Beschluss gefasst

Marktschorgast distanziert sich von Ehrenbürgerschaft für Hitler

Marktschorgast - Die Gemeinde Marktschorgast will sich von der Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler distanzieren. Aberkennen kann die Kommune die Auszeichnung nicht.

Am 22. März 1933 wurde Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Marktschorgast im Landkreis Kulmbach. Auch Paul von Hindenburg und zwei weitere NSDAP-Männer erhielten diese Ehre. Nun, mehr als 80 Jahre später, distanziert sich die oberfränkische Gemeinde nachdrücklich von der Entscheidung. Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend einstimmig einen entsprechenden Beschluss gefasst. Damit reiht sich die Kommune in die bundesweite Liste derer ein, die diesen Schritt schon vorher gemacht hatten.

„Jetzt, da ein Rechtsruck durch ganz Europa geht, ist das ein Zeichen“, hatte Hans Tischhöfer (Freie Wähler) einige Tage vor der Sitzung gesagt. Er ist der Bürgermeister der Gemeinde mit 1550 Einwohnern. Die jetzigen Mandatsträger wollten zum Ausdruck bringen, dass heute eine solche Würdigung nicht mehr möglich wäre.

Dabei geht es in Marktschorgast nicht nur um Adolf Hitler, sondern auch um die Ehrenbürgerschaften für drei weitere Männer: Paul von Hindenburg, der 1925 Reichspräsident der Weimarer Republik wurde, Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannte und den Nationalsozialisten damit den Weg ebnete; NSDAP-Gauleiter Hans Schemm aus Bayreuth sowie Nikolaus Brückner, ebenfalls aktiver NSDAP-Mann.

Aberkennen konnte der Gemeinderat die Ehrenbürgerschaften nicht. In der Sitzung am Donnerstagabend hieß es unter Berufung auf eine entsprechende Auskunft des Bayerischen Gemeindetags, dass die Ernennung zum Ehrenbürger ausschließlich personenbezogen sei und daher mit dem Tode erlösche. Ein Widerruf der Ernennung nach dem Tode, also nach dem Erlöschen, sei daher sowohl aus tatsächlichen wie auch aus rechtlichen Gründen nicht möglich; er komme nur zu Lebzeiten des Ehrenbürgers in Betracht. Daher empfehle der Gemeindetag eine daher nachdrückliche Distanzierung von der früheren Ehrung.

Deutschlandweit entscheiden sich immer wieder Kommunen zu dem entsprechenden Schritt - in Bayern etwa Schwabach, in Baden-Württemberg Friedrichshafen oder die Stadt Kalkar in Nordrhein-Westfalen.

dpa/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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