Wir haben mit dem Veterinäramt gesprochen

„Horror-Hof“ in Oettingen: Tierschützer werfen Behörden Versagen vor 

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Vergangene Woche deckten Tierschützer von Animals United schreckliche Zustände auf einem Hof in Oettingen auf. Doch der Zustand soll sich seitdem nicht verbessert haben - ganz im Gegenteil.

Oettingen - Wenn die meisten Menschen an einen Bauernhof denken, kommt ihnen vermutlich zunächst ein Hof mit glücklichen Kühen in den Sinn, die gemeinsam mit ihren Kälbern auf der Weide stehen, die Sonne genießen und gemütlich grasen. Eine Vorstellung, der jeder gerne glauben würde. Doch die Tierhaltung in Deutschland sieht oft anders aus: Erst Anfang vergangener Woche hat die Tierschutzorganisation „Animals United“ die offenbar katastrophalen Zustände auf einem Bauernhof in Oettingen (Landkreis Donau-Ries) aufgedeckt und Bilder aus dessem Stall veröffentlicht. Die zeigen ein Leben, dass voller Leid steckt: Kühe, die in ihrem eigenen Mist stehen, ein Kalb, das angekettet in seinem Stall steht und Katzen, die ohne vernünftige Nahrung ebenfalls im Dreck leben.

Diese Bilder sollen das Leben der Katzen auf dem Hof in Oettingen zeigen, nachdem das Vterinäramt vor ort war.

Nachdem sich die gesamte Stadt, darunter auch Bürgermeisterin Petra Wagner, schockiert zeigte, war das Veterinäramt vor Ort. Doch laut einer offiziellen Pressemitteilung von Animals United sollen diese keinerlei Verstöße festgestellt und lediglich „ein paar kleine Auflagen“ erteilt haben. In einer Stellungnahme des Amts wurde mitgeteilt, dass sich die dort lebenden Tiere „in keinem Zustand befanden, der ein umgehendes Eingreifen aus tierschutzrechtlicher Sicht erforderlich machte“. Vielmehr verglich Thomas Kellner, der Leiter des Veterinäramts Donau-Ries, die Situation mit einer Verkehrsangelegenheit: „Beim ersten Verstoß wird ja auch nicht der Führerschein auf Lebenszeit entzogen“.

„Die Zustände auf dem Oettinger Hof haben sich trotz der Kontrolle des Veterinäramts verschlimmert.“

Animals United veröffentlichte nach dem Besuch des Veterinäramts erneut Aufnahmen, die den „Horror-Hof“ aktuell zeigen sollen. Eine Besserung sei weder sichtbar noch in Aussicht gewesen, die allgemeine Situation soll sich sogar verschlimmert haben. Viktor Gebhart, Geschäftsführer von Animals United e.V., teilt in der Pressemitteilung mit: „Es liegen klare Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor, wie eine akute Verletzungsgefahr.“ Zudem sei es menschlich fragwürdig, einem völlig überforderten Bauern Mitte 70, der offenkundig selbst dringend Hilfe benötige, weitere Auflagen zu machen.

Tierschützer hoffen auf ein „Weihnachtswunder für die Tiere“

Die Tierschützer haben deshalb erneut Anzeige erstattet und die Stadt sowie die Bürgermeisterin über die unveränderte Lage informiert. „Wir haben klare Missstände gemeldet, haben hierzu bis dato jedoch nie eine Antwort bekommen, weder von der Stadt noch dem Veterinäramt.“ Sie hoffen auf ein „Weihnachtswunder für die Tiere“ und würden „den Tieren und dem sichtlich überforderten Bauern“ gerne helfen, indem sie die Kühe und Katzen vermitteln.

Das Amt äußert sich auf Anfrage unserer Redaktion

Unsere Redaktion hat das Veterinäramt mit den Vorwürfen konfrontiert: Trotz der Bilder, die Kühe im Dreck zeigen, sei „die Gesundheit der Tiere dadurch nicht direkt gefährdet“, stellt eine Sprecherin des Veterinäramts gegenüber unserer Redaktion klar. Um die Angelegenheit mit dem fehlenden frischen Wasser habe man sich aber durchaus gekümmert. Der Bauer habe Auflagen bekommen, an die er sich in Zukunft halten muss. Die Behörden-Sprecherin teilte uns außerdem mit, in Zukunft unangemeldete Kontrollen durchzuführen. „Wir tun alles, was in unserer Macht liegt.“

Ein anderes aktuelles Bild von Animals United zeigt eine Kuh, deren Fell fast ausschließlich mit Dreck bedeckt ist.

Bürgermeisterin Petra Wagner über die Vorwürfe

Auch Bürgermeisterin Petra Wagner äußerte sich zu den neuen Aufnahmen, die den „Horror-Hof“ nach dem Besuch des Veterinäramts zeigen. Nach den erneuten Vorwürfen hat sie sich nach eigenen Angaben umgehend mit dem Amt in Verbindung gesetzt und nachgeforscht. Allgemein teilt sie unserer Redaktion mit, sie habe „Vertrauen ins Veterinäramt, dass es die richtigen Maßnahmen ergreift“. 

Ob sich die Zustände auf dem Hof in Oettingen tatsächlich verbessern werden oder die Tiere gar ein echtes „Weihnachtswunder“ erleben dürfen, bleibt zunächst offen. Ein Einzelfall stellt dieser Bauernhof aber keinesfalls dar. Viel zu oft werden in der deutschen Tierhaltung Misstände aufgedeckt, die beispielsweise Krankheiten, fehlende Betäubung beim Schlachten und zahlreiche weitere Vergehen zeigen.

Tierrechtsorganisationen wie Animals United e.V. und beispielsweise die Albert Schweitzer Stiftung richten sich deshalb gezielt an die Verbraucher. Sie wollen die Menschen einladen, sich für Mitgefühl zu entscheiden und auf dem eigenen Teller anzufangen - für eine Zukunft, in der jedes Lebewesen ein Recht auf Leben hat.

nz

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