Unmoralisches Geschäft

Bayer „vermarktet“ seine Freundin im Internet - jetzt muss er hinter Gitter

Nachdem einem Paar das Geld ausging, wurde der Mann zum Zuhälter seiner Freundin. Im Gerichtsprozess musste er sich zusätzlich wegen Erpressung verantworten.

Donauwörth - Im Sommer 2011 lernten sich eine damals 18-jährige Österreicherin und ein 42 Jahre alter Deutscher über das Internet kennen. Die beiden gingen eine Partnerschaft ein und zogen schließlich zusammen. Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht stand die Beziehung unter keinem guten Stern. Wie die Augsburger Allgemeine berichtete, resultierte die Liebschaft sogar in Prostitution und Zuhälterei.

Das Paar litt unter finanziellen Nöten

Der Prozess, der am Dienstag vom Schöffengericht am Amtsgericht Nördlingen beendet wurde, hatte einige Ereignisse zu Tage gefördert. 

Das Paar lebte von 2013 bis 2015 zunächst in Österreich. Danach entschlossen sie sich übergangsweise nach Würzburg überzusiedeln, doch es zog sie schnell wieder in die Heimat der jungen Frau zurück. Die Österreicherin ging diversen Gelegenheitsjobs nach und begann schließlich eine Ausbildung. Da der Mann aber nichts zum Einkommen der beiden beizutragen hatte, war es finanziell nicht gut um die beiden bestellt. Um sich über Wasser halten zu können, griffen das Paar auf das Erbe zurück, welches der Vater der Frau ihr hinterlassen hatte. Doch auch diese Reserven waren irgendwann aufgebraucht, weshalb der Mann auf eine dubiose Idee zur Finanzierung des Lebensunterhaltes und anderer materieller Wünsche kam. 

Der Mann nötigte seine Freundin zur Prostitution

Er schaltete eindeutige Kontaktanzeigen auf Internetplattformen und vermarktete seine Freundin als Prostituierte. Das Gericht hatte keine Zweifel daran, dass die Motivation die Sex-Kunden anzuwerben vom Mann ausging, und nicht von der 24-Jährigen selbst. Von November bis Dezember 2014 kam es schließlich zu drei Treffen mit Freiern in der privaten Wohnung des Paares. Für ihre Dienste erhielt die Frau jeweils 150 Euro. 

Die Details über die Zusammenkunft seiner Freundin mit den Freiern wurden vorab durch ihren Lebensgefährten vereinbart. Dies geschah nach Aussage der Frau gegen ihren Willen und ging eigenmächtig von ihrem Freund aus. Das Druck-Mittel des Mannes bestand darin, dass er mit dem Beziehungs-Aus drohte, wenn diese sich seinem Willen widersetzen würde. Obwohl sie von den Zuhälter-Aktivitäten ihres Partners schockiert gewesen sei, habe sie sich deshalb nicht gegen ihn wehren können und erlag seiner Dominanz. Richterin Eisenbarth, die den Prozess leitete bestätigte, dass diese Dominanz des Angeklagten auch für das Gericht „völlig deutlich“ wurde.

Nach der Anzeige der Frau folgte die Lösegeld-Erpressung 

Mit dem Termin für ihren vierten Freier stand für die Frau dann endgültig der Entschluss fest, bei der Polizei Anzeige gegen ihren Freund zu erstatten. Die seelischen Belastungen waren für die Österreicherin einfach zu groß geworden. 

Der Mann ergriff daraufhin mitsamt dem Hund der Frau - einem Husky - in ihrem Auto die Flucht. Er kam zuerst in Donauwörth unter und forderte für die Rückgabe von Hund und Auto ein Lösegeld in Höhe von 14.000 Euro. Nach Angaben des Mannes sollte das geforderte Geld eine Entschädigung für das hauptsächlich von ihm stammende Mobiliar in der gemeinsamen Wohnung sein. Nachdem der Angeklagte trotz Aufforderungen seitens seiner Freundin aber selbst nach zwei Jahren keine Anstalten machte, die Möbel abzuholen, wurden diese schließlich entsorgt. Folglich schenkte auch das Gericht der Behauptung des Angeklagten keinen Glauben.

Verurteilung zu hart? Der Verteidiger fordert milderes Strafmaß

Das Schöffengericht am Amtsgericht Nördlingen verurteilte den 48-jährigen Mann wegen schweren Menschenhandels mit Zuhälterei und Erpressung letztlich zu drei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe. 

Für den Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Ulrich Roßkopf, stellte sich der Sachverhalt jedoch nicht so eindeutig dar, wie für das Gericht. Er forderte Freispruch für seinen Mandanten, da er die Vorwürfe des Menschenhandels und der Zuhälterei sowie die versuchte Erpressung nicht bestätigt sah. 

Im Urteil inbegriffen ist außerdem eine weitere Straftat. Der Angeklagte hatte 1799 Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Bildern und Videos auf Computer und Mobiltelefon gespeichert. Das belastende Material wurde von der Kriminalpolizei Dillingen im Mai 2016 in der Wohnung des Angeklagten im Landkreis Donau-Ries festgestellt, wo dieser inzwischen lebt. Den Besitz der kinderpornografischen Schriften hatte der Angeklagte im Laufe des Prozesses eingeräumt. Sein Anwalt wollte für dieses Vergehen eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung erwirken.

Die zuständige Staatsanwältin Kathrin Schmid forderte hingegen drei Jahre und sechs Monate für den Mann. Für Sie bestanden keine Zweifel an der Schuld des 48-Jährigen. Auch das Gericht folgte ihren Ausführungen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

Lesen Sie auch: Prostituierten-Morde in Nürnberg: Wird ihr Tod jetzt gesühnt?

ang

Rubriklistenbild: © Symbolbild / dpa / Oliver Berg/

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