Gebeine eines bayerischen Generals

Mumie eines bayerischen Generals bringt erstaunliches Ergebnis

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So sah die Mumie aus, als der Sarg geöffnet wurde.

München - Ein Münchner Pathologe hat die Mumie eines bayerischen Generals aus dem 19. Jahrhundert untersucht. Das Ergebnis verblüffte ihn.

Heinrich LII. (der 52.) Reuß zu Köstritz war ein bayerischer General ohne Furcht und Tadel. Der Adlige aus dem kleinen Fürstentum derer von Reuß, der nach Bayern gezogen war, nahm an mehreren Feldzügen teil – erst gegen die Franzosen, dann mit ihnen. Er erhielt den Max-Joseph-Orden, war geschätzter Ratgeber am bayerischen Königshof und Erzieher des Kronprinzen Ludwig – des späteren König Ludwig I.. 

Viel Ruhm, viel Ehre – aber nachdem er 1851 im hohen Alter von 88 Jahren gestorben war, geriet der Graf in Vergessenheit. Er hatte keine Kinder, und sein kleines, ehemals selbstständiges Fürstentum gibt es ja auch schon lange nicht mehr. Es liegt heute im Land Thüringen. 160 Jahre lang schlummerte der Leichnam in der Jordan-Gruft, benannt nach einer befreundeten Familie, in der kleinen Gemeinde Dötting-Wackerstein bei Ingolstadt.

So sah die Mumie aus, als der Sarg geöffnet wurde.


Der Pathologe stellte fest: „Keine Verwesung“

Als aber die Gruft vor einigen Jahren saniert werden musste, kamen fünf Särge zum Vorschein. Alle fünf nahm Andreas Nerlich, Chef-Pathologe am Klinikum München-Bogenhausen, zur Untersuchung mit in sein Labor. Der bayerische Militär war als erster an der Reihe. „Natürliche Trocknung, keine Verwesung“, hielt Nerlich erst einmal fest. Dann untersuchte ein ganzes Team an Wissenschaftlern die Mumie auf Herz und Nieren. CT, Autopsie, Röntgen, Histologie, selbst eine DNA-Analyse folgte. In Brust und Bauchraum wurden Fenster zur Probenentnahme gesägt.

Am Ende gab es ein erstaunliches Ergebnis: Der Mann war bis zu seinem Tod im gesegneten Alter von 88 fit und gut ernährt.. Er hatte sich gesund ernährt, litt nicht an Osteoporose, wohl aber an einigen, damals wohl typischen Gebrechen. Seine Halsschlagader wies Verkalkungsprozesse auf, und Tuberkulose hatte er sich auf einem seiner Feldzüge, die ihn zum Beispiel bis Warschau führten, auch geholt. Dass ein Tuberkulose-Erreger in ihm schlummerte, dürfte der Mann nicht gewusst haben. Sie war aber nicht die Todesursache, berichtet Nerlich.

Andreas Nerlich, Chef-Pathologe am Klinikum München-Bogenhausen

Der Pathologe hat in der Untersuchung von Mumien einige Übung. Er hat auch schon den „Riesen von Tegernsee“ untersucht – den bedauernswerten, 2,35 Meter großen Thomas Hasler, der 1876 qualvoll starb. Auch die 1200 Jahre alten Gebeine der Klostergründer von Tegernsee, Adalbert und Otkar, lagen schon auf Nerlichs Seziertisch – eine Buchpublikation ist in Vorbereitung. Gegen den Vorwurf der Leichenfledderei verwahrt sich der Mediziner. Ihn treibt die wissenschaftliche Neugier um. Früher habe er schon mal ägyptische Mumien untersucht. Das sei aber aufgrund politischer Umstände nicht mehr möglich.

Der General starb an einer Lungenentzündung

Daher also der bayerische General. Nerlichs Forscherteam fand an seiner Wirbelsäule eine medizinische Besonderheit: einen faustgroßen kalten Abzeß. Der General hat ihn wahrscheinlich nie bemerkt. Doch in der Eiterkapsel war sogar der Tuberkulose-Erreger noch nachweisbar – dabei hatte der General seine Tb07c vollständig ausgeheilt. „Die Tuberkulose war oft ein Todesurteil, bei ihm aber nicht“, sagt Nerlich. Die eigentliche Todesursache war eine Lungenentzündung. Seine Erkenntnisse hat er in einem Buch veröffentlicht („Die Mumie des Königs General“, 27,80 Euro).

Der Sarg, in dem die Mumie lag. 

Der General ruht nach einer feierlichen Zeremonie mittlerweile längst wieder in der sanierten Gruft, ebenso wie die vier anderen Särge mit Abkömmlingen der Familie Jordan. Auch sie wurden wissenschaftlich vermessen – Ergebnisse soll es 2018 geben.

Auch die Mumie eines Kleinkinds untersuchte Nerlich

Nur soviel ist schon bekannt: Unter ihnen ist auch ein eineinhalb-jähriges Mädchen namens Karolina, das 1816 auf einer Reise mit seinen Eltern in Neapel gestorben war. Die Organe des Kindes wurden entnommen und in Alkohol eingelegt – so war der Leichnam für die lange Rückreise präpariert. Auch über mysteriöse Tier-Mumien rätselten die Forscher. Jetzt steht fest: Es waren drei Marder, die irgendwann irgendwie in Gruft und Sarg eindrangen – und dort verendeten.

Pathologe hält Vortrag

Der Mediziner Nerlich berichtet über die Mumie am nächsten Montag (13. Februar) im Seminarraum (Erdgeschoss) des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin (Lessingstraße 2, München). Beginn ist um 18 Uhr.

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