlich gut Hüft- bis brusthoher Mauersockel, der im Ernstfall als Fundament für die eigentliche Hochwasserwand dient. Das sind mobile Steckelemente, etwa 2,50 Meter hoch. Da der Inn schnell steigt, wurde kalkuliert, wie groß diese Hochwasserwand maximal sein darf; Helfer müssten den Aufbau schnell bewältigen können. 600 Quadratmeter, etwa die Flügelfläche eines Jumbojets, gilt hier als Obergrenze.

Chronologie: Hochwasserkatastrophen in Deutschland

Der Mauersockel ist nur der sichtbare Teil. Damit das Wasser abgehalten werden kann, müssten Fundamente in elf Metern Tiefe eingebracht werden. Wegen der breiten Baustelle müsste eine Schneise in die grüne Allee geschlagen werden, dort, wo die Passauer gerne lustwandeln.

Laut einer Aufstellung waren beim 2013er-Hochwasser in diesem Abschnitt 50 Gebäude und 270 Bürger betroffen. Schaden damals: 15 Millionen Euro.

Hubert Denk

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